Der Baader Meinhof Komplex

Die gestrige Pressevorführung war besser gesichert als das Gefängnis in Stuttgart-Stammheim: Mobiltelefone und Kameras wurden den Besuchern abgenommen und während der Filmvorführung in durchsichtigen Plastiktüten aufbewahrt. Zusätzlich wurden beim Betreten des Saals noch einmal die Taschen kontrolliert.

Für den frühen Vormittag war der von Bernd Eichinger produzierte Film unter der Regie von Uli Edel harte Kost. Der Film erzählt die Geschichte der RAF, beginnend bei Protesten gegen den Besuch persischen Schahs im Jahre 1967, bei denen der Student Benno Ohnesorg durch einen Polizisten getötet wird, bis hin zur Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer am 19. Oktober 1977 in rasant geschnittenen 150 Minuten. Dazwischen das Attentat auf Rudi Dutschke, die Brandbomben in den Kaufhäusern, Verhaftungen, Befreiungen, das Abtauchen in den Untergrund, Schusswechsel, Banküberfälle, Militärausbildung in Jordanien, Banküberfälle, die Erfindung der Rasterfahndung, Bombenanschläge, erneute Schießereien, Festnahmen, das Olympia-Attentat 1972, Hungerstreiks, Entführungen, die Ermordung des Generalbundesanwalts Siegfried Bubacks, der Stammheim-Prozess, die Erschießung des Bankiers Jürgen Pontos, die Schleyer-Entführung, Ulrike Meinhof erhängt sich in ihrer Zelle, die Entführung der Lufthansamaschine „Landshut“ und die Geiselbefreiung in Mogadischu, der Selbstmord von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe. Alles geht rasend schnell, Zeit für Hintergrundinformationen bleibt keine, der Film ist mehr eine Collage.

Obwohl so weit wie möglich der Buchvorlage Stefan Austs orientiert, handelt es sich keineswegs um einen Dokumentarfilm. Was auf der Leinwand gezeigt wird, erinnert – gerade in den aktionsreichen Szenen – mehr an Hollywood als an einen Film der Bundeszentrale für politische Bildung. Kein Wunder, schließlich handelt es sich um eine der aufwendigsten deutschen Filmproduktionen aller Zeiten: Vierundsiebzig Tage wurde gedreht, überwiegend in Berlin und Umgebung, aber auch in der JVA Stuttgart-Stammheim, im Marokko und Rom. Kaum ein namhafter deutschsprachiger Schauspieler war nicht an der Produktion beteiligt. Neben den mit Martina Gedeck (Ulrike Meinhof), Moritz Bleibtreu (Andreas Baader) und Johanna Wokalek (Gudrun Ensslin) besetzten Hauptrollen wurden auch alle anderen Beteiligten mit hervorragenden Darstellern gespielt, darunter Bruno Ganz (Horst Herold), Nadja Uhl (Brigitte Mohnhaupt), Jan Josef Liefers und Alexandra Maria Lara. Insgesamt wurden 123 Sprechrollen vergeben und 6.300 Komparsen eingesetzt.

Mitte der siebziger Jahre geboren, bin ich zu jung, um die Zeit des linksextremen Terroismus noch miterlebt zu haben. Nur vage erinnere ich mich an rotumrahmte Fahndungsplakate, auf denen stets einige Gesichter durchgestrichen waren. Meine erste richtige Erinnerung reicht zurück an die Ermordung Alfred Herrhausens, dem damaligen Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Das war 1989, damals waren Baader, Meinhof und Ensslin längst tot und die Rote Armee Fraktion kurz vor ihrer Auflösung. Die Diskussion um die Begnadigung des Terroristen Christian Klar im vergangenen Jahr hat gezeigt,  wie das Thema RAF die Menschen noch immer beschäftigt – über dreißig Jahre nach dem Deutschen Herbst. Die Morde an Buback und Schleyer sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt, genausowenig wie die Frage, ob die Behörden die Gespräche der Gefangenen in der Todesnacht von Stammheim abgehört haben. Das Thema „innere Sicherheit“ sowie die damit verbundenen staatlichen Überwachungsmaßnahmen, die in den siebziger Jahren mit der Rasterfahndung ihren Anfang nahmen, die Einschränkung von Bürgerrechten und Datenschutz, sind aktueller als je zuvor. Gründe, sich diesem Thema filmisch zu nähern, gibt es also genug.

