Leergutflirt

Durch einen unbekannten Supermarkt irrend nach der Leergutannahme zu suchen, bietet fruchtbaren Nährboden für eine Flirtsituation. Unsere Blicke treffen einander und verraten gemeinsame Ratlosigkeit, da weit und breit kein defekter oder lediglich rudimentär funktionierender Automat zur Entgegennahme unserer Pfandflaschen zu erkennen ist. Das verbindet ungemein.

Nach einer gefühlten halben Ewigkeit des Umherirrens zwischen den Flaschenregalen entdecke ich die Leergutannahme und weise der Dame fast heldenhaft die Richtung. Beiderseits hocherfreut halten wir auf dem Weg ein kurzes Pläuschchen: „Ist aber auch wirklich zu schwierig zu finden hier.“ – „Ja, alles total unübersichtlich.“ etc.

Nicht ohne einander noch einmal zuzulächeln werden wir schließlich Flasche für Flasche unser Pfandgut los. Die Annäherung wird jedoch jäh beendet, als ich aus meinem Baumwollbeutel – für uns beide gleichermaßen unerwartet –  eine halbvolle Flasche billigen Fusels ziehe, den mir jemand untergeschoben haben muss. Noch irritierter als ich schaue, blickt mich die Dame an. „Ich kenne diese Flasche überhaupt nicht“, sage ich zum hastigen Abschied. Schließlich bin ich zu dieser Spirituose gekommen wie der trockene Alkoholiker zur Fahne. Da mir die Situation dennoch unangenehm erscheint, achte ich später darauf, nicht gemeinsam mit der Dame an derselben Kasse anzustehen.

Das ist alles ist nicht weiter schlimm, denn schließlich funktionieren Supermarktflirts ohnehin nur in schlechten Fernsehwerbungen – und ich kann mir nun mit der halben Flasche einen vergnüglichen Abend bereiten. Falls mir noch jemand einfällt, der eine Vorliebe für billigen Schnaps hat, werde ich ihn dazu einladen.

12 Antworten auf “Leergutflirt”

  1. Der Kaiser’s in der Marienburger ist seit Jahrzehnten berühmt berüchtigt für sein flirtwilliges Publikum. Second try?

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    1. @lana74: Och nö. Ich kauf nun nur noch Wein aus’m Tetra Pak, den ich im Internetversandhandel bestellt.

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      1. na vielleicht überrascht Dich ja dann ein charmantes Treffen an einer gelben Tonne.

  2. Spezieller Dank für die Verwendung des aussterbenden Worts „einander“.

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    1. @kaltmamsell: Gern geschehen. Man kann ja vom Sick halten, was man will, aber das mit dem „einander“ hat er verstanden.

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  3. wo wohnst du? aber eine halbe flasche wird da nicht reichen!

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    1. @mahret: Hab den Fusel leider schon entsorgt. (Allerdings nicht in meinem Hals.)

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      1. dabei wäre der volkspark schon der richtige ort gewesen!

      2. @mahret: Ich glaube, wir hätten dort keine Freude gehabt. Diese Menschen und so. Du weißt schon.

  4. gepflegte misanthropie!

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    1. Im Volkspark wuchert sie an einem Samstagabend wild.

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  5. […] Eine meiner Sprachempfindlichkeiten habe ich hier noch nicht ausgelebt: Die Unterscheidung sich / einander. In Herrn Bosch habe ich einen Verbündeten im Kampf für diese Sache. […]

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