Hausmitteilung: Bloggeburtstag, Nebenblog und wordpress-Update

Liebe Leser,

genau ein Jahr ist nun seit meinem ersten Beitrag in diesem Onlinejournal vergangen. Seitdem habe ich an dieser Stelle 105 Beiträge veröffentlicht, die insgesamt 1097 mal kommentiert wurden. Auch wenn andere Blogger schwächeln: hier wird es wie gewohnt, nämlich mit niedriger Postingfrequenz und etwas höherem Unterhaltungswert, weitergehen.

In den kommenden Tagen werde ich aus technischen Gründen endlich das Update auf wordpress 2.3 nachholen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Mit Blick hierauf wird die Optik von boschblog vorübergehend etwas reduziert erscheinen, aber schon nach kurzer Zeit wieder zu alter Frische zurückkehren.

An dieser Stelle möchte ich auch die Gelegenheit nutzen, um auf mein Nebenblog metabosch – das Blog zum boschblog hinzuweisen. Dort werde ich mich in unregelmäßigen Abständen zu den Themen äußern, die hier keinen Platz finden.

Mit den besten Wünschen für die Adventszeit verbleibe ich

Euer bosch

Utz, Kapitel 1

Utz ist erster Beisitzer im Verein zur Pflege der Schirmmützenkultur Deutschlands e. V. Wie jeden Morgen klingelt auch heute sein sein Radiowecker um exakt 7.23 Uhr und beendet seinen ohnehin nur sehr leichten Schlaf jäh. Die halbe Nacht hatte er davon geträumt, nicht mehr nur Beisitzer im Verein zur Pflege der Schirmmützenkultur Deutschlands e. V. zu sein, sondern ein ganz anderer, viel bedeutenderer Mensch. In seinen nächtlichen Visionen war er plötztlich nicht mehr einfach nur Utz, sondern Tierpfleger im zoologisch-botanischen Garten Wilhelma im Stuttgarter Stadtbezirk Bad Canstatt. Ähnlich wie der vor vielen Jahren für die Aufzucht eines knudeligen Eisbärbabys, an dessen Namen sich heute niemand mehr erinnern kann, zuständige Zooangestellte, gelangte auch Utz zu einer bescheidenen Bekanntheit, welche ihm hin und wieder einen Auftritt im lokalen Bürgerrundfunk bescherte. Als er unsanft erwuch, konnte er sich jedoch nicht einmal mehr an das liebliche Lächeln des von ihm in seinem Traum mit großer Zuneignung aufgezogenen Dönertiers erinnern.

Wie gewöhnlich an Dienstagen, trank er sofort nach dem Aufstehen zwei Gläser Sprite und frühstückte dazu zwei wohltuende Pullmoll aus der grünen Dose, denn die aus der roten Dose mochte er nicht mehr, seitdem er als Kind eine Überdosis nur knapp überlebte. An anderen Werktagen bevorzugt Utz zwei Minzdragées der Marke Tic Tac à zwei Kalorien zu einem Glas 7up. Der Vertrieb dieses Geränks wurde zwar bereits vor einigen Jahren mangels Nachfrage eingestellt, Utz hat sich allerdings von dem Erbe seiner Großtante dritten Grades einen großzügigen Restbestand gesichert. Wie sonst hätte er die Montage und Mittwoche bis Freitage überstehenen sollen, fragte sich Utz, während er insgeheim froh war über das rechtzeitige Ableben seiner Großtante dritten Grades. Seine überschaubare Halbweisenrente und die Aufwandsentschädigung für das Amt des Beisitzers im Verein zur Pflege der Schirmmützenkultur Deutschlands e. V. hätten nicht ausgereicht, um die 7up-Dosis bis an das Ende seiner Tage zu gewährleisten.

An Wochenende leistet sich Utz meist ein Brötchen. Wenn er mit seiner kleinen Brötchentüte vom SB-Bäcker seines Vertrauens in seine kalte, dunkle und an den Wänden leicht feuchte Behausung am Rande der Stadt zurückkehrt, fühlt er sich oft sehr einsam. Zu gern würde er sich dann bei Bauer sucht Frau bewerben, um auch einmal eine mit zwei Rundstücken prallvoll befüllte Brötchentüte nach Hause tragen zu können, aber Utz ist weder Bauer noch Frau.

