Was zu schreiben ist, ist geschrieben.
Herbstberlin
- Beitragsautor Von bosch
- Veröffentlichungsdatum 30. September 2011
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Sich vornehmen, die Nacht über wachen wollen, weil das doch angeblich so gut sei für das Gemüt: Lesen, kurze E-Mails schreiben, unruhig in den Alleen hin und her wandern etc. Schweren Wein trinken und trotzdem lange durchhalten, sich aber um 7 Uhr morgens nicht mehr gegen die aufkommende Müdigkeit wehren können. – Scheitern selbst im Schlaf. Dann beim Erwachen auf die Sonnenuhr blicken und erkennen, dass bereits später Nachmittag ist, und feststellen müssen, dass einem noch ein weiterer südlicherer Tag geschenkt wird. Das Geschenk umgehend an den Absender zurückgeben wollen, aber nicht wissen, an wen.
Kirschen blühen in zartem Rosa und der Himmel erstrahlt in seinem schönsten Blau. Manche spüren jetzt eine Art von Aufbruchstimmung, einige haben sogar Frühlingsgefühle. Aber wir wissen zu gut, dass Dinge, die leicht beginnen, dazu neigen, irgendwann kompliziert zu werden. Selten ist irgendetwas im Laufe der Zeit einfacher geworden. Und ehe man sich versieht, steht der Herbst schon wieder vor der Tür.
Jetzt geht wieder alles von vorne los.
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Tocotronic – Jetzt geht wieder alles von vorne los
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Dies ist ein Beitrag aus meiner Serie “Der Soundtrack meines Lebens”.
Wenn du und das Laub wird älter
und du merkst, die Luft wird kälter
und du fiehlst, daß du bald sterbst
dann is Herbst
(Dieter Hildebrandt)
„Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr“, dichtete Rainer Maria Rilke im Jahre 1902. Und sinnierten wir bis vor kurzem bei diesen Zeilen noch über die Zeit des Überganges zwischen Sommer und Winter, gar die Zeit der Ernte, so weist uns das vor uns auf dem Tisch liegende, welkende Handelsblatt schonungslos auf die fortdauernde Immobilienkrise hin.
Über den Herbst habe ich bereits im vergangenen Jahr alles geschrieben, was zu schreiben ist. In diesem Jahr gibt es darum auch nur einige Bildimpressionen von mir. Falls ich im kommenden Jahr den Chlorophyllabbau in den Blättern noch miterleben sollte, komponiere ich vielleicht eine passende Kantate.