Prenzlauer Berg

Sanierte Altbauwohnungen mit Stuck. Low-Fat-Latte-macchiato-mit-Soja-Milch. Antike Kinderwagen mit luftgefüllten Reifen und hochgestellte dreirädrige Kinderwagen mit Plastikschaleneinsatz zum herausnehmen, natürlich joggingtauglich. Agenturen. Mineralwasser aus Frankreich, obwohl die meisten Wohnungen schon längst keine Bleirohre mehr haben. Geländewagen. Mittvierziger mit hippen Umhängetaschen. Sushibars mit Happy-Hour. FDP-Plakate. Haargel. Boutiquen. Baustellen, überall. Und Rennräder. Übergroße Sonnenbrillen, noch immer. Coole Medienleute. Clubs und Bars. Alle haben ein Telefon mit berühungsempfindlicher Bedienoberfläche in der Hand; zumindest einen Coffee-to-go.

Genau so ist der Prenzlauer Berg*. Aber natürlich auch ganz anders.

___
* Sagt man eigentlich der Prenzlauer Berg oder einfach nur Prenzlauer Berg. Sagt man auf dem oder im Prenzlauer Berg?

25 Antworten

  • Klingt alles nach Eppenbüttel.
    * Man verwendet keinen Artikel und Ich höre öfter „im“, weil man eher den Stadtteil, als den tatsächlich (so sagt man) vorhandenen Berg meint.

  • In Eppenbüttel liegt die Betonung eine Idee weniger auf dem hip-kreativen.
    Sowohl die Kleidung als auch die Kinderwagen sind speziell Richtung Eppendorf deutlich teurer. Im Prenzlberg darf es gern improvisiert aussehen, muss sogar. Dieser Trend fängt in Hamburg tatsächlich in Eimsbüttel an und zieht sich dann über die Schanze bis zum Karoviertel.

  • Zuerst Dank für Prenzlauer Berg in voller Länge und nicht dieses dämliche Prenzlberg. Dann: es gibt den Berg, zwischen Greifswalder Str. und Prenzlauer Allee gelegen. Aber: Der Bezirk heißt ja seit der Reform Pankow. Somit ist Prenzlauer Berg höchstens eine Stadtteilbezeichnung, leider, oder der Name eines Quartiers. Ich tendiere zu „der“, vom alten Bezirk hergeleitet, und „im“. Sollte man sich allerdings auf dem Berg befinden, dann „auf“.

  • Korrekterweise sagt man „in Prenzlauer Berg“, so wie man ja auch „in Moabit“ oder „in Tiergarten“ sagt. Es ist ja schließlich eine Ortsbezeichnung. Der einzige Stadtteil, der mit Artikel verwendet wird, ist der Wedding. Man wohnt also „im Wedding“, was sowieso der coolste Stadtteil ist.

  • „Prenzlberg sagt man irgendwie gar nicht“

    Naja, es gibt immerhin 75.000 Treffer bei Google.

    Umgangssprachlich ist das also durchaus geläufig
    – auch wenn es dadurch nicht richtiger werden mag…

  • @bosch Obwohl ich ungefähr seit 20 Jahren mit Unterbrechungen in der Nähe der Hoheluftbrücke wohne, ist mir bis eben der Ausdruck Highairbridge unbekannt gewesen :) – und wenn du die genaue Phrase “Prenzlberg sagt man irgendwie gar nicht” suchst – hast Du bis auf unsere beiden bisher noch gar keine Treffer bei Google: http://twiturl.de/mjiaud

  • „Prenzlberg“ ist ein von den bösen Wessies eingeführter Begriff für Prenzlauer Berg und galt Anfang der 90iger unter Ossis als Erkennungszeichen für, bzw. Abgrenzungszeichen gegen Selbige. Der gemeine Wessie – unwissend und zugleich cool, wie er damals war – adaptierte diese Aversion der Ossis sofort, was diesen Begriff zum allgemeinen Zeichen für Uncoolness transformierte.

  • Haargel? :)

    Dieses „anders“, wie es die Fotos so schön zeigen, und die vielen unaufgeregten alteingesessene Prenzlauer Berg’er, nehmen mindestens noch die Hälfte des Stadtteils ein. Man muss nur genauer hinschauen, um dies wahrzunehmen. Herausstechen tut meist jener im Text beschriebene Teil, leider auch in den meisten Charakterisierungen des Prenzlauer Berg. Insbesondere die Jugend vom Prenzlauer Berg wird in letzter Zeit von den „Ich wäre in meiner Jugend auch gerne ein krasser Berghain-Gänger gewesen“-Erwachsenen mit einem, meiner Meinung nach, unberechtigten Bild beschrieben. Vielleicht ist das alles aber auch nur eine stille Hoffnung.

