Der Blitz

Draußen ist es dunkel. Es ist Morgen, Mittag oder Abend. Auf jeden Fall ist es Herbst, da ist es eigentlich immer dunkel. Klare Nacht – den ganzen Tag lang. Nur manchmal leuchtet es ganz plötzlich für den Bruchteil einer Sekunde grell auf. Doch kein Grollen ist zu vernehmen, der Himmel ist wolkenlos und klar. Und trotzdem ist da dieses Blitzen: einmal, zehnmal, hundertmal kurz hintereinander.

Irritiert nehme ich zur Kenntnis, dass sich im Haus gegenüber jemand ein Photostudio eingerichtet hat. Vielleicht hat dieser jemand es erst gestern getan, möglicherweise bereits im Frühjahr. Jedenfalls fällt mir erst jetzt, da die Tage dunkler geworden sind, auf, dass sich gegenüber ein Raum voller Studioblitze befindet. Diese scheinen den ganzen Tag in Betrieb zu sein. Aus dem Fenster des Photographen blitzt es so gewaltig, dass ich in meinem Wohnzimmer – synchronisierte ich das Auslösen meiner Kamera mit seinem Blitzgerät nur sorgfältig genug – problemlos ebenfalls ein Studio einrichten könnte, jedoch ohne die Anschaffung einer eigenen Blitzanlage. Aus meiner leichten Animosität wird tiefe Abscheu.

Gelegentlich hört man von Menschen, die in der Nähe von Windkraftanlagen leben. Der regelmäßige Schattenwurf der Rotorblätter treibt einige der Anwohner langsam, aber sicher in den Wahnsinn. In der Nähe eines solchen Windrades möchte ich meinen nächsten Urlaub verbringen.

12 Antworten auf “Der Blitz”

  1. Immerhin ist ein wunderbares Foto bei der Geschichte herausgesprungen (hab’s mal eben auf Flickr in groß bewundert). Das Bild könnte auch schön mit „Das Fenster zum Photostudio“ betitelt werden. ;-)

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  2. Oje, 3 Monate Umbau im Geschäft unter uns und ich kann echt so gut nachvollziehen was du meinst.

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  3. Das kenne ich. Bei mir im Innenhof ist auch ein Fotograf. Manchmal fotografiert er *sehr* leicht bekleidete weibliche Menschen…

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  4. Montag am Mittwoch…

    So, die Nachbarn sind raus, endgültig. Zwei Jahre voll wundervoller Streitereien und Anschreiereien und nächtlicher Ruhestörung und des ekligen Qualmgeruches sind vorbei. Bei Bosch fängt der Mist anscheinend gerade erst an, also von hier aus eine…

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  5. Ich habe mir eben mal die Fensterrahmen in groß angeschaut und kann nur sagen ich hoffe drinnen siehts besser aus.

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  6. An einer Strassenkreuzung an der Hoheluftchausee ist Abends oft ein wunderbares Schauspiel zu beobachten, Autofahrer preschen bei Grün los und wenn dann in einem der Studios in der 139 noch gearbeitet wird, gibts hektisches Abbremsen und schleichende Hintermänner auf der Strasse.

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  7. ach ja, jetzt könnte ich auch von meinem beleuteten summenden neonladenschild gegenüber erzählen. lass ich aber mal. da hat jeder sicher eine story auf lager..

    aber das mit den blitzen hatte ich vorgestern auch. nur war das bei mir nicht so leicht zu erklären. scheinen aber bei nassgeregneten straßen, minutiös komisch stehender sonne und vorbeifahrende autos mit scheiben gewesen zu sein.
    oder ein geist. das wär narülich auch schön ^^

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  8. Oh. Kuzz dachte ich, es wäre dieses hier. Aber kann dann doch nicht sein.

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  9. Äh, Mist, der Link war nicht ganz richtig.

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  10. Wirklich ein schönes Photo. Aber ein sehr unschönes Gefühl muß das ewige Blitzen sein! Vielleicht ist eine Mietminderung drin, als schwacher Trost?

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  11. Schattenwurf? Ich dachte, Du seist schon wahnsinnig! ;0)

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  12. Das Foto ist richtig Klasse. Und der Schatten erst!

    Gruß

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