Utz, Kapitel 2

Eine Geschlechtsumwandlung vornehmen zu lassen oder einen landwirtschaftlichen Betrieb zu erwerben, nur um einmal im Privatfernsehen in Erscheinung zu treten? Geistesgegenwärtig schloss Utz diese Optionen aus, während er, unter der Dusche stehend, mit ganzer Kraft die letzten Tropfen der Milch- und Honigseife aus dem Spender pumpte. Seine große Liebe ist nicht irgendeine dahergelaufende wasserstoffblondierte Nagelstudiobetreiberin, die bereits im Alter von 21 Jahren drei Kinder von vier Männern empfangen hat, und nun durch den ersehnten Umzug aufs Land ihrem Dasein beim allmorgendlichen Kühemelken und Hühnerfüttern einen neuen Sinn zu geben versucht. Verständnis hat Utz zwar dafür, dass diese Damen nicht tagein, tagaus Strasssteinchen auf Plastiknägel anbringen möchte, aber warum sollte ausgerechnet er einen Bauernhof erwerben, nur, um diesen Typ Frau aus ihren selbstgewählten Kunstnagelgestaltungsvorhöllen zu befreien? Auch ist Utz kein siebenundvierzigjähriger gutmütiger Genmaiszüchter, der noch mit seiner Mutter, die ihm morgens täglich eine Milchsuppe kocht und abends eine heiße Zitrone zubereitet, unter dem Dach eines heruntergekommenen Resthofes wohnt, und dessen einzige Erfahrung im Umgang mit weiblichen Lebewesen, die nicht mit ihm verwandt sind, auf den Kontakt mit den von ihm gezüchteten Suppenhühnern beschränkt ist.

Utz hat jetzt wichtigeres zu tun als über seine nichtzustandekommende Bewerbung für Bauer sucht Frau zu sinnieren, denn seine wirklich wahre große Liebe, der Verein zur Pflege der Schirmmützenkultur Deutschlands e. V. steckt gerade in der größten Krise seit seiner Gründung vor 37 Jahren, 11 Monaten und 3 Tagen. Und so geschah es, dass Utz sich auf die beschwerliche Busreise in das Vereinshaus machte, welches sich seit vielen Jahren im Keller des Lokals Zum Frühaufsteher (ehemals bekannt als Zur schmutzigen Gardine), das aber von den Vereinsbrüdern nur noch liebevoll Zur blutigen Rosa genannt wird – in Andenken an die vor drei Jahren von ihrem Lebensgefährten, einem jähzornigen ehemaligen Ex-Knacki, niedergestochene kettenrauchende und einbeinige Exwirtin.

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Lesen Sie auch in der nächsten Folge weiter, wenn es heißt: Warum muss der Protagonist ausgerechnet mit dem Omnibus in das Vereinslokal fahren und wieso steckt die Schirmmützenkultur in der Krise?

Hausmitteilung: Bloggeburtstag, Nebenblog und wordpress-Update

Liebe Leser,

genau ein Jahr ist nun seit meinem ersten Beitrag in diesem Onlinejournal vergangen. Seitdem habe ich an dieser Stelle 105 Beiträge veröffentlicht, die insgesamt 1097 mal kommentiert wurden. Auch wenn andere Blogger schwächeln: hier wird es wie gewohnt, nämlich mit niedriger Postingfrequenz und etwas höherem Unterhaltungswert, weitergehen.

In den kommenden Tagen werde ich aus technischen Gründen endlich das Update auf wordpress 2.3 nachholen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Mit Blick hierauf wird die Optik von boschblog vorübergehend etwas reduziert erscheinen, aber schon nach kurzer Zeit wieder zu alter Frische zurückkehren.

An dieser Stelle möchte ich auch die Gelegenheit nutzen, um auf mein Nebenblog metabosch – das Blog zum boschblog hinzuweisen. Dort werde ich mich in unregelmäßigen Abständen zu den Themen äußern, die hier keinen Platz finden.