Unstreitig handelt sich um einen Stoff, der fast zu komplex ist, um in einem einzigen Spielfilm transportiert zu werden. Die Macher haben jedoch ganze Arbeit geleistet: die Geschichte der ersten RAF-Generation wird weitgehend unverfälscht gezeigt. Im Film geht es weniger um die Theorie als um die Taten – von den Anfängen bis hin zu vollkommenen und unkontrollierbaren Eskalation der Gewalt, gänzlich ohne Sympathieträger wird der Wahnsinn jener Zeit dargestellt. Lobenswert auch, dass keine Handlung dazuerfunden wurde, um diese in einen historischen Rahmen zu packen. Der deutsche Oscar-Beitrag spannt den großen Bogen über ein dunkles Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte. Wer sich mit diesem bislang nicht auseinandergesetzt hat, wird von der Vielzahl der handelnden Personen jedoch möglicherweise eher verwirrt sein. Der Baader Meinhof Komplex ist ein sehenswerter und gut gemachter Film, der jedoch schon mit Blick auf die behandelte Thematik keine Begeisterungsstürme auslöst, sondern eher nachdenklich stimmt.

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Reclam-Notizbuch: Die Gewinner

Was lange währt, wird endlich gut. Vor einiger Zeit habe ich angekündigt, sechs Expemlare des wunderbaren neuen Reclam Universal-Notizbuches zu verlosen. Unter fastnotarieller Aufsicht wurden soeben von der Glücksfee die Gewinner ermittelt. Die Namen der Glücklichen lauten:

Herzlichen Glückwunsch an Euch. Die Bücher werden Euch in den nächsten Tagen auf dem Postwege erreichen.

Allen, die nicht gewonnen haben: seid nicht traurig, denn ab sofort könnt Ihr das Notizbuch zum Preis von 5,- Euro im Buchladen Eures Vertrauens käuflich erwerben. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an blumprodukt und Reclam für die Bereitstellung der Notizbücher.

Gerhard Schröder: gefragt wie selten


(aus „Welt am Sonntag“ vom 14. September 2008)

Die meisten Sonntagszeitungen haben einen eher unterhaltenden Charakter, sind jedoch meist überflüssig. Das Springer-Blatt „Welt am Sonntag“ war gestern sogar unschlüssig:

Während auf der einen Seite sowohl Sozialdemokraten als auch Bosse und Stars den Altkanzler umjubeln und vor dessen „unheimliche Rückkehr“ gewarnt wird, ist er ein paar Seiten später längst in der politischen Bedeutungslosigkeit versunken.

boschblog.de meint: Die „Welt am Sonntag“ brauchen wir noch weniger als eine Rückkehr des Gerhard S. Wen wundert es, dass sich vor allem die jungen Leser von Zeitungen abwenden.

Tiefbunker Hachmannplatz

Tag des offenen Denkmals. Treffpunkt: ein großer Platz hinter dem Hauptbahnhof. Niemand ist da. Ein Freund und Helfer schickt uns in die eine Richtung, um den ganzen Bahnhof herum; es war die falsche. Der zweite Polizist weiß von nichts, wir laufen den Platz mehrfach auf und ab. Noch immer niemand da, dann die Antwort: ein Hilfssheriff verrät uns den Weg zum Bunkereingang. Wir kommen zu spät, die Führung ist bereits im Gange, wir sollen eine halbe Stunde später wiederkommen, vertreiben uns die Zeit bei einem Kaffee in St. Georg, dann Rückkehr zum Bunker, die Führung ist belegt, wir sollen eine Dreiviertelstunde wiederkommen, wir lungern am Bahnhof herum, wir kehren zurück und werden endlich in den Untergrund gelassen.Wenige Meter unter der Erde, hinter 2,50 Meter dicken Betonwänden eine Parallelwelt: 1940 errichtet für 1.000 Menschen zur Unterbringung bei Bombenangriffen, nach dem Krieg genutzt als Notunterkunft. Umbaupläne für ein Kino scheiterten an den Kosten. 1965 im Kalten Krieg erweitert: 1.447 Menschen sollten zum Schutz gegen atomare, biologische und chemische Kampfstoffe bis zu 14 Tage im Bunker untergebracht werden – 16 Stunden täglich auf einem unbequemen Holzstuhl sitzend, 8 Stunden auf einer kurzen, harten Liege; Ausnahmezustand. 1978 beheimatete der Bunker Zugreisende, die ihre Fahrt wegen der Schneekatastrophe nicht fortsetzen konnten, und während der ersten Wendetage 1989 übernachteten hier Besucher aus der DDR, die in die Hansestadt strömten.  Zuletzt bereitgehalten für die Auswirkungen des Millennium-Bugs, doch nichts ist passiert am 31.12.1999, genauso wenig wie heute um 11 Uhr am Hachmannplatz über der Erde, zur verabredeten Zeit, außer, dass um 0 Uhr planmäßig der Kalender umsprang auf den 1.1.2000.

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