Nach dem Sturm

Regenschirme nach Sturm
Regenschirme nach dem Sturm


 

Don’t know why
There’s no sun up in the sky
Stormy weather
(Harold Arlen)

Stürmisch war es heute wieder einmal in der Freien und Hansestadt Hamburg. Eine Abwrackprämie für Regenschirme hätte heute ohne weiteres das längst ausgestorbene Handwerk des Schirmmachers zu neuem Leben erwecken können. Wäre der Strum ein paar Tage früher gekommen und ein paar Stärken heftiger ausgefallen, er hätte möglicherweise sogar die mittlerweile insolvente Kaufhauskette Karstadt retten können.

Dafür ist es nun zu spät. Das Handwerk des Schirmmachers gibt es längst nicht mehr; müsste ich heute einen neuen Schirm kaufen, ich ginge zu Karstadt. Alle meine Regenschirme habe ich in einer Filiale dieses Warenhauses erworben. Eigentlich habe ich nie etwas anderes bei Karstadt gekauft als Regenschirme. Ich weiß, das war zu wenig, um dieses Unternehmen am Leben zu halten; aber die meisten Dinge, die es dort gibt, brauche ich einfach nicht: Kurzwaren, Teppichklopfer, Modeschmuck und Lampenschirme. Aber einen neuen Regenschirm brauche ich ab und zu – schließlich halten sie nicht allzu lange dem Hamburger Wetter stand.

Karstadt geht, das stürmische Wetter in Hamburg bleibt. Falls ich mal Kinder und Enkelkinder haben sollte – ich weiß nicht, wo sie ihre Regenschirme kaufen sollen. Mein Regenschirm hat den heutigen Sturm überlebt. Trotzdem werde ich gleich morgen einen neuen auf Vorrat kaufen.

HafenCity

HafenCity: 155 Hektar groß, Büros für 40.000 Arbeitsplätze, 5.500 Wohnungen, unzählige rechte Winkel. Die öffentlichen Plätze heißen Magellan-Terrassen, Vasco-da-Gama-Platz und Marco-Polo-Terrassen. Gehetzte Schlipsträger mit Kaffeebechern in der Hand treffen auf Touristen, die busweise angekarrt werden, um eines der größten städtebaulichen Projekte Europas zu bestaunen. Baustellenlärm und -staub; direkt nebenan absolute Sterilität. Stahl und Glas dominieren das Bild, das angepflanzte Grün wirkt wie ein Fremdkörper. Ein Spielplatz ohne Kinder und ein Konzertsaal, dessen Baukosten nicht abzusehen sind, kein Lebensmittelgeschäft weit und breit. Urbanes Wohnen und Arbeiten soll in der HafenCity Hand in Hand gehen. Aber hier leben? Nein Danke.


Weitere Bilder hier.

Alster

Wenn diese kleinen Hunde, auf die man ständig tritt, nicht wären, wenn die zu stark parfümierten Joggerinnen nicht wären, wenn nur diese viel zu langsamen Spaziergängerrenter nicht wären, wenn nur diese unachtsamen Radfahrer nicht wären, wenn nur diese lärmenden Kinder nicht wären und die vielen Segelboote, die mit ihren weißen Segel das Sonnenlicht reflektieren und mich blenden, und diese vielen Ruderer, die von ihren Steuermännern lautstark zu mehr Ruderkraft angespornt werden, und meine Ruhe stören, nicht wären, und die viel zu protzigen Immobilien rings um den aufgestauten Fluss und die vielen Cafés, in denen den ganzen Tag sonnenbebrillte Cabrioletfahrer sitzen und goldenes Bier aus transparenten Glasflaschen trinken, und das Vorland, auf dem die vielen Einweggrillbenutzer vor sich hinbrutzelnd die Luft verpesten, und das viele Wasser, das es einem schwer macht, vom westlichen an östliche Ufer zu gelangen, nicht wäre – ja, dann wäre es eigentlich ganz schön an der Alster.

Meine Alster-Bilder finden sich auf Flickr.

Säulen nach Athen tragen

Werbung für gar nichts

Vorbei, die gute alte Zeit der Litfaßsäule; zumindest in Hamburg.

Statt Ankündigungen von Kulturschaffenden auf bewährtem Rundbeton räkeln sich künftig an den bevorzugteren Standorten der Stadt Unterwäschemodelle auf großflächigen, hintergrundbeleuchteten Plakaten, die an „Stadtmöbeln“ mit dem Namen „City-Light-Säule“ befestigt werden. Säulen nach Athen tragen.

Konzertveranstalter, Theatermacher und Gaukler indes dürfen für ihre Veranstaltungen dann auf sogenannten „Kultursäulen“ in zwielichtigeren Ecken der Stadt werben. Perlen vor die Säulen.

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