Modetrend Papagei

flickr: Papageien
Foto: Andy Tinkham

Papageien (Psittacidae) sind soziale Vogelarten, die, mit Ausnahme von Europa, auf allen Kontinenten verbreitet sind“, so steht es zumindest in dem von der Sachverständigengruppe Gutachten über die tierschutzgerechte Haltung von Vögeln herausgegebenen Schriftstück Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien. Mein Eindruck ist jedoch ein anderer. Die Zeiten ändern sich; schließlich ist das erwähnte Papier bereits aus dem Jahre 1995 und somit sicher etwas veraltet.

Gestern ging ich durch die Straßen St. Paulis und dachte – wie es bereits Heinrich Heine tat -, was ein junger Mensch zu denken pflegt, nämlich gar nichts. Plötzlich kam ein Mann vorbei, auf dessen Schulter ein Papagei, genauer gesagt ein buntgefiederter hellroter Ara, saß. Wie uns das Merkblatt aus dem Hause Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucher weiter lehrt, ist das Bedürfnis dieser Vogelart nach sozialen Kontakten „durch Paarhaltung oder, bei begründeter Einzelhaltung, durch tägliche ausreichende Beschäftigung mit dem Vogel nachzukommen.“ Der Mann, offensichtlich ein gewissenhafter Tierhalter und -freund, schien mit dem Inhalt des Merkblattes bestens vertraut zu sein; jedenfalls erschien mir das Ausführen des gefiederten Freundes die Auflage der ausreichenden Beschäftigung zu erfüllen und das Fehlen eines zweiten Tieres erfolgreich zu kompensieren. Wer einen Papagei besitzt, der muss ihn auf seiner Schulter ausführen; das war schon in den alten Piratenfilmen so. Zwei Papageien gleichzeitig auf den Schultern auszuführen, wäre sicher eine weitaus größere Herausforderung, aber ein derartiger Ausflug wäre obsolet, weil die Vögel sich laut Merkblatt in diesem Falle mit sich selbst beschäftigten.

Kapitulation

Kapitulation, so heißt das neue Album der Band Tocotronic, welches am 6. Juli 2007 erschienen ist. Dieses habe ich ganz brav auf Compact Disc in einem Laden erworben und erhielt als Geschenk dazu das oben abgebildete T-Shirt.

Gestern hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, dieses Kleidungsstück zum ersten Mal in der Öffentlichkeit auszuführen und wurde von mindestens fünf Leuten gefragt, was es damit auf sich habe. Offensichtlich ließ der Aufdruck zahlreiche Interpretationsmöglichkeiten zu. Daher an dieser Stelle in aller Deutlichkeit:

„Nein, ich habe am 6. Juli 2007 nicht geheiratet.“

Es ist einfach Rockmusik.

Warteschlangengeschichten Teil 7

Rolltreppe

An meiner heimischen U-Bahn-Station gibt es eine neue Errungenschaft: Eine Rolltreppe, die ihre Richtung wechselt. Nicht, dass es so wäre, dass, wenn man gerade auf ihr stünde und sich nach oben befördern ließe, die Fahrtreppe eigenmächtig, sobald man sich auf der Hälfte des Weges befände, dazu entschlösse, den Fahrgast wieder zu seinem Ausgangspunkt, an den Fuß der Treppe, zu befördern. Nein, die Sache stellt sich viel schlichter dar. Ab 10 Uhr, sobald auch der verschlafenste Berufspendler seine Arbeitsstätte erreicht hat, und die Treppe ohnehin den größten Teil des Tages unbenutzt und hoffnungsfroh auf den nächsten Bahnfahrer wartet, den sie seinem Ziel ein kleines Stückchen näher bringen könnte, wandelt sich diese auf den ersten Blick ganz gewöhnliche Rolltreppe zu einem Lehrstück in Sachen künstliche Intelligenz, in Fachkreisen auch als KI bekannt. Nähert sich ihr jemand von oben und löst damit eine Lichtschranke aus, so befördert die Fahrtreppe diese Person nach unten und verfällt danach wieder in ihren gewohnten Ruhezustand. Dasselbe geschieht, wenn sich ihr jemand von unten nähert. Sobald der Fahrgast die Lichtschranke am unteren Ende passiert, fährt die Treppe nach oben. Eigentlich ein ganz einfaches Prinzip, so man es denn verinnerlicht hat.

Wendy-Boy

Alles Glück der Erde
liegt auf dem Rücken der Pferde.
(aus einem Poesiealbum)

Wenn es zwei Dinge gab, die ich in meinem Leben als Grundschüler nicht sonderlich geschätzt habe, so waren es Poesiealben und die Freizeitgestaltung meines damals besten Freundes Lars (*).

Ständig überreichten einem doofe Mädchen – andere gab es damals noch nicht – ihre rosafarbenen Büchlein, in denen man sich als Zeichen der eigentlich gar nicht vorhandenen Freundschaft auf der jeweils rechten Seite mit einem Sinnspruch verewigen sollte. Die jeweils linke Seite ließ Raum für gestalterische Freiheiten in Form von Glanz- und Glitzerbildchen, Scherenschnitten oder ganz banalen Stickern, die es mit Bedacht einzukleben galt, ohne die Seiten mit Klebstoff zu verschandeln. Wer über ausreichend Begabung verfügte, konnte auch seine Buntstifte zum Einsatz bringen. Mir war das alles eine Qual. Oft schleppte ich das Büchlein wochenlang in meinem Schulranzen herum, bevor ich mich dazu durchringen konnte, ein paar Linien mit dem Bleistift zu ziehen und in schönster Handschrift einen Spruch zu kopieren, den ich einige Seiten zuvor erspäht hatte. Den besonders doofen Mädchen gab ich schließlich, nachdem die Rückgabe mehrfach angemahnt wurde, das Album einfach unbearbeitet zurück.

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