Angela Richter: Assassinate Assange

Vor dem Besuch des Theaterstückes keine der vernichtenden Kritiken lesen, wie man überhaupt das Feuilleton vermeiden muss, weil es einen immerzu, mehr noch als der Politikteil, aufzuregen vermag. Kalenderwoche 39, Kampnagel, ehemalige Kranfabrik, Hamburg-Barmbek: Angela Richter ist Regisseurin und Theaterautorin. Sie interessiert sich für Julian Assange und Wikileaks. Letzteres braucht Geld, um seine Arbeit fortzuführen, zu diesem Zweck wird ein Abendessen mit Assange versteigert, Richter nimmt 1.600 Euro in die Hand und trifft ihn, auch danach noch mehrere Male.

Hunderte von Interviewfragen, hunderte von Antworten, Protokolle, Briefe, Dokumente, all diese fließen hinein in das Theaterstück. Realität und Fiktion vermischen sich, dass einem schwindelig wird. Collage. Drei Aspekte: Die Enthüllungen auf Wikileaks, der Starkult um die Person Assange, die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Assange. Alles spielt hier irgendwie eine Rolle, alles wird vermengt, alles bleibt unklar. Zum Schluss berichtet Assange von seinem Traum, in dem Saddam Husseins Gehirn in seine, Assanges, Gebärmutter transplantiert wird.

Nach der Aufführung treffe ich Malakoff Kowalski, der die dargestellte Wirrness mit wunderbarer Musik begleitete. Er fragt mich, wie ich es fand, ich bin ratlos, wir trinken ein Bier. Es bleiben Fragen, aber keine Antworten. „Theater ist kein Dokumentarfilm“, sage ich. Dann trinken wir noch ein Bier.

7 Antworten auf “Angela Richter: Assassinate Assange”

  1. Über Malakoff mit Malakoff müsste ein Film gedreht werden. http://www.youtube.com/watch?v=hNBq9MYp7Mw Er ist wirklich einmalig!

    Filmkomponisten verdienen sowieso sehr schlecht.

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  2. Diese Überschrift … ist das eigentlich Absicht, dass da nicht „Assassinate Assange“ steht, sondern irgendwas anderes? „Sissi Assange“ wäre ja auch ganz nett.

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    1. @Katja: Lustig, aber das ist auch nur einer dieser Tippfehler, die in der Selfpublishing-Branche gewöhnlich niemandem auffallen.

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  3. Okay. Hätte ja auch ein brutal intelligentes Wortspiel sein können. Dachte, ich frag besser mal nach, bevor ich was verschlafe.

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    1. @Katja: Aber das käme dann nicht von mir.

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  4. Hey Bosch, danke für Malakoff Kowalski. Habe jetzt zwei neue Platten und bin froh.

    Grüße
    Niklas

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    1. @niklas: Oh, gern geschehen. Das freut mich. Und vielen Dank auch für Deine Mail.

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