Wohne Orte #16

Stiller Raum

„Die Welt dreht sich weiter für dich und für mich.
Nur, wo heute Nacht und Schatten sind,
war gestern noch Licht.“

(Rio Reiser, Stiller Raum)

Ein S-Bahnhof im Nordwesten Berlins. An einem Sonntag im Januar stehe ich hier und warte: Es ist sehr kalt, aber ich friere nicht. Wie so oft in diesen Tagen kommt es „witterungsbedingt“ zu Zugausfällen. Gleich werden wir zum ersten Mal gemeinsam einen Tatort schauen. Die Bahn kommt nicht und ich nehme ein Taxi. Ihr werde ich sagen, dass ich die Leiche nicht verpassen wollte, aber vor allem wollte ich schnell zu ihr. Nach dem Tatort gehe ich nach Hause. Irgendwann muss man schließlich schlafen.

Es folgen: viele Tatorte, großes Glück und Fehler, die ich nicht wieder gutmachen kann.

An einem Sonntag im Dezember stehe ich wieder am selben Bahnhof und warte: In den Ohren ein Lied, dessen Text man in stärkeren Stunden leicht als Kitsch abtun könnte, doch das wird ihm nicht gerecht. Kein anderes vermag es, diesen Moment besser einzufangen als Rio Reisers „Stiller Raum“. So einfach, so schön, so traurig. Mein Zug kommt nicht. Es ist kalt, ich friere.

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Rio ReiserStiller Raum

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Dies ist ein Beitrag aus meiner Serie “Der Soundtrack meines Lebens”. Weitere Beiträge dazu finden sich hier.

Kurt Tucholsky: Das Ideal

„Jedes Glück hat einen kleinen Stich.
Wir möchten so viel: Haben. Sein. Und gelten.
Daß einer alles hat:
das ist selten.“
(Kurt Tucholsky, Das Ideal)

Wir hören Kurt Tucholskys Gedicht „Das Ideal“ in einer schönen Rezitation von Harry Rowohlt.

Heute vor 75 Jahren starb Tucholsky kurz vor seinem 46. Geburtstag, in einem Göteborger Krankenhaus. Bis heute ist ungeklärt, ob er sich durch einen beabsichtigten oder zufälligen Selbstmord um sein Leben brachte. Mehr über ihn, Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel gibt es in Friedhelm Greis wunderbaren Sudelblog.

Sportforum Hohenschönhausen

Sportforum Hohenschönhausen, Bezirk Lichtenberg. Das Gelände ist 55 Hektar groß; wenn man hier an einem Wochenendtag spazieren geht, bekommt man einen Eindruck davon, was Tristesse bedeutet. An diesem Ort denkt man zwangsläufig weniger an feierlichen Eröffnungsveranstaltungen der Olympischen Spiele, sondern eher an die Verabreichung von illegalen Substanzen zur Leistungssteigerung.

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