Mit den besten Wünschen für die Adventszeit verbleibe ich

Euer bosch

Utz, Kapitel 1

Utz ist erster Beisitzer im Verein zur Pflege der Schirmmützenkultur Deutschlands e. V. Wie jeden Morgen klingelt auch heute sein sein Radiowecker um exakt 7.23 Uhr und beendet seinen ohnehin nur sehr leichten Schlaf jäh. Die halbe Nacht hatte er davon geträumt, nicht mehr nur Beisitzer im Verein zur Pflege der Schirmmützenkultur Deutschlands e. V. zu sein, sondern ein ganz anderer, viel bedeutenderer Mensch. In seinen nächtlichen Visionen war er plötztlich nicht mehr einfach nur Utz, sondern Tierpfleger im zoologisch-botanischen Garten Wilhelma im Stuttgarter Stadtbezirk Bad Canstatt. Ähnlich wie der vor vielen Jahren für die Aufzucht eines knudeligen Eisbärbabys, an dessen Namen sich heute niemand mehr erinnern kann, zuständige Zooangestellte, gelangte auch Utz zu einer bescheidenen Bekanntheit, welche ihm hin und wieder einen Auftritt im lokalen Bürgerrundfunk bescherte. Als er unsanft erwuch, konnte er sich jedoch nicht einmal mehr an das liebliche Lächeln des von ihm in seinem Traum mit großer Zuneignung aufgezogenen Dönertiers erinnern.

Wie gewöhnlich an Dienstagen, trank er sofort nach dem Aufstehen zwei Gläser Sprite und frühstückte dazu zwei wohltuende Pullmoll aus der grünen Dose, denn die aus der roten Dose mochte er nicht mehr, seitdem er als Kind eine Überdosis nur knapp überlebte. An anderen Werktagen bevorzugt Utz zwei Minzdragées der Marke Tic Tac à zwei Kalorien zu einem Glas 7up. Der Vertrieb dieses Geränks wurde zwar bereits vor einigen Jahren mangels Nachfrage eingestellt, Utz hat sich allerdings von dem Erbe seiner Großtante dritten Grades einen großzügigen Restbestand gesichert. Wie sonst hätte er die Montage und Mittwoche bis Freitage überstehenen sollen, fragte sich Utz, während er insgeheim froh war über das rechtzeitige Ableben seiner Großtante dritten Grades. Seine überschaubare Halbweisenrente und die Aufwandsentschädigung für das Amt des Beisitzers im Verein zur Pflege der Schirmmützenkultur Deutschlands e. V. hätten nicht ausgereicht, um die 7up-Dosis bis an das Ende seiner Tage zu gewährleisten.

An Wochenende leistet sich Utz meist ein Brötchen. Wenn er mit seiner kleinen Brötchentüte vom SB-Bäcker seines Vertrauens in seine kalte, dunkle und an den Wänden leicht feuchte Behausung am Rande der Stadt zurückkehrt, fühlt er sich oft sehr einsam. Zu gern würde er sich dann bei Bauer sucht Frau bewerben, um auch einmal eine mit zwei Rundstücken prallvoll befüllte Brötchentüte nach Hause tragen zu können, aber Utz ist weder Bauer noch Frau.

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Anmerkung des Verfassers: Was soll das alles? Das weiß ich auch nicht – aber es war wieder an der Zeit, hier einen Beitrag zu veröffentlichen. Eine Fortsetzung folgt, falls mir wieder einmal nichts besseres einfallen sollte und/oder dies von den Lesern dieses Onlinejournals gewünscht ist.

Nikolausvergessen

NikolausHeute ist Nikolaustag und gestern habe ich ihn vergessen. Obwohl alle Blumen-, Süßwaren- und Nanu-Nana-Läden seit Tagen auf dieses vorweihnachtliche Kleinkonsumfest hinweisen, habe ich aufgrund grober Nachlässigkeit versäumt, anlässlich des kurzen Vorbeischneiens des weißbärtigen Mannes mit dem roten Mäntelchen eine kleine Aufmerksamkeit in einem Stiefel der Größe 39 zu plazieren.

Asche auf mein Haupt, aber bitte trotzdem Schokolade in meinen ungeputzten Stiefel. Es wäre so einfach gewesen, an das Nikolausfest zu denken – schließlich wunderte ich mich gestern ausführlich über das am Folgetag zu öffenende übermäßig großformatige Türchen in meinem Adventskalender, das bereits ein besonderes Ereignis anzukündigen schien. Manchmal bin ich ein wenig unsensibel. Umso mehr erfreute ich mich daran, die in feine Täfelchen gepresste Kakaomasse rechtzeitig vor dem vollständigen Einführen meines Fußes in das Schuhwerk bemerkt zu haben.

Für das nächste Jahr habe ich den Nikolaustag bereits in meinem Kalender notiert.

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