Woher ich eigentlich die Beatles kenne

Früher hatte ich eine Mitbewohnerin, deren Fahrrad George hieß. Um ihre kostbaren Beatles-Schallplatten zu schonen, hat sie alle Alben auf Kassette aufgenommen, und hörte ausschließlich die Kopien ab. Ihre größte Sorge jedoch war, dass künftige Generationen die Musik der Beatles nicht mehr kennen könnten. Zum Glück war ich zum Zeitpunkt unseres Kennenlernens mit dem Schaffen der Liverpooler bereits einigermaßen vertraut – vermutlich eine grundlegende Bedingung für unser späteres Zusammenleben.

Alles begann mit Blumen im Dreck. Ende der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts startete der CD-Player seinen Siegeszug durch die kiefermöblierten Jugendzimmer. Bei einem Freund entdeckte ich zufällig einen Silberling von Paul McCartneys Soloalbum Flowers In The Dirt. Mir gefielen die leichten Popsongs. Einen Schimmer davon, dass der Sänger einst ein Beatle war, hatte ich damals allerdings nicht – schließlich bin ich in einem eher beatlesfernen Elternhaus groß geworden. Kurz darauf erwarb mein Vater Sgt. Pepper’s Loneley Heart’s Club Band – ebenfalls auf CD. Ich habe dieses Album damals rauf und runter gehört, die Musik hat mich ziemlich gepackt. In George Martins feinen Arrangements gab es bei jedem Abspielen, etwas Neues zu erhören. Die Texte ergaben für mich zwar wenig Sinn, jedoch war die Entdeckung der Beatles ein nicht unwesentlicher Anreiz, die englische Sprache etwas besser zu erlernen. Angesichts der großartigen Cover-Kunst des Konzeptalbums kam mir erstmalig der Gedanke, dass Vinyl sicher auch Vorteile habe. Ein Gedanke, der sich aber erst viele Jahre später bestätigen sollte.

Nach und nach erschloss ich mir das gesamte Werk der Pilzköpfe: die Mutter eines anderen Freundes besaß 1967-1970, das sogenannte blaue Album. Es passte genau auf eine 120-Minuten-Kompakt-Kassette – allerdings nur wenn ich die bereits vorhandenen Stücke von Sgt. Pepper’s wegließ. Eine Kopiermühe, die sich gelohnt hat. Auf der Geburtstagsparty dieses Freundes stieß ich jedoch dafür, als auch für meine Vorliebe für immerwährende Erdbeerfelder auf mittelgroßes Unverständnis – angesagt war gerade The Power von einer zu recht längst vergessenen Band namens Snap!.

Detaillierteren Überblick über das Frühschaffen der Vier erlangte ich dank einer zwielichtigen, aus vier CDs bestehenden Kompilation, die von einer Hamburger Kaffeerösterei vertrieben wurde. Please Please Me, With The Beatles, A Hard Day’s Night und Beatles For Sale habe ich daher jahrelang ausschließlich in einer willkürlichen Liedreihenfolge wahrgenommen. Erst eine Recherche in der öffentlichen Stadtbücherei – an Internet war schließlich noch nicht zu denken – brachte mir einen korrekten Aufschluss über die genaue Diskographie. Viel später stellte sich beiläufig heraus, dass ein Großteil meiner Generation über diese Tchibo-Kollektion mit den Beatles in Berührung kam.

Die späteren Aufnahmen der Band habe ich gemeinsam mit meinem damals besten Freund Christian unter seinem Hochbett gehört. Andächtig lauschten wir dem Weißen Album, und dank Vinyl wurde auch das Umdrehen der beiden Platten zu einem kleinen Ritual. Ich glaube, er war damals der einzige Mensch, der meine Vorliebe für John, Paul, Ringo und George wirklich teilte. Wir beide trugen damals komische Wollmäntel von den Dachböden unserer Großväter, spielten Gitarre an Lagerfeuern und hörten Musik, für die sich sonst niemand interessierte. Christian und ich waren auch die einzigen, die Freude am Musikunterricht hatten, als unser damaliger Lehrer verzweifelt versuchte, unserer Klasse die Beatles nahezubringen. Wir waren Freaks und wir wurden dafür belächelt. Aber für uns war das alles vollkommen normal.

Etwas später, während meiner Ausbildungszeit, verbrachte ich viel Zeit bei meiner Tante und meinem Onkel. Deren Musiksammlung war eine Katastrophe. Allerdings fand sich zu meiner Freude Rubber Soul in dem großen Stapel an unbrauchbaren Schallplatten. Wochenlang habe manchmal nichts anderes mehr gehört als Norwegian Wood.

Zwischenzeitlich habe ich die Beatles immer wieder ein wenig aus den Augen verloren. Die Mitbewohnerin ist längst ausgezogen, der Schulfreund verdingt sich als Elektro-DJ auf La Palma und der Musiklehrer ist viel zu früh gestorben. Die Beatles und ich jedoch haben immer wieder zueinander gefunden – und das oft ganz unerwartet: Vor einiger Zeit saß ich in einem Café, in dem Yesterday gespielt wurde. Ein Lied, das ich trotz seiner Popularität immer für verabscheungswürdigen Kitsch gehalten habe. Aber in diesem Moment rührte es mich aus Gründen plötzlich zu Tränen. Vielleicht ist es ihre Vielseitigkeit, die die Beatles ausmacht – sowohl ihre Musik als auch ihre Texte. Ihre Musik begleitet mich überall – auf meinem iPod. Ich bin sicher, die Beatles werden auch künftige Generationen begleiten.

