Wurstbrief zum Valentinstag

Kürzlich bat mich ein Freund, während seiner urlaubsbedingten Abwesenheit alle drei bis vier Tage seine Blumen zu gießen. Eigentlich habe ich es nicht so sehr mit der Botanik. Im Prinzip bin ich für eine derartig vertrauensvolle Aufgabe ein denkbar ungeeigneter Kandidat. So warnte ich meinen Freund, dass nach unzähligen gescheiterten Begrünungsversuchen in meinem Haushalt lediglich sehr selten zu bewässernde Hydrokulturen eine Heimat fänden, da mein Umgang mit pflegebedürftigeren Pflanzengattungen auf ganzer Linie gescheitert sei. Nachdem die Wasserstandsanzeige meiner in Blähton gebetteten Zierpflanzen das Zeitliche segnete, hatten auch diese keine Daseinsgrundlage mehr. Der kleine rote Wasserstandsindikator rührte sich nicht mehr, was das Todesurteil für die gummibaumartigen Gewächse bedeute, während auch auf der Küchenfensterbank die Kakteen bis zu ihrem traurigen Ende vor sich hin dörrten.

Nun ist es bekanntlich so, dass sich an einem jeden 14. des Monats Februar der sogenannte Valentinstag jährt. Diese Tradition wird auf die Sage des Bischofs Valentin von Terni zurückgeführt, der einige Verliebte, darunter auch Soldaten, die nach kaiserlichem Befehl unverheiratet bleiben sollten, heimlich christlich getraut und ihnen zu diesem Anlass Blumen aus seinem Garten geschenkt haben soll. Valentin von Terni lebte im dritten Jahrhundert nach Christus und konnte nicht ahnen, dass ihm einige hundert Jahre später die Ehre zuteil werden würde, posthum mit dem großen Marketingorden am Band des Deutschen Floristen- und Raumbegrünungs-Hauptverbandes ausgezeichnet zu werden. Noch heute denken zahlreiche einander zugeneigte Menschen seiner und beglücken sich am Valentinstag gegenseitig mit den üppigsten Blumenpräsenten, dabei stets beteuernd, dass dieser Tag nicht, wie so viele Unwissende glauben, eine Erfindung der Floristenindustrie sei, sondern auf eine lange Tradition zurückgehe.

Wer um mein gespaltenes Verhältnis zu Schnittblumen und Topfpflanzen weiß, kann sich vorstellen, dass ich selbst am 14. Februar der Blumenindustrie zu keinem wirtschaftlichen Aufschwung verhelfe. Sofern ich den Tag der Liebenden nicht geflissentlich übergehe und zudem auch noch gleichzeitig jemanden zu bedenken habe, behelfe ich mir präsenttechnisch je nach Grad der Angemessenheit wahlweise mit in Pralinenform gegossenen Kalorienbomben oder Tickets für Luxuskreuzfahrten in die Karibik. Meiner hat man anlässlich des diesjährigen Valentinstages in ganz besonders rührender Form gedacht:

Wurstbrief

Ganz besonders zu schätzen weiß ich diese Geste in Form eines Wurstbriefes, da meine Liebste sich zu den Vegetarierinnen zählt.

Die von Valentin geschlossenen Ehen sollen übrigens unter keinem guten Stern gestanden haben und mit dem Heiligen selbst hat es ebenfalls kein gutes Ende genommen. Er selbst wurde am 14. Februar 269 auf Befehl des Kaisers Claudius II. wegen seines christlichen Glaubens enthauptet. Meinen Pflegeblumen indes erging es deutlich besser: sie haben meine Fürsorge wohlbehalten überstanden – und bei mir gibt es heute Abend ein zünftiges Wurstbrot.

Wurstbrief zum Valentinstag

15 Gedanken zu „Wurstbrief zum Valentinstag

  1. florentinus schreibt:

    hättest du die blumen (noch) etwas weniger gegossen, hätte ich sie heute vielleicht als bastelexemplare verschenken können. aber ich will mich nicht beklagen, schließlich liegen sie mir lebendig doch mehr am herzen. das riedgras (dir wahrscheinlich besser bekannt als „das schmale grüne, das zusammen mit dem anderen schmalen grünen mit den kleinen blättern und dem breiten dunkelgrünen mit den größeren blättern in einem topf steht“) hat durch deine pflege sogar einen sehr gesunden neuen trieb gebildet!

  2. @florentinus: Die leichte Antrocknung muss durch die Anwesenheit des Österreichers verursacht worden sein. Bei Übergabe Deiner Wohnung waren sämtliche Pflanzen in einem exzellenten Zustand, was nicht zuletzt daran lag, dass ich sie nicht nur gemäß Deinen Anweisungen bewässert, sondern sogar liebevoll mit ihnen gesprochen habe.

    Leider habe ich das Übergabeprotokoll irgendwo verlegt. Zur Not kannst Du das Grünzeug ja prima in einem Buch pressen – und als Lesezeichen weiterverwenden. Dann wirst Du nächstes mal auch ganz beruhigt in den Urlaub starten.

  3. mentaloman schreibt:

    Ein ganz wunderbarer Beitrag! Vielen Dank für deine Anmerkungen – und ich hoffe, dass das Valentinswurstbrot besonders gut schmecken wird.

  4. 404 schreibt:

    Der grüne Daumen – er lebe hoch!

    Ich finde einen Wurstbrief ziemlich originell. Man könnte seitens der Floristenzunft durchaus erwägen, die Fleisch-Industrie in den Valtentinstag einzubeziehen. Wir brauchen Arbeitsplätze.

    Aber das mit dem Valentin hörte ich anders: Gerade die von ihm geschlossenen Ehen waren über Gebühr glücklich!

  5. Valentinstag…

    Ich komme mir langsam echt etwas altmodisch vor. Nur weil ich den Valentinstag mit meiner Freundin regelmässig geniesse und versuche, etwas besonderes draus zu machen. Überall hört man nur Unkenrufe v……

  6. Astreine Karte, in der Tat. Wenn Liebe wirklich durch den Magen geht und eine Vegetarierin so weit über ihren Schatten springt, dann ist das verdammtnochmal eine Perle der Romantik, die da oben klebt. Und dann noch als Bierglas.
    Wer da nicht neidisch wird, hat kein Herz.

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