Post an Wagner: Jetzt wird zurückgeschrieben

BILD, 7. November 2011

Lieber Franz Josef Wagner,

auch Sie haben alles falsch gemacht. Vielleicht wäre es für die BILD leichter, einen Nachfolger zu finden, wenn Sie die Merkmale vorgerückten Alters aufwiesen.

Falsche Themen setzten, irre Thesen aufstellten. Briefe voller Rechtschreibfehler schrieben.

Ihr Brief an Thomas Gottschalk ist der beste, den ich seit langem las. Es waren Zeilen der Liebe, wie sie Paul Celan an Ingeborg Bachmann nicht schöner hätte formulieren können.

Sie haben die Gabe, uns mit Ihren Worten zu fesseln. Ich glaube nicht, dass es einen zweiten Wagner geben wird. Es gibt auch keinen zweiten Goethe, zweiten Schiller.

Martenstein sagte ab, weil er klug ist. Weil Sie klug sind.

Die BILD wird ein leeres Blatt ein leeres Blatt sein. Niemand schreibt mehr Briefe.

Das Blatt ist leer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass auf diesen Seiten Rowohlt, Hacke, Moreno, Sonneborn schreiben werden.

Wenn Sie einmal nicht mehr schreiben werden, ist die BILD für mich gestorben.

Herzlichst,

bosch

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Franz Josef Wagner schreibt täglich Briefe. Nun soll er auch einmal Post erhalten.

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Himmel

Himmel

Man darf sich von dem blauen Himmel mit seinen Wölkchen nicht täuschen lassen. Nicht dass man immerzu ganz tief in sämtliche Abgründe schauen müsste, aber wir haben immer noch Herbst.

Schalter

Lichtschalter

Obschon man sich der Konsequenzen nicht vollends bewusst ist, möchte man manchmal einfach den Schalter umgelegt wissen. Imponderabilitäten ist auch so ein Wort, das keiner kennt, das aber auch nicht in jedem Wortschatz zwingend vorhanden sein muss. Unwägbarkeiten klingt schließlich ausreichend beängstigend und beschreibt das Gemeinte exakt.

Während der Pessimist vehement die Ansicht vertritt, dass es nicht mehr schlimmer ginge, wird der Optimist nicht müde, ihm ein „Doch“ entgegenzuhauchen. Wenn das alles nicht mehr auszuhalten ist, haben wir zwei Möglichkeiten. Erstens: Wir warten darauf, was eintritt, wenn jemand den Schalter umlegt. Zweitens: Wir legen den Schalter selbsttätig um. Was dann passiert, passiert dann …

ÖPNV-Kalamitäten

Kaktus

Der Busfahrer ist ein untersetzter junger Mann. Er trägt eine weinrote Filzkrawatte und hat einen zauseligen Kinnbart. Vergeblich wartend steht er an der Tram-Haltestelle und telefoniert mit der Leitstelle der Straßenbahn. Laut und deutlich erwähnt er dabei mehrfach die ihn eindeutig identifizierende Dienstnummer. Die Tram kommt nicht, was den Busfahrer erbost, weil er deshalb seinen Bus nicht rechtzeitig übernehmen kann. Später, in der sehr verspäteten Bahn sitzend, telefoniert er mit seiner eigenen Leitstelle. Wieder nennt er zuerst laut und deutlich seine Dienstnummer und entschuldigt sein offenbar wiederholtes Zuspätkommen. „Das Leben hat mich gefickt“, murmelt er in das Telefon. „Meine Alte poppt fremd und ich habe seit zwei Tagen nicht geschlafen.“ Dann erzählt er von Sekundenschlaf im Dienst und übermäßigem Kaffeekonsum und dass er sein Auto zu Schrott gefahren habe. Zusammengesackt sitzt er da, kein Häufchen Elend, sondern eher ein Achttausender. Man möchte nicht mit ihm tauschen.

Anschließend in der S-Bahn unterhalten sich zwei Studentinnen der Humanmedizin im Praktischen Jahr. Beide befassen sich gerade mit onkologischer Chirurgie. Entzückt erzählen sie einander ihre schönsten Karzinomausräumgeschichten. Dabei kichern sie. Man möchte nicht bei ihnen auf dem OP-Tisch liegen.

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