Juckreiz

Niemand kann sagen, woher genau es kommt. Plötzlich ist es da. Man will ihm nicht nachgeben, aber so sehr man auch mit sich ringt, irgendwann tut man es doch. Es ist kein Schmerz, aber es juckt. Lange Zeit hat die Forschung das nicht ernst genommen. Amerikanische Psychologen haben kürzlich Menschen mit Schmerzen und Menschen mit Juckreiz nach ihrer jeweiligen Bereitschaft befragt, Lebenszeit gegen Befreiung von ihrem Leid einzutauschen. Beide Gruppen waren geneigt, mehr als 20 % ihrer Lebenserwartung herzugeben.

Dann geht es wieder los. Und wenn man sich bis aufs Blut gekratzt hat, hat man natürlich eine Ahnung davon, was diesen Juckreiz auslöst. Daran denkend möchte man den Prozentsatz großzügig erhöhen, muss aber feststellen, dass es keinen Gegenpart gibt, der dieses Geschäft annimmt.

Brotaufstriche vor Gericht

Für den Freitag habe ich in der vergangenen Woche süße Brotaufstriche getestet. Die meisten davon waren schlimm: Manche schmeckten wie Hustensaft, andere hatten die Konsistenz von Bauschaum. Mehr als drei Jahrzehnte der Konditionierung durch die Nutella-Industrie sind auch an mir nicht spurlos vorübergegangen. Das ist mir natürlich etwas unangenehm, aber die Alternativen sind einfach zu schlecht.

Hier geht es zum Test. Zum Start in den Tag bevorzuge ich mehr denn je Käse und Schinken.

Angst

Vor einiger Zeit hörte er, dass ein Bekannter einer Freundin unter Angst vor Knöpfen (Koumpounophobie) leide. Was zunächst ein bißchen lustig klingen mag, stellt sich spätestens dann als Problem heraus, wenn dem Ängstlichen jemand statt in einem T-Shirt in einem Hemd gegenüber sitzt. Einem engen Freund wiederum wurde kürzlich nach einer dreistelligen Anzahl an Sitzungen auf der Couch eines Thearapeuten diagnostiziert, dass er Angst vor dem Ablaufen der Zeit habe (Chronophobie).

Auch er litt an Ängsten: So bereitet ihm u.a. der Blick in die Tiefe oft großes Unbehagen (Bathophobie). Besonders, wenn die Umstände wackelig sind, kann er sich kaum noch auf seinen Gleichgewichtssinn verlassen und gerät ins Stocken.

Aber auch andere Rahmenbedingungen können in ihm Furcht und Schrecken auslösen. Um sich zu versichern, dass mit den Phobien, unter denen er zu leiden glaubt, nicht allein ist, überprüft er deren Existenz unregelmäßig in einem Online-Lexikon.

Im Gegensatz zu vielen Mitmenschen ist ihm jedoch eine Angst völlig fremd: Fluganst (Aviophobie). Selbst größere Turbulenzen nimmt er in höchsten Höhen mit Gleichmut hin und denkt dabei stehts: Wenn wir jetzt abstürzen, dann ist es alles wenigstens schnell vorbei.

Emotionsmanagement

Nur mit einem Ohr höre ich dem glatzköpfigen Mann auf dem Podium zu. Meine Aufmerksamkeit gilt vor allem meinem Mobiltelefon, von dem ich versuche, digitale Erinnerungen zu verbannen. Analoge Erinnerungsstücke brennen besser, denke ich, als ich plötzlich aufhorche: Der Mann auf der Bühne sagt, er sei Professor für Emotionsmanagement.

Was soll ich von einem Theoretiker wie ihm lernen, frage ich mich, während ich eine Telefonnummer lösche, die ich nicht mehr anzurufen gedenke. Obwohl er nur wenige Meter von mir entfernt ist, klingt seine Stimme wie aus weiter Ferne. Ich höre etwas von China, rasant wachsenden Märkten und Internet. Die Zukunft liege in Asien, sagt er, und dass Innovation das ganz große Ding sei. Tatsächlich ist er Professor für Innovationsmanagement. Das kann man sicher auch irgendwann einmal gebrauchen.