___
Dieser Beitrag ist vor einigen Monaten bereits auf dem wunderbaren Musikblog Jahrgangsgeräusche in der Serie „Woher kennst Du eigentlich die Beatles?“ erschienen. Die Herren drüben freuen sich übrigens nach wie vor über Beiträge zu dieser Artikelreihe.

Gastbeitrag auf jahrgangsgeraeusche.de: Woher ich eigentlich die Beatles kenne

There are places I remember
All my life, though some have changed.
Some forever not for better
Some have gone and some remain.

(Lennon/McCartney, In My Life)

Die Beatles kennt jeder. Aber woher eigentlich?

Früher hatte ich eine Mitbewohnerin, deren Fahrrad George hieß. Um ihre kostbaren Beatles-Schallplatten zu schonen, hat sie alle Alben auf Kassette aufgenommen, und hörte ausschließlich die Kopien ab. Ihre größte Sorge jedoch war, dass künftige Generationen die Musik der Beatles nicht mehr kennen könnten. Zum Glück war ich zum Zeitpunkt unseres Kennenlernens mit dem Schaffen der Liverpooler bereits einigermaßen vertraut – vermutlich eine grundlegende Bedingung für unser späteres Zusammenleben.

Weiter geht es in meinem Gastbeitrag auf Jahrgangsgeräusche, dem Blog für Popkultur und unbedingte Zonen.

Analog ist besser


In einer Gesellschaft,
in der man bunte Uhren trägt,
in einer Gesellschaft wie dieser
bin ich nur im Weg.

Aber Digital ist besser,
Digital ist besser,
Digital ist besser,
für mich.

(Tocotronic)

Vor zwanzig Jahren unter einem Hochbett gesessen: Wir hörten die Beatles, das weiße Album – von Schallplatte. Ich besaß damals bereits einen CD-Player und hielt ihn für überlegen: digitale Technik, perfekte Reproduzierbarkeit, keine Abnutzungserscheinungen.

Ein Irrglaube, denn während sich die ersten Silberlinge vielleicht bald ganz von allein in Luft auflösen, wird Vinyl von Bestand sein.

Manchmal sehne ich mich danach, einen Tonarm behutsam aufzusetzen, eine Platte umzudrehen, nach dem Knistern, der Wärme des Tons und in einer großformatigen Plattenhülle zu blättern. Alles Nostalgie oder Psychoakustik? Mag sein. Aber möglicherweise gibt es Zwischentöne, die sich in Nullen und Einsen nicht ausdrücken lassen.

Gestrandet


Schön ist die Heimat,
so man sie hat.
Schön ist der Hering,
besonders der Brat-.

(Wiglaf Droste)

Vor genau einem Jahr bin ich nach Berlin gegangen; so richtig angekommen bin ich jedoch nie. Etwas ist gegangen, etwas ist gekommen – und ich bin immer noch in der Hauptstadt, die ich eigentlich ja mag. Dennoch fühle ich mich hier gestrandet, obwohl ich weiß, dass es ziemlich egal ist, wo man eigentlich ist.

In einem sozialen Netzwerk gebe ich als Heimat „Herzsprung“ an – ein Ort irgendwo im Nirgendwo an einer Autobahnabfahrt zwischen Hamburg und Berlin und aus den Lautsprechern ertönt „Nowhere Man“ von den Beatles.

In der Tram treffe ich schon wieder eine gute Bekannte. Nachdem wir uns gegenseitig versichern, wie gut es uns ginge, fragt sie mich, ob ich es bereue, hierher gekommen zu sein. Ich verneine, denn anfangs war es sehr schön; diese Zeit möchte ich nicht missen. Nur mein Zaudern bereue ich, aber dafür ist es nun zu spät.

bocoran slot gacor hari ini slot bonus new member 100 didepan situs slot online gacor hari ini situs slot online gacor slot online gacor Link Daftar Situs Slot Deposit Via Dana Situs slot bonus new member 100 persen Slot Online Gacor Hari Ini Di Indonesia RTP Slot Gacor Anti Rungkat Rajanya Judi Slot Online Slot Gacor Deposit via OVO Slot Gacor Deposit via Dana Situs Slot Bonus New Member 100 Di Awal Daftar Situs Judi Slot Online Gacor Pragmatic88 arena slot idn slot pulsa jaringbet slot joker123 deposit pulsa Slot Bonus 100 slot dana slot pulsa Slot Deposit Pulsa slot deposit ovo Slot Online Gacor kakek slot situs judi slot dana Situs Slot Bonus New Member 100 di Depan slot bonus 100 di depan LInk Slot Online Server Singapore LInk Slot Online Server Sydney LInk Slot Online Server Manila LInk Slot Online Server Ukraina LInk Slot Online Server Indonesia LInk Slot Online Server New Zealand LInk Slot Online Server Canada LInk Slot Online Server UK LInk Slot Online Server Vietnam Gala288 Anti Rungkat Situs Slot Online Deposit 10 Ribu Via Dana Terpercaya Situs Slot Online Gacor Hari ini Gampang Menang Maxwin Link Slot Gacor Hari Ini hongkong pools Prediksi Togel pengeluaran sgp live draw hk data hk data sdy live draw sdy Slot Online Deposit Via Dana 10 Ribu kakek slot doolix slot bonus 100 slot server kamboja slot pulsa slot deposit dana slot gacor bonus slot jalatogel layartogel jangkartoto saldobet jaringtoto visitogel desa88 serbubet slot bonus new member