Kategorie-Archiv: Wissenschaft

Zwei kurze Notizen zur Sprache

1. Englisch

Seit Kurzem haben ich eine Vorliebe für amerikanische TV-Serien entwickelt. Viele von ihnen sind erstaunlich gut, sowohl was die Geschichten als auch ihre Umsetzung betrifft. Derzeit schaue ich In Treatment. Ich sehe die Sendungen im englischsprachigen Original ohne Untertitel. Obwohl mein Englisch mehr als nur leicht angerostet ist, verstehe ich so ziemlich alles.

Wenn ich hingegen auf Englisch in ein Gespräch verwickelt werde, stammle ich. Nicht nur, dass mir häufig die passenden Worte fehlen, ich bin zudem recht gehemmt. (Ein paar Gläser Bier sind manchmal hilfreich dagegen.)

Unterschiedliche Gehirnareale sind für das Sprechen und Verstehen verantwortlich, so dass ich zwar ohne große Mühe den größten Teill verstehen, aber relativ wenig sagen (und auch schreiben) kann.

Ich denke darüber nach, ob sich dies in meiner Muttersprache Deutsch möglicherweise genau so verhält.

 

2. Beziehungscode

Finden zwei Menschen größeres Gefallen aneinander, so entwickeln sie häufig einen eigenen Code. Sprachliche Eigenheiten, ungewöhnliche Wörter oder ganze Wendungen fließen ohne explizite Vereinbarung in ihre Konversation ein. Für Außenstehende ist dies in der Regel nicht verständlich oder gar lächerlich.

Einzig eingeweiht in diesen Code ist das eigene Mobiltelefon. Dieses beinhaltet Unterstützungen zur Rechtschreibkorrektür, die in der Lage ist, solche Eigenheiten zu erlernen.

Im Laufe der Zeit verstummt der Gebrauch dieses Codes jedoch wieder. Nur das eigene Handy erinnert einen dann noch an den Sprachgebrauch längst vergangener Zeiten. Dann beginnt man mit einem Umerziehungsprozess, der das Telefon wieder an die Normalsprache gewöhnt. Dies weckt Erinnerungen und ist zudem etwas mühsam.

Juckreiz

Niemand kann sagen, woher genau es kommt. Plötzlich ist es da. Man will ihm nicht nachgeben, aber so sehr man auch mit sich ringt, irgendwann tut man es doch. Es ist kein Schmerz, aber es juckt. Lange Zeit hat die Forschung das nicht ernst genommen. Amerikanische Psychologen haben kürzlich Menschen mit Schmerzen und Menschen mit Juckreiz nach ihrer jeweiligen Bereitschaft befragt, Lebenszeit gegen Befreiung von ihrem Leid einzutauschen. Beide Gruppen waren geneigt, mehr als 20 % ihrer Lebenserwartung herzugeben.

Dann geht es wieder los. Und wenn man sich bis aufs Blut gekratzt hat, hat man natürlich eine Ahnung davon, was diesen Juckreiz auslöst. Daran denkend möchte man den Prozentsatz großzügig erhöhen, muss aber feststellen, dass es keinen Gegenpart gibt, der dieses Geschäft annimmt.

Brotaufstriche vor Gericht

Für den Freitag habe ich in der vergangenen Woche süße Brotaufstriche getestet. Die meisten davon waren schlimm: Manche schmeckten wie Hustensaft, andere hatten die Konsistenz von Bauschaum. Mehr als drei Jahrzehnte der Konditionierung durch die Nutella-Industrie sind auch an mir nicht spurlos vorübergegangen. Das ist mir natürlich etwas unangenehm, aber die Alternativen sind einfach zu schlecht.

Hier geht es zum Test. Zum Start in den Tag bevorzuge ich mehr denn je Käse und Schinken.

Angst

Vor einiger Zeit hörte er, dass ein Bekannter einer Freundin unter Angst vor Knöpfen (Koumpounophobie) leide. Was zunächst ein bißchen lustig klingen mag, stellt sich spätestens dann als Problem heraus, wenn dem Ängstlichen jemand statt in einem T-Shirt in einem Hemd gegenüber sitzt. Einem engen Freund wiederum wurde kürzlich nach einer dreistelligen Anzahl an Sitzungen auf der Couch eines Thearapeuten diagnostiziert, dass er Angst vor dem Ablaufen der Zeit habe (Chronophobie).

Auch er litt an Ängsten: So bereitet ihm u.a. der Blick in die Tiefe oft großes Unbehagen (Bathophobie). Besonders, wenn die Umstände wackelig sind, kann er sich kaum noch auf seinen Gleichgewichtssinn verlassen und gerät ins Stocken.

Aber auch andere Rahmenbedingungen können in ihm Furcht und Schrecken auslösen. Um sich zu versichern, dass mit den Phobien, unter denen er zu leiden glaubt, nicht allein ist, überprüft er deren Existenz unregelmäßig in einem Online-Lexikon.

Im Gegensatz zu vielen Mitmenschen ist ihm jedoch eine Angst völlig fremd: Fluganst (Aviophobie). Selbst größere Turbulenzen nimmt er in höchsten Höhen mit Gleichmut hin und denkt dabei stehts: Wenn wir jetzt abstürzen, dann ist es alles wenigstens schnell vorbei.