Dem Geheimnis des Lebens auf der Spur

Im zweiten Stock des Treppenhauses existiert seit einiger Zeit eine Tauchbörse für Bücher. Kürzlich war hier ein ringgeheftetes Druckerzeugnis zu finden: “Die 7 Schritte um sicheren Umgang mit der Einhandrute – Seminar- und Arbeitsunterlage”. Zu meinem Erstaunen hat sich nach nur wenigen Tagen ein Interessent hierfür gefunden. Nachdem auch ich mehrfach zaghaft danach geschaut hatte, freute ich mich jedoch für den Mitnehmer: Gut gemacht, da hast du 15,- Euro Schutzgebühr gespart, dachte ich mir. Nach ein paar Tagen jedoch wurde die Anleitung anderer Stelle im Treppenhaus wieder ausgesetzt. Also machte auch ich mich ran, 15 Euro zu sparen und griff entschlossen zu. Mehrere Wochen sind seitdem vergangen und ich schleppe dieses Heftchen seitdem stets mit mir herum, ohne je einmal hineingeschaut zu haben.

Das sollte heute anders werden: schließlich möchte ich nicht von dieser Erde gehen, ohne die Gelegenheit genutzt zu haben, mich über die Funktionsweise eines Rayometers zu informieren. Seitdem bin ich “dem Geheimnis des Lebens und der Steuerung des menschlichen Körpers durch die höhere Radiästhesie auf der Spur”. Ein durchaus spannender Weg, wie ich finde. Aber nicht ganz einfach zu verstehen, denn “die Resonanzdiagnostik nach Paul Schmidt basiert auf der Applikation von definierten Interferenzen feinstofflich-energetischer Wellen zur Prüfung der körpereigenen Regulationsmechanismen”. Klar, dachte ich mir, Chakren sind ein hervorragendes Erklärungsmodell, aber macht es den wirklich einen so großen Unterschied, ob man die Rute nun vertikal oder drehend bewegt? Ist das nicht viel mehr wie beim Joghurt – egal, ob links- oder rechtsdrehend? Scheint es nicht zu sein, denn “schließlich hat alles seine Zwei Seiten: hell/dunkel, Freude/Leid, Yin/Yang”. Wichtig ist natürlich auch, eine “positive Frequenz in die Spenderhand zu geben”, dann klappt es auch mit der Harmonisierung.

Ein bißchen bedaure ich jetzt, dass ich gerade nicht so ein Ding zu Hand habe, sonst könnte ich ganz leicht den Elektrosmog in meinem Schlafzimmer abstellen. Aber vielleicht bestelle ich mir demnächst so eine praktische Einhandrute bei der Firma Rayonex. Bis dahin muss ich mich damit begnügen, des Nachts den WLAN-Repeater neben dem Bett auszuschalten.

Leckere Magenmorsellen und Twitterlesung

Kaum verlässt man die gewohnten Pfade, begegnen einem die merkwürdigsten Dinge. Bei meinem gestrigen Besuch in  einer Apotheke, die nicht die A. meines Vertrauens ist, entdeckte ich beim Schweifen meines Blickes unter der Ladentheke “Leckere Magenmorsellen”. Auf den Erwerb derselben habe zwar ich verzichtet, dennoch erfreute mich den ganzen Tag der Gedanke an das Wort “Magenmorsellen”. Ich kann nicht ausschließen, dass allein der Klang des Wortes “Magenmorsellen” eine leicht gesundheitsfördernde Wirkung entfaltet – und wenn sie dazu auch noch “lecker” sind, umso besser.

Mindestens genauso sinnvoll – wenngleich möglicherweise auch nicht ganz so “lecker” – ist die anstehende Twitterlesung: am Donnerstag, den 22. Januar dieses Jahres werden meine Kollegen von Twitkrit und ich erstmalig die Freie und Hansestadt Hamburg mit twitterarischen Kuriositäten beglücken. Details zu dieser Veranstaltung finden sich hier. Kommt alle!