Was treibt sie eigentlich an?

Hunderttausende sind an diesem sonnigen Samstag in ganz Deutschland auf der Straße. „Für dezentralisierte regenerative Energie“ steht auf ihren Schildern und Transparenten – oder etwas kampagnenfähiger: „Ohne Meiler ist geiler!“ Für die gute Sache wird auch schon mal der eine oder andere für den Alltag zu lustige Hut herausgeholt und ein schräges Lied gesungen. Niemand denkt dabei daran, dass Musik auch Umweltverschmutzung sein kann. Das Ganze gerät schnell zum Happening. Die Lage ist ernst, aber was uns bleibt, ist immer noch der Humor.

Was aber macht die gut gekleidete Frau mit den langen braunen Haaren, der riesigen Umhängetasche und den hohen Stiefeln mit der großen Pauke vor ihrem Oberkörper? Nie zuvor hörten wir jemanden, der so unrhythmisch auf das Schlagwerk eingedroschen hat, wie sie. Immer wieder lässt sie sich in der Menschenmenge zurückfallen, um kurz darauf wieder in schnellerem Gehtempo an die Spitze des Demonstrationszuges zu gelangen. Nur wenn sie sich eine Zigarette dreht, pausiert sie kurz mit der Bearbeitung ihrer Trommel. Sie marschiert ganz allein und trommelt weder laut noch schön. Was treibt sie eigentlich an?

Salamibaguette

Beginnt man erst einmal, sich für eine Sache in besonderer Weise zu interessieren – seien es nun Bauwagen oder alte Karren –, geht man plötzlich mit offeneren Augen durch die Welt und sieht diese plötzlich überall. So geht es natürlich auch mit Serviervorschlägen für gutes Essen.

Nun ist es angesichts der Ideenlosigkeiten der Menschen und der beträchtlichen Verkaufspreise für hochwertige Kochbücher so, dass sicher viele Kunden von Supermarktketten dankbar sind, wenn ihnen während des Erwerbs von Lebensmitteln ganz beiläufig kostenlose Rezepte gereicht werden – insbesondere wenn deren Zubereitung aufgrund geringer Komplexität für jedermann zu leisten ist.

„Frühling, ja Du bist’s! Dich hab‘ ich ich vernommen!“ – endlich kommt er mit dem Gericht daher, das wir am allermeisten mit ihm verbinden: einem Wurstbrot. Allerdings muss ich zugeben, dass mir das belegte Genießerbrot ohne den empfohlenen Porree noch besser mundet. Außerdem passt ein auch als „Winterlauch“ bezeichnetes Gemüse nicht besonders gut zur Jahreszeit.

Was aber nun tun, wenn man noch viel lieber Schinken als Salami mag? Dann ist man ohne eine entsprechende Zubereitungsanleitung aufgeschmissen. Ratlos steht man dann da zwischen all seinen Induktionskochplatten und elektrischen Parmesanreiben und schüttelt verzweifelt sein kochbemütztes Haupt. Dann ist es Zeit, seinen Kolbenfüller mit königsblauer Tinte aufzuziehen, und auf Büttenpapier ein paar Zeile an den Lebensmittelladen seines Vertrauens zu schreiben:

„Liebes Kaiser’s-Rezept-Team,

ich bin ein großer Fan von Ihren Rezepten, aus denen ich bereits zahlreiche Anregungen für die schmackhafte Zubereitung von Nahrungsmitteln entnommen habe. Auch das Salamibaguette ist äußerst deliziös. – Aber ich bevorzuge Schinken. Wie gern genösse ich jetzt ein frühlingshaftes Schinkenbaguette. Leider bin ich bin an dessen Zubereitung bereits mehrfach gescheitert. Daher ersuche ich Sie höflichst, mir eine entsprechend modifizierte Zubereitungsanleitung zu übersenden.

Ihrer Antwort sehe ich gespannt entgegen. Entsprechendes Rückporto habe ich diesem Schreiben beigelegt. Im Voraus danke ich Ihnen für Ihre Bemühungen und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Ihr
bosch“

Zürau

Ein erstes Zeichen beginnender Erkenntnis ist der Wunsch zu sterben. Dieses Leben scheint unerträglich, ein anderes unerreichbar. Man schämt sich nicht mehr, sterben zu wollen; man bittet aus der alten Zelle, die man haßt, in eine neue gebracht zu werden, die man erst hassen lernen wird. Ein Rest von Glauben wirkt dabei mit, während des Transportes werde zufällig der Herr durch den Gang kommen, den Gefangenen ansehn und sagen: »Diesen sollt Ihr nicht wieder einsperren. Er kommt zu mir.«

Franz Kafka, aus „Die Zürauer Aphorismen“

Kartoffelgratin (mit Rezept)

Kartoffeln schälenLiebe geht durch den Magen – zuerst in die eine, dann in die andere Richtung. Eigentlich wollte ich diesen Satz nur einmal irgendwo hinschreiben und könnte es nun dabei bewenden lassen. Aber gern komme ich bei dieser Gelegenheit meinem bloggerischen Bildungsauftrag nach: Viele von uns essen immer schlechter – schneller, fetter, cholesterin- und glutamathaltiger. Das muss nicht sein.

Nun ist es wahrlich nicht so, dass ich ein großer Koch bin – leider ist genau das Gegenteil der Fall. Ich kann in der Küche genau vier Dinge halbwegs ordentlich zubereiten (geordnet nach steigender Komplexität): Milchkaffee, Rührei mit Champignons, Pasta mit Sherry-Gorgonzola-Soße und Buchteln.

An dieser Stelle soll etwas Neues dazu kommen, das irgendwo zwischen Pasta kochen und Buchteln backen einzuordnen ist: Kartoffelgratin. Dieses kann sowohl als hochwertige Beilage als auch als Hauptgericht (gern mit Salatbeilage) serviert werden.

Was wir dazu brauchen:

  • 1,5 kg Kartoffeln (festkochend)
  • 200 g Schlagsahne
  • 100 g Craime Fraiche (von mir aus auch Schmand oder Saure Sahne)
  • 300 g grob geriebenen Käse (gern einen würzigen)
  • 4 gehäufte Esslöfel geriebenen Parmesan
  • 300 ml Milch
  • 3 Teelöffel Paniermehl
  • nicht zu wenig Pfeffer und Salz
  • 3 gestrichene Teelöffel Instantbrühe
  • 2 Teelöffel Muskatnuss
  • 1 grob geschnittene Knoblauchzehe
  • etwas Butter
  • wer’s mag: etwas Ruccola

Erst die Kartoffeln schälen und dann in dünne Scheiben schneiden. Bis auf Käse und Kartoffeln alle Zutaten gut mischen und die Auflaufform mit Butter ausfetten. Die Kartoffeln in Schichten in der Form anrichten. Dazwischen jeweils etwas Käse und gern auch ein wenig Gewürz einstreuen (wer’s mag: von mir aus auch ein paar Blätter Rauke). Zum Schluss die Sahne-Milch-Mischung darüber gießen und oben noch etwas Käse verteilen. Den Auflauf nun etwa 50-60 Minuten bei ca. 200 Grad Celsius im Backofen schieben. Wer an Voodoo glaubt, rät dazu, den Auflauf in den ersten 20 Minuten mit Alufolie zu bedecken. Alle anderen können darauf getrost verzichten. Das Rezept reicht – je nach Hunger – für ca. 3 Personen oder 40 Magermodels.

Mhh, lecker. Guten Appetit!

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