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Feuilleton

Generation Generationsbuchautor

Kunstwerk der Generation Readymade.

Jeder lebt in seiner eigenen Welt,
aber meine ist die richtige.
(Lassie Singers)

Wir. Wir fahren ein bestimmtes Automodell. Wir sind Männer mit zu vielen Gefühlen oder Frauen mit zu wenigen. Wir sind überfordert mit unseren Jobs. Wir sind irgendwie anders als die anderen. Wir machen Praktika. Wir schenken unsere Aufmerksamkeit nur noch unseren Smartphones. Wir arbeiten in Agenturen oder Redaktionen. Wir werden es einmal schlechter haben als unsere Eltern. Wir lieben uns, aber nicht mehr einander. Wir sind das Prekariat. Wir sind blutwurstmögende Vegetarier. Wir sind Journalisten. Wir sind Inkludisten. Wir umarmen alle. Wir sind wir. Wir kommen nicht mehr dazu, unser Leben zu leben, weil wir ständig damit beschäftigt sind, das Verhalten unserer Altersgenossen in neue Generationsbücher zu verpacken. Anschließend touren wir durch die allabendlichen Talkshows der Republik und verkaufen die Mär vom X, dem Golf, dem Internet oder dem Schmerzensmann. Werden wir kritisch dazu befragt, ob wir den von uns ersonnenen Generationsbegriff nicht vielleicht doch zu weit gefasst haben, verweisen wir auf ein naturgemäß einleuchtendes Einzelschicksal aus dem von uns verfassten Buch. Denn wenn wir es dort geschrieben haben, dann muss es ja stimmen undsoweiter. Wir sind die Generation Einzelschicksal. Dabei wollen wir eigentlich nur eines sein: die Generation Generationsbuchautor.

12 Antworten auf „Generation Generationsbuchautor“

Dazu passen folgende Zeilen von Douglas Coupland:

»Dem Buch [Generation X] liegt die Idee zugrunde, dass, 1991 und dank der heutigen Technik, das Konzept der Generationen veraltet ist und wir ein Zeitalter betreten, in dem jedes Individuum eine eigene Generation darstellt. Und so folgte ein jahrelanger Generationsbenennungsirrsinn, der von vornherein zum Scheitern verurteilt war.
Douglas Coupland, Marshall McLuhan: eine Biographie, Seite 27.

Oh, bemerkenswert schön gesehen.
Ich kenne zwar die Hälfte der Anleihen nicht. Die andere aber schon. Man kann all jene, die hier gemeint zu sein scheinen, abbringen von dem, was hier gemeint zu sein scheint, indem man sie das Mitglied einer Gruppe nennt. Dann legt jeder jede Eigenschaft ab.

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