Für den Freitag habe ich in der vergangenen Woche süße Brotaufstriche getestet. Die meisten davon waren schlimm: Manche schmeckten wie Hustensaft, andere hatten die Konsistenz von Bauschaum. Mehr als drei Jahrzehnte der Konditionierung durch die Nutella-Industrie sind auch an mir nicht spurlos vorübergegangen. Das ist mir natürlich etwas unangenehm, aber die Alternativen sind einfach zu schlecht.
Hier geht es zum Test. Zum Start in den Tag bevorzuge ich mehr denn je Käse und Schinken.
Up above
Aliens hover
Making home movies
For the folks back home
(Radiohead)
Die Sonne scheint, aber es ist eine andere als noch vor ein paar Tagen. Es ist bereits diese Scheißrilkeherbsttagssonne, die den Niedergang des nur leidlich angedeuteten Sommers ankündigt. Vor mir geht ein kleiner Mann mit wild wucherndem Backenbart, der mit heiserer Stimme in sein Mobiltelefon spricht: „Wirst Du 43 oder 44? – Mann, Mann, Mann, wie die Zeit vergeht.“ Fassungslos schüttelt er seinen Kopf. „Wenn Du 44 wirst, erinnert mich das daran, dass ich dieses Jahr 41 werde“, etc. Aus der Kindertagesstätte duftet es nach frischgebackenem Kuchen. Nachricht an mich: „Ach bosch, was soll ich mit Deiner Melancholie?“ Ich weiß es auch nicht.
Texte schreiben, Texte kürzen, Texte schrei, Texte kür, Texte schr, Texte kü, Texte, Texte, Texte. Wir sagen Redigieren, meinen aber Destruktion, Vernichtung, Zerschlagung, Zersetzung und Zertrümmerung. Anschließend wird alles wieder ein bißchen aufgebaut: wie ein Kieferknochen – damit das Implantat nicht wackelt. Copywriting essen Seele auf.
Nur nicht verzagen, schließlich haben sich auch Rilke, Brecht, Tucholsky und Kästner als Gebrauchstexter verdingt.