Jetzt ganz neu: Café to go

Leicht ist es, mit Blick auf die sich unaufhaltsam ausbreitenden Coffee-Ketten,  den  Untergang der Kaffeehauskultur zu proklamieren. Welch zivilisierter Mensch sitzt nicht lieber im Café seines Vertrauens und trinkt seinen Cappuccino aus einer echten Tasse? Stattdessen finden wir an nahezu jeder Straßenecke einer jeden größeren Stadt die Niederlassung eines Bohnenkonzerns, der entweder nach einer Figur aus einem Walfängerroman oder einem französischen Dichter des 19. Jahrhunderts benannt ist. Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit bildet hier der Verkauf von Schnickschnacklattemacchiatos mit Sojamilch und Karamelgeschmack mit halber Fettdosis – am besten alles im Pappbecher zum Mitnehmen.

Abgesehen davon, dass der Kaffee aus der Kaffeebarkette geschmacklich häufig keinen Hochgenuss darstellt, ist, was auf den ersten Blick so praktisch erscheint, in Wirklichkeit kein Vergnügen: Der  Pappbecher ist zumeist so dünn, dass man ihn aufgrund des zu stark erhitzten Inhalts kaum anfassen kann, der aufgesetzte Deckel macht den Kaffeetrinker entweder zu einem alten Kind, das noch, oder zu einem jungen Greis, der schon aus der Schnabeltasse trinkt. Entfernt man den entwürdigenden Deckel, so rächt sich das physikalische Gesetz der Trägheit der Masse – und der Inhalt schwappt über.

All das ist selbstverständlich nicht neu, und ich will daher an dieser Stelle nicht weiter auf das bekannte Klagelied einstimmen. Stattdessen blicke ich nach vorn: Coffee to go war gestern – was kommt, ist das Café to go.  Noch hat sich diese Welle nicht durchgesetzt, aber schon bald werden wir nie wieder in einer fremden Stadt auf das vertraute Café mit dem hervorragenden Cappuccino, den leckeren hausgemachten Tartes, Kuchen und Quiches, der freundlichen Bedienung, der bewährten Auswahl an Tageszeitungen, der gepflegten Musik im Hintergrund  und den bekannten Gästen verzichten müssen. Das Lieblingscafé ist einfach immer dabei – ein Hoch auf das Café to go.

Glutamat

 

Der Reis köchelt stundenlang vor sich hin, die Currygerichte sind nicht nur fad gewürzt, sondern auch noch fettig. Die Hauptzutat aller Speisen ist Glutamat.

Das Ladenlokal ist leer, noch. Den Blick ins Innere verhindern provisorisch in die Scheiben geklebte Bilder des Taj Mahals sowie Bilder von der Speisekarte – vermutlich die Nummern 11 und 37 (appetitlich angerichtet, ein Meisterwerk des Fooddesigns) – und noch einmal das Taj Mahal. An der Tür klebt ein Schild, das verrät: „Hier eröffnet demnächst ein indisches Fastfood-Restaurant.“

Zuvor befand sich in diesen Räumlichkeiten die Filiale einer amerikanischen Burgerbräterei. Früher gab es hier Geschmacksverstärker mit Rind, bald gibt es Geschmacksverstärker ohne Rind. Jeder geschlossene McDonald’s ist ein guter McDonald’s, denke ich im Vorübergehen. Bald kommt der Inder: Glutamat, Glutamat, Glutamat – ich liebe es.

Twitterlesung III – und es war gut


Foto: @moeffju

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Twitteratur liegt hinter uns: Schöner als jeder blickt @mspro an dieser Stelle auf den wunderbaren Abend in der Hamburger Botschaft zurück. Ein Mitschnitt in Bild und Ton findet sich ebenfalls im weltweiten Netz, Bilder gibt es auf Flickr.

Mein Dank gilt allen, die zum Gelingen beigetragen haben: Hamburg@work für das freundliche Sponsoring, Niels von der Hamburger Botschaft, der uns trotz Erkältung und Handball im TV den für uns frisch renovierten Raum bestuhlt und uns kühles Bier ausgeschenkt hat, @svensonsan und @jovelstefan für die gewissenhafte Kassenführung sowie letzterem auch für die Bedienung der Videokamera, @moeffju für die super Photos, meinen Kollegen von Twitkrit, allen Gästen – und natürlich allen Twitterern, deren Tweets wir lesen durften.

Wer noch immer nicht genug hat, kann sich hier die Blogberichte zur Lesung ansehen und hier die Tweets über die Lesung. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Warenwelten #6: Mein Freund, der Hund


Kapuzenmann vor Bekleidungsgeschäft, Hamburg-Sternschanze

Dauerwellen, Leggings, Schulterpolster und Lederkrawatten – alle sind zu recht in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ausgestorben. Dergleichen hätte ich mir auch für übersättigte Farbtöne in pink, violett und türkis gewünscht.

Seitdem eine gewisse amerikanische Bekleidungskette auch hierzulande Fuß gefasst hat, sind auch die Kolorationen meiner Achtziger-Jahre-Alpträume zurück in das Leben gekehrt. Stets, wenn ich an einem dieser Geschäfte vorbeiziehe, wird mir bewusst, dass die von dem Unternehmen gelebten Tugenden Umweltbewusstsein und Sozialverträglichkeit zwar ganz schön, aber eben auch nicht alles sind. Vielmehr irritiert mich regelmäßig, dass die EU-Bürokratie dieses Unternehmen noch nicht zur Anbringung von Schildern, die vor Augenkrebs warnen, verpflichtet hat.

Erst heute dachte ich wieder daran, wie schön es wäre, ein Hund zu sein, war ich doch bis eben dem Trugschluss aufgesessen, dass dieser Säugetierart ausschließlich schwarzweiß zu sehen vermag. Als Hund könnte man einen Besuch bei American Apparel schadlos überstehen. Ein Trugschluss, wie mich soeben ein Blick in eine bekannte Onlineenzyklopädie lehrte: Das Raubtier aus der Überfamilie der Hundeartigen vermag – eine ausreichende Beleuchtung vorausgesetzt – nämlich sehr wohl Farben zu sehen. Das ist zwar in den meisten Fällen gut für das Tier, nicht jedoch, falls Herrchen oder Frauchen eine Vorliebe für vorerwähnte Bekleidungskette pflegen. Lediglich über eine Rot-Grün-Sehschwäche verfügt der Vierbeiner, was ihn vermutlich nicht vollständig vor American Apparel zu schützen vermag.

Ich bin zwar kein ausgesprochener Hundefreund; vielmehr finde ich, dass Hunde in der Stadt nichts verloren haben. Aber sobald ich jemanden entdecke, der seinen Canis lupus familiaris vor einer AA-Filiale anleint, werde ich den Tierschutzverein benachrichtigen – getreu dem Motto: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“. So kann es eines Tages doch noch kommen, was ich nicht für möglich gehalten hätte: Der Hund wird zum besten Freund des Menschen, in diesem Falle zu meinem. Solange Dauerwellen, Leggings, Schulterpolster und Lederkrawatten nicht zurückkehren, soll mir dies recht sein.

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