Staub

“Die Kunst ist das Höchste und
das Widerwärtigste gleichzeitig.”

(Thomas Bernhard, Alte Meister)

transmediale im Haus der Kulturen der Welt, Eröffnungsveranstaltung: Ein Kurzfilm wird gezeigt. Zuerst eine dunkle Leinwand, aus den Lautsprechern ertönt Gewummer. Dann Flimmern und Staub. Ein Insekt taumelt mehr als es fliegt. Regen, ein alter Mann schwebt horizontal durch das Bild. Wieder Staub, Kaulquappen, noch mehr Regen. Verstörung. Der Film scheint länger und länger zu werden, das Gewummer wird stärker und ich denke an des Kaisers neue Kleider. Das Ende.

Freitag ist Musiktag

Lieber Tonträgerfachhändler,

heute ist Freitag und seit 2005 ist freitags Musiktag. So hat es sich zumindest die Schallplattenindustrie ausgedacht, damit wir Kunden wieder häufiger auf ihre Produkte zurückgreifen. “Donnerstag ist Kinotag und Freitag ist Musiktag”, so umschrieb es Gerd Gebhardt, Vorsitzender der Phonoverbände, als dieses geniale mysteriöse Motto mit Tamtam und Bohei ausgerufen wurde. Was er uns damit sagen wollte, ist, dass der Freitag zu den umsatzstärksten Tagen im Einzelhandel zählt und dass es doch prima wäre, dem kaufwilligen Verbraucher an diesem Tag der unbegrenzten Einkaufsfreude, an dem das Geld so richtig locker sitzt, auch gleich die Neuerscheinungen des Tonträgermarktes an die Hand geben zu können.

Ich gehe freitags selten einkaufen. Warum auch? Man kann auch an Montagen, Dienstagen, Mittwochen und Donnerstagen das Geld – ganz antizyklisch – nach Belieben zum Fenster hinauswerfen. An Freitagen gehe ich eigentlich nur einkaufen, wenn ich mir mal wieder eine brandneue heiße Scheibe gönnen will. Weiterlesen

Daniel Richter Superstar

Ausstellungseröffnung Daniel Richter
Großes Presseaufgebot und sich gegenseitig auf die Füße tretende Besucher anlässlich der Eröffnung der Daniel Richter-Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle.

Wieder einmal hat die Hansestadt Hamburg ein großes Kunstereignis zu feiern. Daniel Richter zeigt seit gestern erstmalig in der Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle im Rahmen einer großen Werkschau Bilder aus den letzten zwölf Jahren seines Schaffens. Die Farbe des jüngsten Werkes ist noch nicht einmal getrocknet, da es erst zwei Tage vor Eröffnung der Ausstellung fertiggestellt wurde, aber die Medien haben sich bereits im Vorfeld mit Berichten überschlagen. Wie Kurator Christoph Heinrich in seiner auf den Punkt gebrachten Rede ganz richtig bemerkte, ging es bei der Berichterstattung tatsächlich viel weniger um die Frage “Warum ist das eigentlich gute Kunst?”, sondern vielmehr um den glamourösen Aufstieg des Mittvierzigers. Auflagesteigernd lässt sich Richters Geschichte erzählen, die im alternativen Milieu der besetzten Hafenstraße beginnt und ihren vorläufigen Höhepunkt in der aktuellen Ausstellung in der ehrwürdigen Hamburger Kunsthalle findet. Nicht unerwähnt bleiben darf dabei natürlich, dass die Bilder des Meisters mittlerweile Höchstpreise von 500.000 Euro erreichen, er in Hamburg wohnt und in Berlin sein Atelier hat, nebenbei noch ein Plattenlabel besitzt und ganz junger Vater ist. Weiterlesen

Erwin Wurm macht aus bosch ein Kunstwerk

One Minute Sculpture

bosch ist ein exklusives Kunstwerk. Nur eine Minute lang.

Ist es Kunst, für eine Minute ein Brett auf dem Rücken zu tragen, sich an eine Wand zu lehnen und dabei politisch unkorrekt in der Nase zu bohren oder den Kopf in einen Kühlschrank zu stecken? Eindeutig ja. Im Rahmen der von dem österreichischen Künstler Erwin Wurm gestalteten One Minute Sculptures kann jedermann mit ganz einfachen Hilfsmitteln den kreativen Prozess vervollständigen und sich für kurze Zeit in ein Kunstwerk verwandeln. Wie sehr das rockt, hat bereits die kalifornische Band Red Hot Chili Peppers in ihrem Musikvideo zu Can’t Stop vorgemacht, welches von den Skulpturen Erwin Wurms inspiriert wurde. Weiterlesen

Antiquariat

Antiquariat Warum Bücher immer nur bei amazon bestellen, die per Post liefern, die man nie erhält, weil man nie zuhause ist, wenn der Postbote mit dem Päckchen vor der Tür steht? Warum Bücher immer nur in der großen Filialbuchhandlung kaufen, wo es zwar hell und freundlich ist und Sofas bereitstehen und Kaffeeautomaten, die sogenannten Verkäufer jedoch keine Buchhändlerausbildung abgeschlossen haben, sondern von Zeitarbeitsfirmen zu Stoßzeiten vor Ostern und Weihnachten entsandte Söldner sind, die das flüchtige Studium der Klappentexte der Lektüre der dicken Wälzer von der ersten bis zur letzten Seite vorziehen? Warum Bücher immer in dem kleinen Buchladen um die Ecke kaufen, der immer nur die Titel aus der Bestsellerliste und sämtliche Biographien von Lady Diana vorrätig hat? Weiterlesen