Bördelgeschichte

Gibt es Geschichten, die niemanden interessieren? Keine Angst, dies ist nicht eine solche, sondern lediglich eine Geschichte über Geschichten, die niemanden interessieren.

Ein Freund hatte in seiner Jugend einen Nachbarn. Dieser Nachbar war seines Zeichens Diplom-Ingenieur. Das Berufsbild des Ingenieurs ist bekanntlich gekennzeichnet durch die systematische Aneignung, Beherrschung und Anwendung von wissenschaftlich-theoretisch fundierten und empirisch gesicherten technischen Erkenntnissen und Methoden, wovon sich mein Freund eines Tages völlig unvermittelt überzeugen lassen musste, als er seinen Nachbarn zufällig auf der Straße traf. Die für ihn günstige Gelegenheit packte der technische Gelehrte spornstreichs beim Schopfe, um meinem Freund ausführlichst einen Überblick über sein Fachgebiet, die hohe Kunst des Bördelns, zu geben.

Vereinfacht dargestellt bezeichnet man als Bördeln das rechtwinklige Aufbiegen des Randes ovaler oder runder Bleche unter Zuhilfenahme einer Bördelmaschine oder von Hand. Der Ingenieur wäre nun kein Ingenieur, könnte er diese Erkenntnis für jedermann klar verständlich in zwei bis drei kurzen Sätzen abhandeln.

Montagscafé

Heute ist Dienstag. Dienstage sind ganz okay, jedenfalls besser als Montage. Montage taugen nicht viel. Beenden sie doch stets viel zu kurze Wochenenden und führen einen zurück in die unvermeidliche Konfrontation mit den Unzulänglichkeiten des Alltags. Aber weder das zu früh und zu lautstark ertönende Klingelgeräusch des Weckers noch überfüllte öffentliche Verkehrsmittel, in denen transpirierende Menschen dicht an dicht gedrängt befördert werden, oder gar die Absurditäten des Arbeitslebens sind das Schlimmste am Beginn der Woche. Das Schlimmste an Montagen ist, dass mein Stammcafé seinen wöchentlichen Ruhetag einlegt.


Café du passage, montags leider geschlossen

Ausgerechnet am Montag, der sich bekanntlich viel angenehmer als verlängertes Wochenende genießen ließe, ist das geschätzte Café du passage geschlossen. Nicht dass ich den Besitzern sowie dem freundlichen Personal einen wohlverdienten Ruhetag nicht gönnte, haben sie ihn sich doch durch den engagierte Betrieb der charmanten Großstadtoase redlich verdient. Es ist vielmehr so, dass mir der Entzug nicht bekommt.

0815-Blogeintrag

Kürzlich bezeichnete ein anonymer Kritiker dieses Onlinejournal als ein 0815-Blog. Dies ist natürlich vollkommen berechtigt. Natürlich handelt es sich bei dieser internetbasierten Publikation um nichts Außergewöhnliches und trotzdem hat sie sich auf unerklärliche Weise bewährt – zumindest in einem überschaubaren Kreis meist wohlgesinnter Leserinnen und Leser.

Um meinem Ruf gerecht zu werden, erlaube ich mir, natürlich wie immer vollkommen befreit von jedweder Notwendigkeit, kurz auf drei relativ unbedeutende Begebenheiten des heutigen Tages einzugehen, die trotz ihrer Nichtigkeit in der Lage waren, meinen im Ansatz vorhandenen Glauben an den gesunden Menschenverstand zumindest vorübergehend ein kleines Stückchen erschüttern zu lassen.

Pritt-Stift

1) Vor der Tür der Filiale eines in Gütersloh ansässigen Buchclubs steht eine junge Dame und grüßt mich mit einer Freundlichkeit, als hätten wir bereits in der Sandkiste Brüderschaft getrunken. In ihren Händen hält sie einen Plastikeimer, in dem sich Lotterielose befinden. Sie erklärt mir, dass heute mein Glückstag sei, denn jedes Los gewönne. Etwas misstrauisch ziehe ich einen Zettel mit dem Aufdruck „418“ und lasse mich in das Ladengeschäft leiten. Hier nimmt mich eine etwas ältere Dame in Empfang und versucht mir, ohne mich zu begrüßen, etwas zu bestimmt mit den Vorteilen des Clubs vertraut zu machen. Nur mit Mühe kann ich sie davon abhalten, mir das bestens bekannte Prinzip dieser Unternehmung in aller Ausführlichkeit zu verdeutlichen und überreiche ihr erwartungsvoll mein Los.

Optikerbrille

Optikerbrille

Brillen sind an sich eine gute Sache. Helfen sie dem Sehschwachen nicht nur, seine Fehlsichtigkeit zu korrigieren und so seine Lebensqualität nachhaltig zu erhöhen, sondern können zudem auch als modisches Accessoire die Persönlichkeit ihres Trägers vorteilhaft unterstreichen. Dies natürlich nur, so der Träger auch nur den Ansatz einer Persönlichkeit besitzt. Ohne näher in die Psychologie der Wahl der künstlichen Sehhilfen einsteigen zu wollen, sei an dieser Stelle kurz angemerkt, dass es sicher einen Grund hat, dass Guido Westerwelle, seines Zeichens Vorsitzender einer sich selbst als liberal bezeichnenden Partei, seit Jahren ausschließlich konturlosen Modelle bevorzugt.

Das exakte Gegenteil des blau-gelben Parteivorsitzenden ist, möglicherweise nicht unbedingt hinsichtlich der Vorstellungen von einer gelungenen Unternehmenssteuerreform, sondern eher brillenmodisch betrachtet, der selbständige Optikermeister.

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