  • Zum Begriff „Prenzlberg“ notierte Adolf Endler im Dezember 1981 (!):
    Wer neckisch und schein-kennerisch vom „Prenzlberg“ spricht statt vom „Prenzlauer Berg“, der wird von J. und ihrer Straßen-Kamarilla sofort als zugewanderter „Nordmensch“ oder als „eener aus Sachsen“ erkannt: „Det is‘ unjefähr so, als ob eener in San Franzisco von ‚Frisco‘ spricht; da weeß jeder echte San-Franziscoer sofort Bescheid, hab‘ ick jelesen!: Der is‘ nich‘ von hier!“
    (…)
    „Aber Prenzlberg, Mensch; da looft et een‘ ja kalt den Rücken runter!“
    (Aus: Tarzan am Prenzlauer Berg.)

  • @Herman Pachulke und bov: 1000 Dank für Eure wunderbaren Kommentarbeiträge.

    @Monika: Ich dachte, das wären alles krasse „Berghain-Gang-Banger-Gänger“ gewesen. Mir gefällt es im, in und auf (dem) Prenzlauer Berg ja auch ganz gut. Hätte ich — bevor ist mich dort ein paar Tage aufhielt – auch nicht gedacht.

  • Toll mal „meinen“ Stadtteil durch dein Objektiv zu sehen. Du bist übrigens fast unmittelbar bei mir vorbeispaziert. Über die große Brücke gehe ich immer meinen Aldi-Grundbedarf decken…

  • Es heißt auf gar keinen Fall irgendetwas mit „Prenz_e_l Berg“. Richtig ist: „in Prenzlauer Berg“, weil in der Tat der Stadtteil gemeint ist (vgl. „in Mitte“ (nicht „in der Mitte“), „in Friedrichshain“ (statt „am/beim/zum Friedrichshain“) & „in Kreuzberg“ (nicht „auf dem Kreuzberg“) u. ä.).

    Weiterhin ist übrigens „90iger“ doppelt gemoppelt und warum – um Himmels Willen – wird hier in den Kommentaren „Wessie“ mit endendem E und „Ossi“ ohne geschrieben?

  • Ich hab immer mal wieder gehört, es gäbe Leute, die zum Hamburger Fernsehturm „Tele-Michel“ sagen, allerdings eigentlich nicht wirklich gehört, sondern gelesen.
    Irgensowas, mit Spargel?, kursiert auch über den Berliner Fernsehturm. Und auch dort hat das noch keiner jemals wirklich gehört, außer bei einer Offenes-Dach-Doppeldeckerbustour.

  • Irgendwie nur ein Diskurs über Mode, was man darf und was nicht. Ist das nicht total egal?! Alles fließt. Quasi. Und ist das nicht total normal, dass es so viele Andere gibt, die nicht sind wie „wir“ – wer auch immer das gerade ist? Zumal man sich bei schlechter oder guter Laune auch schon wieder ein anderes „wir“ aussucht? „Ihr seid stereotyp“ zu sagen ist auch wieder stereotyp. Besser bisschen meditieren, ganz entspannt im Hier und Jetzt, mit Lotusblütentee oder iPhone-App.

  • @Björn: Meinen Segen habt ihr. Der Text beschreibt die gängigen Klischees. Die Bilder zeigen jedoch einen starken Kontrast dazu. Jeder soll sich selbst eine Meinung bilden.

    Mir selbst ist der Stadtteil zunehmend sympathisch geworden. Aber darum geht es hier nicht.

  • Also ich persönlich wohne „in Prenzlauer Berg“, habe mir da aber bisher kaum Gedanken gemacht. Die im Artikel aufgeführten Besonderheiten treffen voll zu, stören mich aber nicht so, Schlimmer finde ich, dass immer mehr angesagt Clubs vertrieben werden, weil die ach so hippen mitvierziger es leider nicht ertragen wenn es am Samstag Abend mal etwas lauter im Szeneviertel wird und sie gleich zum Hörer greifen und die Polizei rufen. Da sollen Sie doch lieber zurück ins Schwabenland und gegen Stuttgart 21 demonstrieren!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.