Todesanzeigen

Todesanzeigen in der Süddeutschen Zeitung

Für mein Leben gern lese ich die Todesanzeigen in der Süddeutschen Zeitung. Der Lokalteil dieser Zeitung interssiert mich darüber hinaus nicht, schließlich habe ich weder in München gelebt noch kenne ich jemanden, der in der bayerischen Landeshauptstadt das Zeitliche segnen könnte. Das Beste an den Traueranzeigen sind die Bekanntmachungen der Friedhofsverwaltung. Hier wird genau bezeichnet, wer wann und wo beigesetzt wird; aber nicht nur das:  auch der Beruf der Verblichenen wird hier exakt angegeben. So weiß ich, dass die Menschen in München Tätigkeiten wie “Bundesbahnbeamter”, “Näherin”, “Hafner/Ofensetzer”, “Buchbinder”, “Maschinenstrickerin” oder gar “Zolldeklarant” nachgingen.

Allesamt Berufsbilder aus einer längst vergangenen Zeit, wie sie von den “Blättern zur Berufskunde”, die früher das Arbeitsamt, als es noch nicht Bundesagentur für Arbeit hieß, nicht hätte schöner ersonnen werden können. Noch nie ist ein “Facility Manager”, ein “Human Resources Developer” oder ein “Social Media Consultant” dahingeschieden. Nicht, dass diese Berufe unsterblich machten – aber bis diejenigen, die diese Berufe ausüben, an der Reihe sind, wird es wohl keine auf Papier gedruckten Todesanzeigen mehr geben.

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17 Antworten auf Todesanzeigen

  1. Julia sagt:

    Dazu heute irgendwann irgendwo in irgendeinem anderen Blog Hinweis auf diese schöne Website gefunden:
    http://nuernber...o=page&mo=2

    Porträts und Beschreibungen der Bewohner eines Altenheims 14.-19- Jh. mitsamt ihrer Berufe. Müsstest Du auch Freude dran haben.

  2. ulfsch sagt:

    Stimmt, die sind immer sehr hübsch. Ein Vorfahr von mir hatte den schönen Beruf “Halbgärtner”.

  3. Das Papier wird es wohl noch geben, aber bis dahin sind wir soweit, dass eine Todesanzeige illegal sein wird, weil sie irgendjemandes Rechte verletzt.

  4. Hanna sagt:

    hihi… endlich mal jemand, der das alles zu würdigen weiß
    viele Grüße!Hanna

  5. bosch sagt:

    @Julia: Dankeschön, prima Ergänzung. Allerdings dürften “Altschuster, Nagelschmiede und Rotfärber” längst dahingeschieden sein.
    @ulfsch: “Halbgärtner” ist auch schön, klingt allerdings fast ein bißchen wie die schwäbische Beschimpfung “Halbdackel”.
    @Holger: Mal sehen, was eher stirbt: die gedruckte Zeitung oder der Datenschutz. Im Moment bin ich mir nicht sicher. Die Bezeichnung Deines ersten Berufes könnte im Rahmen einer Todesanzeige übrigens auch für Heiterkeit sorgen. Ich hoffe allerdings, dass Du uns noch erhalten bleibst.
    @Hanna: Danke, wollte das schon immer mal schreiben, habe diesen Beitrag aber stets erfolgreich prokrastiniert. Ich bin froh, dass er endlich raus ist.

  6. Diddi sagt:

    Das ist ja interessant dass bei jedem der Beruf angegeben wird, macht unsere Zeitung leider nicht

  7. Die nächsten 30 Jahre habe ich mir noch fest vorgenommen!

  8. Ich bin mit dieser Art der Berichterstattung großgeworden. Deshalb bin ich einigermaßen verwundert, daß es diesen “Service” anscheinend nicht allen Städten (bzw. Tageszeitungen) gibt.

  9. astrid sagt:

    Protest – noch sind sie nicht ganz ausgestorben, die Buchbinder ;-) (Es werden sogar noch neue ausgebildet) Vielen Dank für den Besuch bei mir; interessantes Blog, werd’s im Auge behalten!

  10. Joaquín sagt:

    Aber da gibt es ja auch noch die alten Berufe mit neuen Bezeichnungen wie Landwirte ehemals Bauern oder sind es nun Agrarökonome?

  11. Etwas seltsam sind diese persönlichen Angaben schon. Allerdings habe ich vor geraumer Zeit schon einmal online eine Vorlage für Todesanzeigen gesehen. Findet ihr hier: http://www.fuld...art14568,169887 . Besonders interessant sind die Fotos der Muster, sieht eher nach einer Bewerbungsmappe aus … bei der Süddeutschen kann man die Anzeigen übrigens auch Online im Archiv finden.

    Lazlokides Entonkitami

  12. David sagt:

    Sehr schönes, wenn auch leicht makaberes Hobby.. :) Sehr schön finde ich’s auch immer, wenn man auf dem Friedhof ist und sich dorten die “Titel” der verstorbenen Ehefrauen durchliest “Ministerialratsgattin” etc.

  13. Pingback: 06 sterben in der sz « denkding

  14. Michael sagt:

    Ich halte ehrlich gesagt eh nichts von diesen komischen englischen Berufsbezeichnungen wie “Facility Manager” oder ähnlichem. Warum muss man immer alles ins Englische übersetzen?

  15. Luca sagt:

    Was spricht gegen englische Berufbezeichnungen. Ich finde sie teilweise einfach passender, das kann man im Deutschen gar nicht so ausdrücken.
    Luca

  16. bosch sagt:

    @Luca: Es geht um die Erdung. Höre hierzu auch:
    http://www.eddh...les/telefon.mp3

  17. Sami sagt:

    Kann mir mal jemand sagen wie ich an die Traueranzeigen der Süddeutschen vom Juni 2009 via Internet bei der SZ komme???
    Danke schon mal im Vorraus

    Grüße

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