Warenwelten #9: Schrotbrot

Manchmal braucht es nicht viel, um mich als Kunden ein bißchen glücklicher zu machen. Bei den regelmäßigen Einkäufen bei meinem neuen Lieblingsbäcker Hacker in der Stargarder Straße pflege ich wochentags eine kleine Auswahl an köstlichen Brötchen zu erwerben: „Einen Schusterjungen, ein Vollkorn, eine Schrippe – und ein Mohn“, bestelle ich voller Vorfreude auf die sich stets anschließende Frage „Brötchen oder Hörnchen?“ In einer Welt voller Shitstorms an allen Ecken und Enden sind es doch immer wieder die kleinen Dinge, an denen es sich zu erfreuen gilt – und sei es, nur an der immer wiederkehrenden Rückfrage der Bäckersfrau, die etwas Verlässlichkeit in die sich immer schneller zu drehen scheinende Welt bringt.

Heute beförderte mich eine Abweichung von meinem gewohnten Kaufverhalten in die Riege der Stammkundschaft: Ich bestellte statt des liebgewonnenen Brötchensortiments ein Schrotbrot – schließlich hat der Bäcker sonntags geschlossen und ich muss über das Wochenende mit Backwaren versorgt sein. Ob dieser ungewohnten Order fiel der Dame hinter der Theke die kleine Brötchentüte mit dem Aufdruck „Hacki unser Bäcker, bei dem schmeckt’s immer lecker“ aus der Hand und sprach verwundert: „Na, da staun ick aba …“ Wer um die Spröde der Berliner Bäckereifachverkäuferinnen weiß, der ahnt, dass diese Worte einem Ritterschlag gleichkommen.

Wochentags bevorzuge ich übrigens Mohnbrötchen.

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Parkplatzoptimierungskoinzidenz

Zeitlebens pflegte mein Großvater väterlicherseits eine Vorliebe für abseitige Automobilfabrikate. So hangelte er sich von einem Lada über die Marken Datsun, Nissan bis hin zu einem Kia Hyundai vor. Stets handelte es sich um Limousinen kleinerer Bauart, welche bei Mitfahrern größerer Bauart nicht selten zu verrenkungsbedingten Gelenkschmerzen führten.

Größeren Wert legte Opa hingegen auf auf die Bequemlichkeit des Parkplatzes. Dieser sollte sich nach Möglichkeit stets nahe am Ziel der Fahrt – im Optimalfall direkt vor dem Hauseingang – befinden, was gerade in dichtbesiedelten Großstädten zu Problemen führte. Meine Tante wohnte in Hamburg-Altona in der vierten Etage einer Jugendstil-Altbau-Wohnung. Hier gab es nicht nur keinen Personenaufzug, sondern natürlich in der näheren Umgebung auch nur ein sehr begrenztes Angebot an Parkraum.

Um dem Ziel des Wunschparkplatzes nahezukommen, hielt mein Großvater mit Adleraugen von oben stets Ausschau nach einer Optimierungsmöglichkeit. Der erfolgreiche Tausch eines weiter entfernten Parkplatzes gegen einen näher am Eingang liegenden stellte für ihn eine der größten Freuden dar. Dass er dafür mehr als 100 Treppenstufen herunter und wieder hinauf gehen musste, trübte diese Freude selbt im hohen Alter nicht.

Unter einer Koinzidenz versteht man ein zeitliches, manchmal auch räumliches Zusammentreffen von Ereignissen. In glücklicherweise nur sehr seltenen Fällen kam es vor, dass mein Großvater den weiten Weg auf sich nahm, um das Kraftfahrzeug auf den von ihm erspähten nähergelegenen Stellplatz umzuparken, und eben dieser kurz vor dem Erreichen seines Ziels bereits von einem anderen Verkehrsteilnehmer okkupiert wurde. Dieses unschöne Szenario konnte zwei Ausprägungen haben: in der gemäßigten Variante konnte mein Ahnherr auf seinen ursprünglichen Parkplatz zurückkehren. Der Optimierungsgesuch war gescheitert, die 200 Treppenstufen waren vergebens. In einem ungünstigeren Verlauf hingegen, wurde auch der ursprüngliche Parkplatz zwischenzeitlich von einem anderen Wagen belegt. Dies führte dazu, dass der neue Parkplatz weiter entfernt war als der ursprüngliche. Dies trübte im Verlauf des Tages die gute Laune des alten Herren; besonders an regnerischen Tagen.

Ich bin froh, dass nicht alle Macken erblich sind – selbst bei eher liebenswerten.

Oase

Es ist noch gar nicht lange her, da plagte uns die Kälte und monatelanger Schneefall. Und es war Winter. Ständiges Ausrutschen und damit verbundene Prellungen oder Knochenbrüche sind längst verheilt. Erst jetzt, da die Sonne einmal wieder zwei Tage am Stück hinter Schäfchenwolken hervorlugt, wird gerade uns Großstädtern bewusst, wie wichtig ein unerwartetes kühles Nass inmitten eines weitläufigen Trockengebietes ist.

Wer von Oasen nicht genug bekommen kann, dem sei diese wunderbare Gruppe auf Flickr empfohlen.

Tram

Neben dem Doppeldeckerbus (natürlich oben, ganz vorn sitzend) ist die Straßenbahn das mir liebste Transportmittel im öffentlichen Nahverkehr. In meiner Heimatstadt Hamburg wurde diese leider bereits 1977 eingestellt; mittlerweile denkt der Senat allerdings – trotz Finanzkrise – über die Wiedereinführung nach. Aber intensives Nachdenken schadet nicht – besonders in Krisenzeiten.

Wenn immer möglich, ziehe ich eine Fahrt mit der Tram der S- oder U-Bahn vor. So auch heute. Man sieht so viel mehr vom urbanen Leben. Allerdings musste ich bei meiner heutigen Fahrt unfreiwillig an den notleidenden Autobauer Opel denken. Vor etwa zwei Jahrzehnten warb dieser noch mit dem Spruch „Fährt wie auf Schienen.“ Ein falschparkendes Kraftfahrzeug beendete meine Straßenbahnfahrt jäh und zwang mich, meinen Weg zu Fuß fortzusetzen. Auch Opel hatte sich seine Fahrt auf Schienen sicher damals ganz anders vorgestellt.

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