Ist PayPal böse?

Heute versandte die eBay-Tochtergesellschaft PayPal eine Mitteilung an ihre Nutzer. Diese besagt, dass zum 15. Februar 2007 die kostenfreie Einführungsphase beendet wird und für bislang kostenfreie Zahlungseingänge innerhalb deutschlands Gebühren erhoben werden. Der Einsatz dieser Zahlungsmethode, welche bei eBay-Transaktionen in der letzten Zeit zunehmend Anklang fand, wird somit für Verkäufer künftig weniger attraktiv sein. Aber gibt es auch noch weitere Gründe, die gegen PayPal sprechen?

Zunächst bedeutet diese Umstellung, dass auf private Verkäufer, die einen monatlichen Umsatz von unter EUR 1.000,– pro Monat über PayPal abwickeln, demnächst (neben den üblichen eBay-Gebühren) ein Entgelt von 1,9 % des Zahlungseinganges zzgl. einer Pauschale von EUR 0,35 zukommt. Dies entspricht bei einem Zahlungseingang von EUR 10,– insgesamt einer Gebühr von EUR 0,54.Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn sich PayPal seinen Service angemessen vergüten lässt. Schließlich ist die Dienstleistung mit einigen Bequemlichkeiten verbunden, so erreicht ein Zahlungsbetrag den Empfänger binnen weniger Sekunden mittels eines Knopfdrucks, was die Abwicklung eines Verkaufsvorganges um die übliche Banklaufzeit einer gewöhnlichen Überweisung von 3-4 Tagen beschleunigen kann. Der Käufer genießt bei ebay-Transaktionen den Vorzug des Käuferschutzes, was beudetet, dass dieser Kaufbeträge bis zu einem Betrag von EUR 500,– von PayPal erstattet bekommt, sofern die bezahlte Ware nicht versandt wurde oder der Artikelbeschreibung entspricht.

Dennoch ist davon auszugehen, dass angesichts der kommenden Gebühren zahlreiche Verkäufer dazu übergehen werden, künftig PayPal als Zahlungsweg nicht mehr zu akzeptieren. Trotz aller Vorzüge ist schließlich zu berücksichtigen, dass die Kosten für für die Übermittlung von Zahlungen innhalb von PayPal deutlich höher sind als bei einer Banküberweisung und zudem Guthaben nicht verzinst werden.

Darüber hinaus sprechen aber auch noch weitere Gründe gegen den Einsatz von PayPal. Im Internet mehren sich die kritischen Stimmen über das Online-Bezahlungssystem. So berichtete heise online bereits 20paypal sucks02 über über willkürliche Kontensperrungen seitens der eBay-Tochter. Auch die Internetseite beschwerdezentrum.de berichtet davon, dass PayPal die Möglichkeit hat, Konten ohne Angabe von Gründen zu sperren, Gelder zurückzubehalten sowie Geld ohne Einwilligung des Nutzers von dessen Konto abzubuchen, und führt dazu zahlreiche Erfahrungsberichte von ehemaligen Nutzern auf. So haben böswillige Käufer nach Erhalt einer einwandfreien Warenlieferung die Möglichkeit, entgegen der PayPal-Richtlinien den sogenannten Käuferschutz zu beantragen. Dieses hätte eine Überprüfung der Transaktion durch PayPal zur Folge und in den meisten Fällen auch eine Rückbelastung der Zahlung für den Verkäufer, gegen die sich dieser kaum wehren kann. Eingegangene Zahlungen werden dann ohne Rechtsgrundlage einbehalten bzw. dem Verkäufer zurückbelastet. Nichts positives ist ebenfalls von europäischer Ebene zu vernehmen, wie die Homepage nopaypal.eu zeigt. Auch im deutschsprachigen Beschwerdeforum wird eine große Anzahl von unangenehmen Erfahrungen diskutiert.

