Miniatur-Wunderland

Auf der Alm da gibt's koa Sünd

Ein Oval mit einem Durchmesser von etwa 1,5 Metern. Strom an: der Zug fährt. Strom aus: der Zug hält. Es war ein Güterzug im Maßstab 1:160, Spur N. Später kam noch ein Abstellgleis dazu. Obwohl ich mir als Kind immer eine Modellbahn gewünscht hatte, war die Euphorie schnell verflogen: Dieses ewige Zugkreisen führte doch zu nichts.

Irgendwo in der Hamburger Speicherstadt auf einem der vielen Berge hinter einen Gebüsch liegt ein Paar und vögelt. Ein Fotograf hält diese Szene im Bild fest, was wiederum von einem anderen Fotografen fotografiert wird. Der Fotograf im Maßstab 1:87 trägt eine blaue Jacke, während der Fotograf im Maßstab 1:1 mit einem schwarzen Pullover bekleidet ist. Letzterer bin ich.

Wenngleich mein Herz nie wirklich für das Modelleisenbahnwesen schlug, kann ich eine gewisse Entzückung ob der zahlreichen liebevoll gestalteten Details in der größten Modelleisenbahnanlage der Welt nicht verhehlen. Züge gibt es dort übrigens auch.

Herbst 2008

Wenn du und das Laub wird älter
und du merkst, die Luft wird kälter
und du fiehlst, daß du bald sterbst
dann is Herbst

(Dieter Hildebrandt)


„Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr“, dichtete Rainer Maria Rilke im Jahre 1902. Und sinnierten wir bis vor kurzem bei diesen Zeilen noch über die Zeit des Überganges zwischen Sommer und Winter, gar die Zeit der Ernte, so weist uns das vor uns auf dem Tisch liegende, welkende Handelsblatt schonungslos auf die fortdauernde Immobilienkrise hin.

Über den Herbst habe ich bereits im vergangenen Jahr alles geschrieben, was zu schreiben ist. In diesem Jahr gibt es darum auch nur einige Bildimpressionen von mir. Falls ich im kommenden Jahr den Chlorophyllabbau in den Blättern noch miterleben sollte, komponiere ich vielleicht eine passende Kantate.

Tiefbunker Hachmannplatz

Tag des offenen Denkmals. Treffpunkt: ein großer Platz hinter dem Hauptbahnhof. Niemand ist da. Ein Freund und Helfer schickt uns in die eine Richtung, um den ganzen Bahnhof herum; es war die falsche. Der zweite Polizist weiß von nichts, wir laufen den Platz mehrfach auf und ab. Noch immer niemand da, dann die Antwort: ein Hilfssheriff verrät uns den Weg zum Bunkereingang. Wir kommen zu spät, die Führung ist bereits im Gange, wir sollen eine halbe Stunde später wiederkommen, vertreiben uns die Zeit bei einem Kaffee in St. Georg, dann Rückkehr zum Bunker, die Führung ist belegt, wir sollen eine Dreiviertelstunde wiederkommen, wir lungern am Bahnhof herum, wir kehren zurück und werden endlich in den Untergrund gelassen.Wenige Meter unter der Erde, hinter 2,50 Meter dicken Betonwänden eine Parallelwelt: 1940 errichtet für 1.000 Menschen zur Unterbringung bei Bombenangriffen, nach dem Krieg genutzt als Notunterkunft. Umbaupläne für ein Kino scheiterten an den Kosten. 1965 im Kalten Krieg erweitert: 1.447 Menschen sollten zum Schutz gegen atomare, biologische und chemische Kampfstoffe bis zu 14 Tage im Bunker untergebracht werden – 16 Stunden täglich auf einem unbequemen Holzstuhl sitzend, 8 Stunden auf einer kurzen, harten Liege; Ausnahmezustand. 1978 beheimatete der Bunker Zugreisende, die ihre Fahrt wegen der Schneekatastrophe nicht fortsetzen konnten, und während der ersten Wendetage 1989 übernachteten hier Besucher aus der DDR, die in die Hansestadt strömten.  Zuletzt bereitgehalten für die Auswirkungen des Millennium-Bugs, doch nichts ist passiert am 31.12.1999, genauso wenig wie heute um 11 Uhr am Hachmannplatz über der Erde, zur verabredeten Zeit, außer, dass um 0 Uhr planmäßig der Kalender umsprang auf den 1.1.2000.

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weiterführende Links:

Regula und Roderich streiten sich über den Namen der Elbphilharmonie

Regula und Roderich sind seit nun fast dreißig Jahren ein Herz und eine Seele. Sie teilen Tisch, Bett und Roderichs bescheidenes Einkommen aus seinem Minijob. Als sie sich gestern wieder einmal unerlaubterweise ihre Fahrkarte für den öffentlichen Personennahverkehr teilen wollten, trauten sie ihren Augen nicht: „Geben Sie der Elbphilharmonie Ihren Namen“ stand groß auf dem Plakat an der U-Bahn-Haltestelle geschrieben.

Als Kinder wurden sie noch für ihre merkwüridig anmutenden Vornamen von ihren Altersgenossen verspottet, das schweißte sie aber nur noch mehr zusammen. Nur jetzt, nach so vielen Jahren, drohte der erste große Zwist: sie konnten sich einfach nicht darauf einigen, wer von ihnen der Elbphilharmonie seinen Namen geben sollte.

Das Bauprojekt ist politisch gewollt, es ist ein „Leuchtturmprojekt für die Metropolregion Hamburg“, sagen die Politiker. Für Regula und Roderich war der geplante Konzertsaal bislang nichts weiter als ein bißchen Glas auf einer alten Lagerhalle, doch nun sollte alles anders werden.

Im Jahr 2011 oder 2012 soll die Konzerthalle fertiggestellt sein, doch wie soll sie heißen: Regula oder Roderich?

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