Gästeliste


Es handelt sich zwar lediglich um einen reservierten Tisch,
aber irgendwie passt das Bild trotzdem ganz gut.

Gästelisten sind eine gute Sache, besonders wenn der eigene Name darauf steht. Zeigt dies doch, dass man bei einer Veranstaltung ein gerngesehener Gast ist und entbindet es elegant von der Entrichtung des regulären Eintrittspreises. Man nennt am Eingang lediglich seinen Namen, und es wird einem in der Regel kurzerhand komplikationslos Zutritt gewährt.

Angenommen, mein richtiger Name lautete Emil Stockfisch, so empfiehlt es sich, mich unter diesem Namen auf die Liste zu setzen. Alternativ könnte man, so man sich meines tatsächlichen Namens beim besten Willen nicht erinnern kann, auch mein Pseudonym bosch an der Tür hinterlassen. Kompliziert wird es indes, wenn man mich unter der Bezeichnung Emil Bosch auf die Liste setzt. Unter dieser Kombination bin ich nämlich niemandem bekannt – nicht einmal mir selbst. Und ein heiteres Gästelistennamenraten schätzen die Damen und Herren von der Tageskasse, wie ich kürzlich feststellen durfte, überhaupt nicht.

Stolpersteine

Auch auf vermeintlich ebenen Wegen kann man leicht aus dem Gleichgewicht geraten. Schallt einem ausgerechnet in diesem Moment der Schwäche ein eher belustigtes als fürsorgliches „Obacht!“ aus dem Munde eines diese Szenerie genüsslich beobachtenden Mitmenschen, welcher seine klammheimliche Vorfreude über den von ihm erwarteten Fall kaum zu unterdrücken vermag, entgegen, so weiß man nicht, ob man nun, da an dieser doch eher peinlichen Situation nichts mehr zu ändern ist, angesichts der eigenen vermeidbaren Unachtsamkeit oder mit Blick auf die unvermeidbare Niedertracht des anderen verdrießlich sein sollte. Hilfreich und angemessen ist es indes, in derartig mißlichen Situationen möglichst aufrechten Ganges von dannen zu ziehen und die Gewissheit auszustrahlen, dass ein unerwartetes Taumeln auf tatsächlich ebener Strecke das Selbverständlichste auf der Welt sei. Nur bei größtmöglicher Ausstrahlung von Selbstsicherheit kann das wortlose Zurücklassen des vormals schadenfrohen Beobachters, welcher sich selbst nun wiederum ein wie soeben an den Tag gelegtes famoses körperbeherrschendes Gleichgewichtsvermögen wünscht, eine solche Begegnung in einen späten Triumph verwandelt werden.

Dies ist kein Jahresrückblick

Aschenbecher
Foto: Sindre-Wimberger unter (Creative Commons by-sa)

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Was jetzt nicht nur gern auf allen Televisionkanälen ausgestrahlt und in allen Gazetten gedruckt erscheint, sind Jahresrückblicke. Ich möchte mir und meinen Lesern einen solchen aber gern ersparen und will stattdessen in die Zukunft blicken. Was bringt uns 2008? Ja, klar: Schleichwerbungsskandale, gescheiterte Politikerehen, eine Hyperinflation und neue Castingshows. Das kennen wir alle bereits, aber was wird sich im kommenden Jahr wirklich ändern? Richtig, das Rauchverbot in Kneipen, Cafés und Restaurants kommt. Hierzu das folgende kleine Gedicht:

Ich sitze in der Kneipe,
und blick durch Rauch zur Seite.
Gern würd‘ ich eine rauchen,
und nicht bloß immer saufen.

Im nächsten Jahr wird’s lichter,
dann seh ich die Gesichter.
Kein Qualm ist mehr zu riechen,
doch plötzlich: Menschen miefen!

Ein anderer Gestank
verbreitet sich im Land.
Ich rieche nur noch Schweiß
und denk: Was soll der Scheiß?

Es bringt das Rauchverbot
den Nasen andre Not.
Der Wirt, der stinkt nach Bier
der Zoowärter nach Tier.

Der Trinker riecht nach Schnaps,
Der Bauer stinkt nach Raps.
Der Tankwart riecht nach Diesel,
Der Jäger stinkt nach Wiesel.

Wie schön es damals war,
noch im vergangnen Jahr.
Der Duft von Tabakwaren,
er lag in Kleid und Haaren.

Langsam wird mir bewusst,
Nichtrauchen, das macht Frust.
Denn heute stinkt’s viel mehr –
wer ahnte das vorher?

Wie gern zündete ich mir jetzt noch eine letzte Zigarette an, aber ich bin ja Nichtraucher. Stattdessen werde ich mir ein Reimlexikon kaufen, um Assonanzen künftig zu vermeiden. Dann gibt es im kommenden Jahr nicht nur rauchfreie Kneipen, sondern auch reine Reime.

Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern einen geschmeidigen Übergang in das neue Jahr, alles Gute und Rauchfreiheit für 2008.

Viel Lärm um nichts – eine Hammer-Weihnachtsgeschichte

Es war noch früh am Morgen als der Lärm begann, etwa gefühlte sechs Uhr. Tatsächlich war es aber bereits halb neun, als es anfing, im Treppenhaus zu krachen, zu hämmern und zu bohren. Noch leicht umnachtet frug ich mich, ob ein in der Nachbarschaft wirkender Philosoph aus seinem Winterschlaf erwacht sei, um die neue Schule des aktiven Dekonstruktivismus am Beispiel einer Hauswand in die Praxis umzusetzen oder ob einfach nur ein Abbruchunternhemen versehentlich damit beauftragt wurde, unser schönes Haus abzureißen.

Beim Verlassen der Wohnung stelle ich jedoch fest, dass offenbar nichts dergleichen eingetreten ist. Die einzige Veränderung, die ich bemerken kann, ist, dass nun eine Pinnwand im Erdgeschoss des Treppenhauses angebracht wurde. Wie praktisch, denke ich, eine Pinnwand; während gleichzeitig in mir die Frage keimt, welchem Zweck dieselbige wohl dienen mag. Seit nun über sieben Jahren wohne ich in diesem Haus, und noch nie hatten wir so eine Pinnwand. Mir hat eine solche auch nie gefehlt, aber nun hängt sie da, als sei es nie anders gewesen, und ich weiß nicht, warum.

Wird dort demnächst vielleicht die Hausordnung, von deren Existenz ich über sieben Jahre nichts geahnt habe, gut sichtbar für alle potenziellen Störenfriede im Hause ausgehängt? Oder noch schlimmer, vielleicht ein Putzplan für das Treppenhaus?

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