Juckreiz

Niemand kann sagen, woher genau es kommt. Plötzlich ist es da. Man will ihm nicht nachgeben, aber so sehr man auch mit sich ringt, irgendwann tut man es doch. Es ist kein Schmerz, aber es juckt. Lange Zeit hat die Forschung das nicht ernst genommen. Amerikanische Psychologen haben kürzlich Menschen mit Schmerzen und Menschen mit Juckreiz nach ihrer jeweiligen Bereitschaft befragt, Lebenszeit gegen Befreiung von ihrem Leid einzutauschen. Beide Gruppen waren geneigt, mehr als 20 % ihrer Lebenserwartung herzugeben.

Dann geht es wieder los. Und wenn man sich bis aufs Blut gekratzt hat, hat man natürlich eine Ahnung davon, was diesen Juckreiz auslöst. Daran denkend möchte man den Prozentsatz großzügig erhöhen, muss aber feststellen, dass es keinen Gegenpart gibt, der dieses Geschäft annimmt.

Vogel Strauß

Wie sinnlos die Welt dir erscheinen mag, vergiss nie,
dass du durch dein Handeln wie durch dein Unterlassen dein
redlich Teil zu dieser Sinnlosigkeit beiträgst.
(Arthur Schnitzler)

Obwohl seine Augen größer sind als sein Gehirn, weiß der Vogel Strauß, dass es keine Lösung ist, bei drohender Gefahr, den Kopf in den Sand zu stecken. Der Irrglaube, er täte ebendies, hält sich zwar hartnäckig, ist jedoch einer falschen Beobachtung geschuldet. Tatsächlich legt sich der Struthiu camelus flach auf den Boden, um bei Fährnis sein Nest zu schützen.

Die Dinge sind zuweilen anders als sie erscheinen.

Aktives Handeln

What good am I if I know and don’t do?
(Bob Dylan)

Endlich hat er eine Entscheidung getroffen, wie all das weitergehen sollte. Eine kleine Schlacht im Krieg gegen das eigene Phlegma war nun gewonnen; er hat sich für die Umschulung zum Pornorapper angemeldet. Vielleicht war das nicht ganz genau das Richtige für ihn, aber irgendwas musste passieren. „Stop da fat lethargy, MC“, summte er ein wenig zu selbstzufrieden vor sich hin, aber dies war die einzige Chance, ein paar Props zu erhalten. Dann ritt er auf den nassen Straßen der Stadt dem Turm, der über alles ragte, entgegen. – So weit ihn sein totes Pferd trug.

Immer nie am Meer

Ich, Rügen, 2008.

Einen kurzen Moment davon träumen, frische Luft zu inhalieren, den Blick in die Ferne schweifen zu lassen und dem Rauschen der Wellen zu lauschen etc. Dann plötzlich vom Lärm des Müllwagens vor dem Fenster geweckt werden. Gierig verschlingt er meinen Abfall und presst ihn zusammen, nimmersatt. Das Meer ist nur wenige hundert Kilometer entfernt und doch erscheint es unerreichbar. Sodann sisyphosgleich damit fortfahren, die Tonnen wieder zu befüllen, in der kommenden Woche erneut vom Krach des Müllfahrzeugs geweckt werden und auf das Abschmelzen der Polkappen warten, damit das Meer zu mir kommt.

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