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Anmerkung des Verfassers: Was soll das alles? Das weiß ich auch nicht – aber es war wieder an der Zeit, hier einen Beitrag zu veröffentlichen. Eine Fortsetzung folgt, falls mir wieder einmal nichts besseres einfallen sollte und/oder dies von den Lesern dieses Onlinejournals gewünscht ist.

Nikolausvergessen

NikolausHeute ist Nikolaustag und gestern habe ich ihn vergessen. Obwohl alle Blumen-, Süßwaren- und Nanu-Nana-Läden seit Tagen auf dieses vorweihnachtliche Kleinkonsumfest hinweisen, habe ich aufgrund grober Nachlässigkeit versäumt, anlässlich des kurzen Vorbeischneiens des weißbärtigen Mannes mit dem roten Mäntelchen eine kleine Aufmerksamkeit in einem Stiefel der Größe 39 zu plazieren.

Asche auf mein Haupt, aber bitte trotzdem Schokolade in meinen ungeputzten Stiefel. Es wäre so einfach gewesen, an das Nikolausfest zu denken – schließlich wunderte ich mich gestern ausführlich über das am Folgetag zu öffenende übermäßig großformatige Türchen in meinem Adventskalender, das bereits ein besonderes Ereignis anzukündigen schien. Manchmal bin ich ein wenig unsensibel. Umso mehr erfreute ich mich daran, die in feine Täfelchen gepresste Kakaomasse rechtzeitig vor dem vollständigen Einführen meines Fußes in das Schuhwerk bemerkt zu haben.

Für das nächste Jahr habe ich den Nikolaustag bereits in meinem Kalender notiert.

Immerwährende Themen

Weihnachtsmarkt
Photo: adactio

Regionalzeitungsredakteur müsste man sein. Dann gingen einem die Themen niemals aus, selbst wenn man nicht in Berlin, Hamburg oder München tätig ist, sondern in Castrop-Rauxel oder Buxtehude schafft. Ein Blick auf das Kalenderblatt, ein zweiter auf das Thermometer und schon sind auskömmliche Auflagenzahlen garantiert.

So wie jetzt, Anfang Dezember, wenn sich alle Jahre wieder nicht nur die Türen der Adventskalender öffnen, sondern auch die zahllosen Weihnachtsmarktsbudenbetreiber hektoliterweise minderwertige Weinerzeugnisse mit geheimnisvollen Gewürzmischungen versetzen, und diese dann so stark erhitzen, bis kaum noch ein Konsument dieses Gebräus bemerkt, wie unerbittlich dieser gaumenbeleidigende Brauch die letzten verbliebenen Geschmacksnerven abtötet. Einzig für die Lokalpresse ist dies ein Grund zur Freude. Seitenweise Berichterstattung über die angeblich besten Weihnachtsmärkte der Stadt lassen regionale Postillen wie von Geisterhand auf einen beachtlichen Umfang anschwellen und die Kassen der Zeitungsverlage süß wie selten klingeln. Blatt für Blatt strahlen uns in der besinnlichen Vorweihnachtszeit die sichtlich angeheiterten Arbeitskollegen Hans (35) und Franz (37) an und teilen uns nicht nur mit, wo es den ihrer Meinung nach schmackhaftesten Glühwein gibt, sondern auch, auf welchem der Budendörfer sich am einfachsten Damenbekanntschaften schließen lassen. Dem wollen natürlich die BWL-studierenden Freundinnen Ina (19), Nina (21) und Bettina (22), welche allesamt mit lustig blinkenden Weihnachtsmannmützen verziert sind, in nichts nachstehen und empfehlen uns ungefragt einen ganz anderen „Glühmarkt“, auf dem immer „so eine tolle ausgelassene Atmosphäre ist“. Dann folgen mit weiteren „heißen Tipps“ noch ein frischverliebtes Pärchen, ein lustiger Kegelklub und ein Landfrauenverein aus dem Umland – für jeden Geschmack gibt es den passenden Weihnachtsmarkt, obwohl sich die Märkte, abgesehen von unterschiedlichen Standorten, für den nüchternen Betrachter durch nichts unterscheiden wollen. weiterlesen