Wie immer: jeder muss selbst wissen, ob er PayPal einsetzt oder nicht. Der Slogan „PayPal und eBay – sicher und transparent“ trifft für Verkäufer weitestgehend nicht zu. Ich werde als Verkäufer künftig davon Abstand nehmen, diese Dienstleistung in Anspruch zu nehmen. Wem das Lachen noch nicht vergangen ist, der kann hier weiterlesen …

26 Antworten

  • Paypal hat außerdem eine – vorsichtig formuliert – seltsame Art, die Einführung der Gebühren zu verschleiern. Mit besonderer Vorliebe werden Mails verschickt, die in der Überschrift behaupten, paypal bliebe kostenlos. Nach ca. 45 Belanglosigkeiten findet sich dann am Ende der Mail ein trockener Hinweis, dass in näherer Zukunft Gebühren eingeführt werden, was ja nun schon das genaue Gegenteil der fetten Überschrift bedeutet. Ganz oben auf meiner to-do-Liste daher: Paypal deaktivieren.

  • Naja, die Betreffzeile war „Neue Gebührenordnung“, da kann man sich schon denken, was dahintersteckt. Ich kann nur sagen: schade. Ich mache jetzt auch keinen Gebrauch mehr von paypal…

  • Stimmt schon. Die letze Mail war überschrieben mit „Neue PayPal-Gebührenstruktur ab 15.02.2007“. Aber ansonsten steht noch hier geschrieben: „PayPal-Gebühren sind transparent und fair. Sie zahlen lediglich eine geringe Gebühr für eingehende Auslandszahlungen. Mit PayPal können Sie Ihren Kunden unterschiedliche Zahlungsmethoden anbieten, ohne Kontoeröffnungsgebühren oder weitere Verpflichtungen. Der Empfang aller anderen Zahlungen ist bis auf weiteres gebührenfrei.“

  • Paypal ist schon eine gute Sache.
    Finde ich praktisch wenn man bei Ebay
    was ersteigert und der Verkäufer auch gleich die
    Zahlung bekommt.

    So habe ich den Artikel dann auch schneller bei mir.
    Schöne Grüße

    Raphael

  • Ich bin nicht sicher, ob die Zahl der Verkäufer, die PayPal anbieten wirklich zurück geht.

    Ich kann nur von mir ausgehen, aber wenn ich bei eBay was suche, dann immer erst mit PayPal und Sofortkaufen-Filter. Ich bin keiner der gerne lange bietet und die Bezahlung per PayPal ist einfach viel bequemer und v.a. schneller.

    Mein letzter eBay-Kauf ohne PayPal ist schon sehr lange her. Das PayPal-Angebot ist mittlerweile (oder zumindest bis vor kurzem) so hoch, dass ich darauf lange nicht mehr verzichten musste.

    Wir werden sehen…

  • @Frank: Klar, Du siehst es aus der Sicht des ebay-Käufers. Da ist PayPal in der Tat ausschließlich mit Vorteilen versehen. Aus Sicht eines Verkäufers mag PayPal ja, abgesehen von den Gebühren, auch noch relativ problemlos sein, wenn es sich um geringwertigere Waren wie CDs handelt. Diese werden ja oft zum Sofortkauf und mit PayPal-Zahlung angeboten (Stand heute in ebay Deutschland: Stück 485.589 CDs, davon Stück 382.476 zum Sofortkauf und Stück 181.620 zum Sofortkauf mit PayPal-Zahlungsmöglichkeit).

    Das eigentliche Problem sehe ich bei Auktionen, bei denen es um höherwertige Waren geht. So habe ich z. B. hin und wieder Gitarren oder auch mal einen alten iPod über ebay versteigert. Bei einer Auktion, die dann in der Regel ohnehin zehn Tage läuft, habe ich kein Problem zwei bis drei Tage auf den Geldeingang zu warten – um dann auch die Gewissheit zu haben, dass das Geld auch unwiderruflich in meinem Verfügungsbereich ist.

    Ich gehe davon aus, dass das PayPal-Angebot insbesondere bei Waren, die den Wert einer CD überschreiten, von privaten Verkäufern künftig eingeschränkt verfügbar sein wird. Die Gebühren fallen hier doch stärker ins Gewicht (und können von privaten Verkäufern zudem nicht steuerlich geltend gemacht werden) und die Gefahr, dass potentielle Käufer auf identische Angebote mit PayPal-Zahlungsmöglichkeit ausweichen, ist eher nicht gegeben.

