Königlicher Grill

Was uns als Größenwahn erscheint,
ist nicht immer eine Geisteskrankheit.
Oft genug ist es nur die Maske eines Menschen,
der an sich verzweifelt.

(Arthur Schnitzler)

Königlicher Grill, Champagner als Aperitif, Berliner Größenwahn als Hauptgang. Dazu zartes Fleisch, Streichholzkartoffeln und Wein. „Capitalism kills love“ blinkt in großen Lettern an der Außenwand und es ist nicht einmal ironisch gemeint. Gut sichtbar am Eingang plaziert sitzen Stuckrad und Ulmen. Letzterer besucht auffällig oft die Toilette und geht dorthin stets eine auslandende Runde durch das gesamte Lokal. Gesehen werden und gesehen werden. Der Gedanke, dass sie dafür bezahlt werden. Das Schöne an Klischees ist, dass sie meistens stimmen. Wo ist eigentlich Uslar? Zum Abgang das Herrengedeck „Deutschboden“: Ein Buch, ein Bier, ein Korn. Eigentlich will man das alles hier ablehnen, aber dafür ist es leider zu gut.

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Dieser Abend fand mit freundlicher Unterstützung von compuccino statt. Danke.

Exklusives PR-Event

Auf zwei Dinge fällt man im Leben immer wieder herein: Auf das Konzept der romantischen Liebe und auf Einladungen zu interessant klingenden PR-Veranstaltungen.

Die Kulisse über den Dächern der Hauptstadt ist gut gewählt. Anlässlich der Eröffnung einer Verkaufsplattform für elektronische Bücher eines Telekommunikationsunternehmens lesen ein Musikfernsehen-Moderator und ein Schauspieler einen Groschenkrimi von einem tragbaren Flachcomputer ab. Davor (zu Blitz und Donner) und in der Pause (im unzureichend klimatisierten Raum) spielen grobschlächtig wirkende, großflächig tätowierte Männer aus einem heruntergekommen Randbezirk akustischen Kuschelrock mit deutschsprachigen Texten.

Ich kenne niemanden, vermute jedoch einen hohen Anteil an Seifenoperndarstellern unter den exklusiv geladenen Gästen, und wundere mich ein wenig darüber, wie ich auf diese Art von Einladungsliste geraten bin. Eine Dame neben mir erzählt, dass sie Roland Emmerich kenne, während die andere übermäßig reichlich Lipgloss aufträgt. Es gibt gar nichts zu essen, aber dafür anfangs auch nur wenig zu trinken. Erst später entdecke ich die Bar, was den Getränkefluss erfreulich beschleunigt. Ein Buffet wäre Verschwendung, denke ich, da die meisten hier ohnehin niemals freiwillig feste Nahrung zu sich zu nehmen scheinen. Nur selten komme ich mit jemandem ins Gespräch, wobei die Frage „Und in welcher Vorabendserie spielst du so mit?“ meine Popularität auf diesem Event nicht nachhaltig zu steigern vermag.

Meistens verpasst man nichts, wenn man nicht dabei ist. Also meistens im Sinne von immer.