Die meisten Sonntagszeitungen haben einen eher unterhaltenden Charakter, sind jedoch meist überflüssig. Das Springer-Blatt „Welt am Sonntag“ war gestern sogar unschlüssig:
Während auf der einen Seite sowohl Sozialdemokraten als auch Bosse und Stars den Altkanzler umjubeln und vor dessen „unheimliche Rückkehr“ gewarnt wird, ist er ein paar Seiten später längst in der politischen Bedeutungslosigkeit versunken.
boschblog.de meint: Die „Welt am Sonntag“ brauchen wir noch weniger als eine Rückkehr des Gerhard S. Wen wundert es, dass sich vor allem die jungen Leser von Zeitungen abwenden.
Tag des offenen Denkmals. Treffpunkt: ein großer Platz hinter dem Hauptbahnhof. Niemand ist da. Ein Freund und Helfer schickt uns in die eine Richtung, um den ganzen Bahnhof herum; es war die falsche. Der zweite Polizist weiß von nichts, wir laufen den Platz mehrfach auf und ab. Noch immer niemand da, dann die Antwort: ein Hilfssheriff verrät uns den Weg zum Bunkereingang. Wir kommen zu spät, die Führung ist bereits im Gange, wir sollen eine halbe Stunde später wiederkommen, vertreiben uns die Zeit bei einem Kaffee in St. Georg, dann Rückkehr zum Bunker, die Führung ist belegt, wir sollen eine Dreiviertelstunde wiederkommen, wir lungern am Bahnhof herum, wir kehren zurück und werden endlich in den Untergrund gelassen.Wenige Meter unter der Erde, hinter 2,50 Meter dicken Betonwänden eine Parallelwelt: 1940 errichtet für 1.000 Menschen zur Unterbringung bei Bombenangriffen, nach dem Krieg genutzt als Notunterkunft. Umbaupläne für ein Kino scheiterten an den Kosten. 1965 im Kalten Krieg erweitert: 1.447 Menschen sollten zum Schutz gegen atomare, biologische und chemische Kampfstoffe bis zu 14 Tage im Bunker untergebracht werden – 16 Stunden täglich auf einem unbequemen Holzstuhl sitzend, 8 Stunden auf einer kurzen, harten Liege; Ausnahmezustand. 1978 beheimatete der Bunker Zugreisende, die ihre Fahrt wegen der Schneekatastrophe nicht fortsetzen konnten, und während der ersten Wendetage 1989 übernachteten hier Besucher aus der DDR, die in die Hansestadt strömten. Zuletzt bereitgehalten für die Auswirkungen des Millennium-Bugs, doch nichts ist passiert am 31.12.1999, genauso wenig wie heute um 11 Uhr am Hachmannplatz über der Erde, zur verabredeten Zeit, außer, dass um 0 Uhr planmäßig der Kalender umsprang auf den 1.1.2000.
Eröffnete ich einen Kosmetiksalon, ich wäre unbedingt darauf bedacht, vor meinen Räumlichkeiten gut sichtbar ein großes Plastikschwein mit Kochmütze und Bierglas aufzustellen. Allerdings täte ich dies nicht in der Hamburger Grindelallee, denn dort ist diese wunderbare Kombination bereits vertreten.
„Kaufen Sie heute noch unsere Sparschäler, Sie werden keine besseren finden.“ Was hier nach Wochenmarkt klingt, waren in Wirklichkeit die ersten Worte, die ich auf der Messe eat’n STYLE, die nach eigenen Angaben „Deutschlands größter Delikatessenmarkt und ein Festival des guten Geschmacks“ sein sollte, am vergangenen Wochenende in Hamburg vernahm. Trotz überragender Schäleigenschaften hielt sich die Begeisterung des Publikums für „Gabrielas Schälblitz“ in Grenzen. Größeres Interesse hingegen galt Kochsternchen sowie Probierhäppchen- und schlückchen.
Das kulinarische Angebot war breit und reichte von Schweizer Schokolade bis zu italienischem Schinken. Sehr erfreulich war die bodenständige Currywurst, die heutzutage beim anspruchsvollen Publikum nur noch an die Frau oder an den Mann zu bringen ist, wenn „Bio“ draufsteht. Hier konnte der Wurstgourmet unter einer Vielzahl von Currymischungen wählen, die von „frisch, blumig mit leicher Vanillenote“ bis hin zu „extrem scharf“ mit drei Ausrufungszeichen reichten. Ich selbst habe mich mit der mittleren Röstung mit harmonischer Schärfe sofort anfreunden können, jedoch reichte danach das Budget nicht mehr, um auch den Burger mit Kobe-Rind zu probieren. Aber eigentlich sind die zotteligen Tiere, die ausschließlich mit Mais, Alfalfa, Gras, Gerste und Mineralien gefüttert werden, auch fast ein bißchen zu schade, um sie zwischen zwei pappigen Brötchenhälften zu verspeisen.
Genauso zart wie überschaubar: Hirschfleisch aus Neuseeland
Die selbst dem schwerpunktmäßig den Bier- und Weinständen zugewandten Messepublikum bekannten Küchenchefs von Tim Mälzer über Sarah Wiener bis hin zu Johann Lafer haben ihre Künste ausschließlich hinter einem schwarzen Vorhang vorgeführt. Da ich TV-bedingt eine vage Vorstellung davon habe, was im sogenannten „Kochtheater“ vor sich geht, habe ich den für diese Vorstellungen verlangten Eintrittspreis in Höhe von 15,- EUR gespart, um mir irgendwann auch einmal ein bis zwei Gramm Kobe-Rind leisten zu können. NDR-Chefkoch Rainer Sass hingegen haute währenddessen für die breite Masse, die sich von alkoholischen Getränken langsam der festen Nahrung zuwandte, ganz unprätentios ein paar große Stücke Fleisch in die Pfanne:
Hält nichts von Portionen, die man mit der Lupe suchen muss: Rainer Sass
Und während Alfons Schuhbeck seine groß angekündigte Autogrammstunde entfallen lässt,
Warten auf Schuhbeck. Weder er noch Godot erschienen jedoch zur angekündigten Autogrammstunde.
beweist Sarah Wiener Medienkompetenz, indem sie ihren Kollegen Rainer Sass geistesgegenwärtig in den Arm nimmt, sobald eine Kamera auf sie gerichtet ist:
Rainer Sass guckt etwas gequält, Sarah Wiener ergreift die Initiative
Insgesamt war dies schon eine etwas ungewöhnliche Mischung aus Lifestyle und Dr. Oetker, die dem interessierten Publikum geboten wurde. Wer allerdings Freude an Fernsehköchen hat und einige Runden auf der Messe gedreht hat, der hat den Gegenwert in Form von Häppchen und Schlückchen schnell wieder herausbekommen, und sich dabei noch prächtig amüsiert. Ich werde wohl im nächsten Jahr nicht mehr hingehen und stattdessen in mein erstes Stück Kobe-Rind investieren.
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Weitere Bilder von der Messe gibt es in meinem flickr-Album. Ein herzliches Dankeschön für die Eintrittskarten geht an Herrn Paulsen vom wunderbaren Foodblog NutriCulinary. Wer gern noch einen weiteren Rückblick zur Messe lesen möchte, der schaue bei Sozialgeschnatter nach.