Ostern. Ein Feiertag.

Der Autor dieses Weblogs als Osterei (nach dem Ende der Fastenzeit)

Ostern steht vor der Tür, und da mir selbst nichts Gescheites dazu einfällt, halte ich mich an den bewährten Goethe:

Vor dem Tor

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

(Johann Wolfgang von Goethe, Faust I)

Ich wünsche allen Leser ein schönes Osterfest – mit angenehmen Spaziergängen (und ganz ohne Pudel)!

———-
Das oben abgebildete Osterei symbolisiert den Autor und wurde von lady-kinkling handbemalt. Dafür meinen herzlichen Dank.

Versüßte Baustelle

"Lassen Sie sich unsere Bauarbeiten etwas versüßen."

Die Bahnfahrt zwischen Hamburg und Berlin dauert derzeit aufgrund einer Baustelle etwa eine Stunde länger als gewöhnlich. Die Zugbegleiter teilen daher kostenlos Getränke und Laugenstangen an die Fahrgäste aus – „Inklusivservice“ nennt sich dies im Bahnsprech. Trotz der längeren Fahrtzeit und der inklusivservicebedingten Mehrarbeit ist das Bahn-Team frohen Mutes. Möglicherweise ist dem so, weil ihr Vorstandsvorsitzender, Hartmut Mehdorn, aufgrund einer Datenaffäre seinen Rücktritt bekanntgegeben hat. Pappige Laugenstangen und Mineralwasser aus dem Pappkarton können jedenfalls nicht die Gründe für all die strahlenden Gesichter im ICE 831 sein. Später werden noch ein Paar – genaugenommen zwei winzige – Pralinen gereicht, auf deren Karton steht: „Lassen Sie sich unsere Bauarbeiten etwas versüßen.“

Am Hauptbahnhof der Hauptstadt angekommen, stürzen sich mehrere Kamerateams auf die Zugreisenden, um erste Stellungnahmen zum Rücktritt des Bahnchefs zu erhalten. Die fletschenden Zähne der Journalisten verraten, dass reißerische Statements erwartet werden. Ich kann leider nichts Schlechtes über Mehdorn sagen: Immerhin hat er mir die Bauarbeiten versüßt.

bosch stinkt

BOSCH é bom
BOSCH é b(r?)om

„bosch stinkt“, so könnte man das T-Shirt interpretieren, welches mir heute auf einem silbernen Tablett serviert wurde. Brom ist das chemische Element mit der Ordnungszahl 35, welches nach dem beißenden Geruch seiner Dämpfe (von griech. βρῶμος brômos „Gestank“) benannt ist.

Aber Moment mal, warum sollte man mir ein solches T-Shirt schenken? Die unter meinen Achseln abgenommene Duftprobe lässt mich an der Sinnhaftigkeit des Schriftzuges zweifeln. Ich lasse mir also den Aufdruck erklären: „BOSCH é bom“ soll dort – ganz ohne „r“ – auf dem hellblauen Hemdchen geschrieben stehen, so sagte man mir. Das kommt aus dem Portugiesischen und heißt soviel wie „BOSCH ist gut“.  Ich bin beruhigt – und gerührt ob der Tatsache dass Frederique und Erik, die Betreiber meines Lieblingscafés, sogar in ihrem Urlaub an mich denken und mir aus Lissabon dieses T-Shirt mitgebracht haben (dafür noch einmal 1000 Dank auf diesem Wege).

Ab Mittwoch werde ich in Berlin die Konferenz re:publica’09 nicht nur besuchen, sondern am Donnerstag bei der Twitterlesung auch auf der Bühne sitzen. Erkennen wird man mich auf der Veranstaltung möglicherweise an meinem neuen T-Shirt – allerdings wohl nur an einem der Konferenztage, sonst werde ich dem Element Br olfaktorisch doch zu ähnlich.

Säulen nach Athen tragen

Werbung für gar nichts

Vorbei, die gute alte Zeit der Litfaßsäule; zumindest in Hamburg.

Statt Ankündigungen von Kulturschaffenden auf bewährtem Rundbeton räkeln sich künftig an den bevorzugteren Standorten der Stadt Unterwäschemodelle auf großflächigen, hintergrundbeleuchteten Plakaten, die an „Stadtmöbeln“ mit dem Namen „City-Light-Säule“ befestigt werden. Säulen nach Athen tragen.

Konzertveranstalter, Theatermacher und Gaukler indes dürfen für ihre Veranstaltungen dann auf sogenannten „Kultursäulen“ in zwielichtigeren Ecken der Stadt werben. Perlen vor die Säulen.

boschblog.de
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.