Kaktus

Auch alle Fragen machen weiter,
wie alle Antworten weitermachen.
Der Raum macht weiter. Ich
mache die Augen
auf und sehe auf
ein weißes Stück Papier.

(Rolf Dieter Brinkmann)

Ein augenscheinlich dubioser Laden, dieses Internet- und Game-Café. Meistens waren die Rolladen heruntergezogen, nur sehr selten ließen sie einen Blick auf die dahinter befindlichen schmutzigen Gardinen sowie die gummibaumartige Botanik zu.

Jahrelang ging sie daran vorbei, manchmal wunderte sie sich, wie diese ungastliche Stätte überleben könne. Nie spielte sie mit dem Gedanken, einen Fuß über die Schwelle zu setzen. – Bis plötzlich diese unscheinbares Mädchen vor ihr stand und sie darum bat, einen Zettel mit einer Nummer darauf, vermutlich die Telefonnummer des Mädchens, an einen jungen Mann zu übergeben, der sich in dem sogeannten Café befand. Sie, die jahrelang an dem Café mit den heruntergezogenen Rolladen und den dahinter befindlichen schmutzigen Gardinen vorbeiging, zögerte. – Schließlich kam sie aber doch der beharrlichen Bitte des Mädchens nach.

Warum das alles? Das bleibt ungewiss.

Moppel-Ich-Du-Er-Sie-Es-Wir-Ihr-Sie

„Es heißt, daß Zeit die Wunden heilt.
Wär‘ nett. wenn sie sich mal beeilt“

(Blumfeld, „Krankheit als Weg“)

Moppel sitzt allein in seinem Käfig. Er ist ein alter Hase: Unter dem pilzbedingt an einigen Stellen ausfallenden Pelz hat er ein unkontrolliert wachsendes Geschwür. Für eine Operation ist er jedoch bereits zu alt – es lohnt sich nicht mehr (sagt der Tierarzt). Darüber hinaus treten bei ihm erste Anzeichen einer Demenz zum Vorschein und möglicherweise leidet er unter seiner Einsamkeit.

All das sieht man ihm auf den ersten Blick nicht an, denn im Alltag funktioniert er, wie man es von ihm erwartet. Er lebt ein scheinbar ganz normales Hasenleben: Fressen – Schlafen – Fressen. Zum Glück hat er gute Freunde, die sich um ihn kümmern. Und so lange er sich keine großen Gedanken über den Sinn seines Daseins macht, ist es für ihn wohl auch halbwegs erträglich.

Es fährt kein Zug nach irgendwo

Es fährt ein Zug nach nirgendwo
mit mir allein als Passagier.
Mit jeder Stunde, die vergeht,
führt er mich weiter weg von dir.

(Fred Jay)

Alle schimpfen über die Bahn. Ich auch.

Kein Tagebuch

Als der Strom weg war,
kamst Du zu mir,
und du sagtest: „Los komm, erklär mir
in den Liedern, die Du spielst,
ist immer weniger von Dir selber drin.“
„Stimmt genau,“ sag ich,
„die sind so, wie ich selber bin.“

(Blumfeld, Superstarfighter)

Und natürlich ist das, was ich hier täglich in dieses Internet schreibe, kein Tagebuch, sondern immer auch ein Stück weit Ausgedachtes. „Wieviel Autobiographisches steckt in diesem oder jenem Text?“, mag sich der Leser fragen, und ich antwortete „nichts“ oder „alles“. Aber das ist egal, denn der Klang der Worte ist oft wichtiger als ihre Bedeutung selbst.

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