Sinn macht mobil

Frage an die ältere Generation nach 7/16 des Lebens: Kommt da noch etwas? Und warum gibt es nichts für junge Leute?

Zähneputzen

Die Situation ist immer die gleiche, verstandesmäßige:
aufwachen, waschen, anziehen, arbeiten, sich mit der
Arbeit einlassen, nicht verzweifeln, den Versuch machen,
nicht zu verzweifeln, wir akzeptieren! Wir dürfen nicht
nachlassen in unserer Intensität!

(Thomas Bernhard, Korrektur)

Im Widerspruch zum Vorsatz, ein kurzes und intensives Leben zu führen, steht der absurde Brauch, sich zweimal täglich die Zähne zu putzen. Der unvermeidliche Umgang mit Menschen gebietet schließlich ein angemessenes Maß an Zahnhygiene.

Doch ist dies vielmehr eine vorgeschobene Rechtfertigung unseres Handelns: Tatsächlich fürchten wir uns vor einem uns selbst unnötig zugefügten Schmerz und dem dann kommenden bohrenden Dentisten. Wir gehen davon aus, dass unser ursprünglich gefasster Vorsatz, ein kurzes und intensives Leben zu führen, nicht einzuhalten ist, weil naturgemäß alles immerzu weitermacht, und lassen die Bürste regelmäßig kreisen.

ESL

Manches, was Leben das besser macht, verschwindet schleichend. Viel zu oft lässt man es einfach geschehen – aus mangelnder Aufmerksamkeit oder Unvermögen, die eigenen Wünsche zu formulieren. Irgendwann reibt man sich die Augen, und es ist nicht mehr da.

Dann steht man vor dem Supermarktregal und so weit das Auge reicht gibt es nur noch Hocherhitztes, das uns als „extra lange frisch“ verkauft wird. Es schmeckt zwar nicht so gut, hält dafür aber ein paar Tage länger im Regal: extended shelf life (ESL).

Es bedarf einer größeren Anstrengung, um das Frühere noch einmal schmecken zu können. Aber es ist lediglich eine kurze Erinnerung an das Glück vergangener Tage. Nach nur drei Nächten im Kühlschrank ist alles wieder schlecht geworden: frische Vollmilch.