Eröffnete ich einen Kosmetiksalon, ich wäre unbedingt darauf bedacht, vor meinen Räumlichkeiten gut sichtbar ein großes Plastikschwein mit Kochmütze und Bierglas aufzustellen. Allerdings täte ich dies nicht in der Hamburger Grindelallee, denn dort ist diese wunderbare Kombination bereits vertreten.
„Kaufen Sie heute noch unsere Sparschäler, Sie werden keine besseren finden.“ Was hier nach Wochenmarkt klingt, waren in Wirklichkeit die ersten Worte, die ich auf der Messe eat’n STYLE, die nach eigenen Angaben „Deutschlands größter Delikatessenmarkt und ein Festival des guten Geschmacks“ sein sollte, am vergangenen Wochenende in Hamburg vernahm. Trotz überragender Schäleigenschaften hielt sich die Begeisterung des Publikums für „Gabrielas Schälblitz“ in Grenzen. Größeres Interesse hingegen galt Kochsternchen sowie Probierhäppchen- und schlückchen.
Das kulinarische Angebot war breit und reichte von Schweizer Schokolade bis zu italienischem Schinken. Sehr erfreulich war die bodenständige Currywurst, die heutzutage beim anspruchsvollen Publikum nur noch an die Frau oder an den Mann zu bringen ist, wenn „Bio“ draufsteht. Hier konnte der Wurstgourmet unter einer Vielzahl von Currymischungen wählen, die von „frisch, blumig mit leicher Vanillenote“ bis hin zu „extrem scharf“ mit drei Ausrufungszeichen reichten. Ich selbst habe mich mit der mittleren Röstung mit harmonischer Schärfe sofort anfreunden können, jedoch reichte danach das Budget nicht mehr, um auch den Burger mit Kobe-Rind zu probieren. Aber eigentlich sind die zotteligen Tiere, die ausschließlich mit Mais, Alfalfa, Gras, Gerste und Mineralien gefüttert werden, auch fast ein bißchen zu schade, um sie zwischen zwei pappigen Brötchenhälften zu verspeisen.
Genauso zart wie überschaubar: Hirschfleisch aus Neuseeland
Die selbst dem schwerpunktmäßig den Bier- und Weinständen zugewandten Messepublikum bekannten Küchenchefs von Tim Mälzer über Sarah Wiener bis hin zu Johann Lafer haben ihre Künste ausschließlich hinter einem schwarzen Vorhang vorgeführt. Da ich TV-bedingt eine vage Vorstellung davon habe, was im sogenannten „Kochtheater“ vor sich geht, habe ich den für diese Vorstellungen verlangten Eintrittspreis in Höhe von 15,- EUR gespart, um mir irgendwann auch einmal ein bis zwei Gramm Kobe-Rind leisten zu können. NDR-Chefkoch Rainer Sass hingegen haute währenddessen für die breite Masse, die sich von alkoholischen Getränken langsam der festen Nahrung zuwandte, ganz unprätentios ein paar große Stücke Fleisch in die Pfanne:
Hält nichts von Portionen, die man mit der Lupe suchen muss: Rainer Sass
Und während Alfons Schuhbeck seine groß angekündigte Autogrammstunde entfallen lässt,
Warten auf Schuhbeck. Weder er noch Godot erschienen jedoch zur angekündigten Autogrammstunde.
beweist Sarah Wiener Medienkompetenz, indem sie ihren Kollegen Rainer Sass geistesgegenwärtig in den Arm nimmt, sobald eine Kamera auf sie gerichtet ist:
Rainer Sass guckt etwas gequält, Sarah Wiener ergreift die Initiative
Insgesamt war dies schon eine etwas ungewöhnliche Mischung aus Lifestyle und Dr. Oetker, die dem interessierten Publikum geboten wurde. Wer allerdings Freude an Fernsehköchen hat und einige Runden auf der Messe gedreht hat, der hat den Gegenwert in Form von Häppchen und Schlückchen schnell wieder herausbekommen, und sich dabei noch prächtig amüsiert. Ich werde wohl im nächsten Jahr nicht mehr hingehen und stattdessen in mein erstes Stück Kobe-Rind investieren.
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Weitere Bilder von der Messe gibt es in meinem flickr-Album. Ein herzliches Dankeschön für die Eintrittskarten geht an Herrn Paulsen vom wunderbaren Foodblog NutriCulinary. Wer gern noch einen weiteren Rückblick zur Messe lesen möchte, der schaue bei Sozialgeschnatter nach.
Adelheid war wieder einmal den Tränen nahe. Schluchzend sagte sie zu ihrem Ehemann: „Es ist so schlimm: erst verstirbt unser treuer Chauffeur, dann geht der Bentley kaputt und nun gibt es nicht einmal mehr in der S-Bahn ein Erste-Klasse-Abteil“. Während seine Gattin den Niedergang des unaufhaltbar verarmenden Landadels, in den sie lediglich eingeheiratet hat, beklagt, umtreiben Eduard ganz andere Sorgen.
Mit letzter Kraft versucht er, das vom Vorstand seines Herrenclubs angestrebte Ausschlussverfahren abzuwenden. Dass ausgerechnet ihm wegen mangelnder Stilsicherheit nach mehr als drei Jahrzehnten der Verbundenheit die Ehrenmitgliedschaft entzogen werden sollte, will ihm nicht einleuchten. Schließlich ist seine neu entfachte Liebe zu Karomustern weitaus stärker als die zu seiner goldschmuckbehängten Frau.
Ein gleichsam effektiver und heimtückischer Weg, unliebsame Nachbarn in den Wahnsinn zu treiben ist, seinen Wecker auf eine Uhrzeit zu stellen, zu der man selbst nicht daheim zu sein gedenkt. Der fortgeschrittene Nachbar verwendet in seiner ganzen Niedertracht hierfür freilich keinen mechanischen Aufziehwecker, den er zuvor auf einem Teller plaziert hat, sondern geht mit der Zeit und benutzt einen lautstarken Digitalwecker mit automatischer Weckwiederholung.
Sollte mein Nachbar allerdings in seiner Schikane so weit gegangen sein, dass er mich gerade nicht nur mit lautstarken akustischen Signalen quält, sondern zugleich auch noch in den Urlaub gefahren sein, so kann er gewiss sein, dass ich zwecks Abstellung der Schallbelästigung geeignete Maßnahmen zum Aufbruch der Wohnung ergreifen werde.
Ich indes bin meinen Mitmenschen wohlgesinnt und hoffe nicht, so weit gehen zu müssen. Daher wünsche ich selbst meinem maliziösen Nachbarn einen angenehmen Urlaub und türschlossschonende kurze Batterielaufzeiten (alternativ, falls der Nachbar lediglich einen tiefen Rausch ausschläft, und darob seinen Wecker überhört, wünsche ich ihm zumindest einen taglang einen angemessenen Kopfschmerz, der ihm eine Lehre sein möge).