    Um meine Aussage zu relativieren: PayPal wird wohl eine gänge Zahlungsform bei geringerwertigen Transaktionen bleiben – vor allem wenn es sich um austauschbare Waren wie CDs handelt, die mehrfach im Angebot sind. Bei Privatverkäufen von höherwertigen Waren wird PayPal in Zukunft seltener zu den akzeptierten Zahlungsarten zählen.

  • zugegebenermaßen handelte es sich bei mir in der Vergangenheit primär um Waren deren Wert 100€ selten überschritten hat.

    Ansonsten gebe ich Dir recht – ich sehe das Problem auch, aber warscheinlich wird sich das auch in Zukunft marktwirtschaftlich regeln (Angebot/Nachfrage) – auch was die Zahlungsmodalitäten angeht.

  • Ich würde wahnsinnig gerne mein PayPal Konto löschen. Nur funktioniert das leider nicht, weil ich mich seit Donnerstag nicht mehr einloggen kann.

  • Wenn man einmal einen hohen Betrag aus dem Ausland auf sein Paypal-Konto bekommen hat, lässt man sehr schnell die Finger von dieser „Vereinfachung“ des Zahlungsverkehres.

    Bei mir waren beim ersten Versuch (ok – hatte mich auch nicht weiter vorab informiert ;-)) knapp 170 € Gebühren fällig, so daß ich seitdem wieder „freiwillig“ mit dem manuellen Einzahlungsprocedere eines „normalen“ Auslandsschecks lebe. Dauert zwar etwa 10 Tage bis zur Gutschrift auf meinem Konto, kostet aber nur 14,50 € …

    Bei den Paypal-Kosten sollte wenigstens der Service erstklassig sein – aber Pustekuchen, siehe mein Link. Paypal *muss* ziemlich böse sein …

  • Ja, Paypal *ist* boese und das ist auch der Grund, warum ich mir bewusst kein Konto angelegt habe in all den Jahren. Jetzt hoffe ich mal, dass Google Checkout in die Puschen kommt, international.

  • @Frank

    Vorteil für den Sender des Geldes ist zumindest in Deutschland der 500 Euro Käuferschutz.
    –> Man könnte bei ebay oder so wahrscheinlich ein wenig höhere Gebote erlangen. Bei billigen Artikeln wage ich dies aber zu bezweifeln, denn meines Wissens 35 Cents Minimum Gebühren plus Prozente sind zumindest bei 1 Euro Artikeln schwer wieder raus zu holen.

    Sollte dies aber in der Regel nicht der Fall sein und bleibt paypal bei den Gebühren, so wird Paypal sicherlich vom Markt bestraft.

  • @ Hans

    Warum deaktivieren ?
    Biete es einfach als Zahlungvariante nicht an und schon
    kostet es auch nichts.

    Ansonsten bleibt nur zu sagen, dass es wohl wie überall ist,
    erst als kostenlos promoten und danach absahnen…

  • eine andere form des betrugs am verkäufer sieht so aus:

    der käufer reicht beschwerde ein, artikel nicht wie beschrieben, verkäufer bot sofort aus kulanz, trotz privatverkauf mit ausschluss von gewährleistung, rücknahme usw., rücknahme an, käufer behält aber (und benutzt) den artikel (25 jahre alter, sehr seltener synthesizer), gibt also weder gelegenheit zur nachbesserung noch zur rücknahme, noch zur feststellung, ob die mängel tatsächlich vorliegen und welche ursache sie dann hätten.
    auch das anbieten an unterlegenen bieter fällt aus (bin überzeugt,dass der artikel in ordnung war)
    paypal entscheidet 6 wochen später, dass er den artikel zurückschicken muss, geld dann vollständig zurückbekommt.

    kann man sich billiger waren ausleihen?

    die paypal-methoden ignorieren dabei völlig bestehendes, deutsches recht und inkompetente, anonyme und nicht erreichbare sachbearbeiter entscheiden als quasi-richter die beschwerde, während sie das geld auf dem konto einfrieren, und damit natürlich arbeiten(zinsen)
    wer hat auch solche erfahrungen gemacht? mein rechtsanwalt muss diese praktiken jetzt wohl mal näher beleuchten.

    deshalb: finger weg von paypal (als privatverkäufer), meiner meinung nach sind das illegale praktiken. hier wird nach dem prinzip: wo kein kläger,da kein richter verfahren, und das muss beendet werden.

