„Heiterkeit ist eine moralische Frage. Mürrische Leute,
die andere mit ihren Problemen behelligen,
die halte ich für rücksichtslos“
(Hans Magnus Enzensberger)
vs.
„Am Ufer der Wehmut blühen die Sterne“
(Friederike Mayröcker)
Ein paar Seiten zurückgeblättert: Persistenz und Subtext. So kann es jedenfalls nicht weitergehen.
Ein augenscheinlich dubioser Laden, dieses Internet- und Game-Café. Meistens waren die Rolladen heruntergezogen, nur sehr selten ließen sie einen Blick auf die dahinter befindlichen schmutzigen Gardinen sowie die gummibaumartige Botanik zu.
Jahrelang ging sie daran vorbei, manchmal wunderte sie sich, wie diese ungastliche Stätte überleben könne. Nie spielte sie mit dem Gedanken, einen Fuß über die Schwelle zu setzen. – Bis plötzlich diese unscheinbares Mädchen vor ihr stand und sie darum bat, einen Zettel mit einer Nummer darauf, vermutlich die Telefonnummer des Mädchens, an einen jungen Mann zu übergeben, der sich in dem sogeannten Café befand. Sie, die jahrelang an dem Café mit den heruntergezogenen Rolladen und den dahinter befindlichen schmutzigen Gardinen vorbeiging, zögerte. – Schließlich kam sie aber doch der beharrlichen Bitte des Mädchens nach.
Moppel sitzt allein in seinem Käfig. Er ist ein alter Hase: Unter dem pilzbedingt an einigen Stellen ausfallenden Pelz hat er ein unkontrolliert wachsendes Geschwür. Für eine Operation ist er jedoch bereits zu alt – es lohnt sich nicht mehr (sagt der Tierarzt). Darüber hinaus treten bei ihm erste Anzeichen einer Demenz zum Vorschein und möglicherweise leidet er unter seiner Einsamkeit.
All das sieht man ihm auf den ersten Blick nicht an, denn im Alltag funktioniert er, wie man es von ihm erwartet. Er lebt ein scheinbar ganz normales Hasenleben: Fressen – Schlafen – Fressen. Zum Glück hat er gute Freunde, die sich um ihn kümmern. Und so lange er sich keine großen Gedanken über den Sinn seines Daseins macht, ist es für ihn wohl auch halbwegs erträglich.