  • Die übrigen „Gründe“, die du ansprichst sind im Prinzip ja nur „einer“. Die Beschwerden von Nutzern. Die Rückbelastung… hat man auch, wenn man mittels Überweisung auf dem Konto der Hausbank arbeitet. 30 Tage in der Regel, bei manchen Banken noch länger, ist es Leuten möglich, geätigte Überweisungen zu stornieren. Ansonsten, nun ja, ist es schon nicht ganz koscher, was manchmal geschieht.

  • als ich geld vom paypalkonto aufs bankkonto transferierte, erschien auf dem kontoauszug der bank der zusatz „zahlung per lastschrift“, d.h. paypal schickt das geld anscheinend per lastschrift, wahrscheinlich um die möglichkeit der rückbuchung zu haben.

  • @erna: Das kann eigentlich nicht sein, da die Initiative zu einer Lastschriftzahlung immer vom Zahlungsempfänger ausgeht. Man kann niemandem mit einer Lastschrift Geld schicken. Um Lastschriften auf Dein Konto einzuziehen bräuchtest Du eine gesonderte Vereinbarung mit Deiner kontoführenden Bank. Diese dürfte wohl für die wenigsten Privatkonten vorliegen.

  • Ob böse oder nicht, Pay Pal ist als internetbasiertes Unternehmen in jedem Fall schlecht greifbar (ähnlich wie die Telekom, die man ja auch nicht zurückrufen kann :-), was es jedem, der mit ihnen Probleme hat sehr schwer macht, sein Anliegen durchzubringen.
    Betroffen sind allerdings nicht nur Verkäufer, sondern auch Käufer. Denn der sogenannte „Käuferschutz“ existiert de facto nicht, sondern ist eine Anhäufung von Fußangeln. Beispiel: die 10 Tage Frist, die ein Käufer erhält, um nachzuweisen, dass ein Artikel beschädigt oder nicht angekommen ist; eine Verbraucherberatung ist leider für Privatverkäufe nicht zuständig, ein Gutachter kostet viel viel Geld, ein Händler hat kein Interesse daran einen Nachweis auszustellen für eine Ware, die man bei ihm zwar teurer, aber dafür neu bekommen hätte. Damit zwingt Pay Pal die Beschwerdeführenden, auf ihre Ansprüche zu verzichten. Selbst wenn sich eine dritte Person findet, die die Angaben des Käufers bestätigt, 10 Tage sind kurz.
    Ein anderer Sicherheitspartner von ebay ist da hilfsbereiter: Die Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle. Können zwar auch den Nachweis nicht bringen, verweisen aber auf die handfeste Lösung: „Gehn Sie zu dem für Sie zuständigen Revier und zeigen Sie den Verkäufer an.“ war der Vorschlag

  • Für mich ist Paypal die reinste abzocke.

    dein konto kann gesperrt werden wann immer sie es auch wollen, verlangen auf einmal dokumente von dir, die bislang nich notwendig waren, dein geld wird stillgelegt und du kannst mit deinem eigenen geld nichts anfangen.

    und käuferschutz ist sowieso was für sich selbst, für mich ist käuferschutz = witz.

  • Herr Oenal,

    das Geld ist nicht futsch, und diese Auflagen bzw. Forderungen von Dokumenten sind notwendig, weil Paypal in Europa eine Bankenlizenz benötigt um Finanzdienstleistungen wie diese anbieten zu dürfen. Da können die Amerikaner nichts für, sondern das wollen die Europäer. Ist aber auch besser so. Es geht hierbei darum, Schwarzgeldsünder einzudämmen. Man soll nicht Geld am Fiskus vorbei verdienen sollen, nur weil man auf einmal im Internet handelt.

    Das Einzige, was man Paypal allerdings vorwerfen kann in dieser Sache ist, dass sie die Authentifizierung äußerst umständlich gestalten. Ein Postident-Verfahren hätte es auch getan.

  • Was ist ein Banküberfall gegenüber der Gründung einer Bank!
    Steigerung gefällig—
    Was ist die Gründung einer Bank gegenüber der Gründung von PayPal!

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