Mischbrot

Dienstag nach dem Feiertag. Morgens beim Bäcker vor mir zwei asiatische Touristen. Offenkundig fehlt ihnen zur Artikulation ihres Bestellwunsches das erforderliche Backwarenfachvokabular. Hilflos zeigen sie auf Schrippen, Croissants etc. Es sind heute einmal nicht die Reisenden, die nerven, sondern es ist die unnötige Pampigkeit der Bäckereifachverkäuferin, die ratlos mit den Schultern zuckt und hektisch mit ihren Händen herumfuchtelt. Ich blicke auf ihre Fingernägel und frage mich, warum es bei all dem Regulierungswahn in diesem Lande noch kein Verbot für aufgeklebte Kunstnägel mit Glitzersteinchen gibt, und je länger ich warte, desto mehr vergeht mir der Appetit. Als ich an der Reihe bin, sage ich nur „Mischbrot“, und lege das Geld passend abgezählt auf die Verkaufstheke. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt fühlt sich der Dienstag wie ein Montag an.

Wörter Schaf Schnitt

Schaf

Sich jahrelang wundern, dass gewisse Menschen eisern darauf drängen, Interviews autorisieren zu wollen, obwohl diese ja nur das wiedergeben, was der Interviewte gesagt hat. Dann aber angesichts der TV-Ausstrahlung eines Kurzportraits trotz Erfahrung im Umgang mit Medien einsehen müssen, dass dieser zuvor als Unart abgetane Kontrollzwang durchaus seine Berechtigung hat. Wenn aus einem über zweistündigen Gespräch alle halbwegs geraden Sätze herausgeschnitten werden und man plötzlich als Schaf dasteht, ist es ein schwacher Trost, wenn das Fräulein und andere sagen, man sei „knuffig“. So etwas soll mir nicht wieder passieren. Schnitt.

Erdmöbel – Retrospektive-Tour

Erdmöbel

Erdmöbel im Lido, Berlin, 30.09.2011

Wie schon im Vorjahr die Tour in Berlin starten. Nach 16 Jahren zurückblicken, aber trotzdem keine Routine aufkommen lassen. Vor dem Konzert noch immer ein bißchen aufgeregt im Backstageraum auf und ab gehen und dabei Cola trinken, während im Saal das Vorprogramm läuft. Retrospektive-Tour: 18 alte Lieder und ein neues. Dreierbahn fahren und Songs spielen, die in einer besseren Welt alle Hits geworden wären. Jippie! Zwei Stunden mit Schiffsschaukelbremsern, Polarlicht von Palermo, Russischbrot und Küsse. Alles hineinlegen in die Musik, alles hineinlegen in den Text. Die Worte bleiben oft rätselhaft, das dem Best-of-Album beigelegte Textbuch bereitet Freude. Zugabe, Zugabe, Zugabe. „Es klopft und niemand da, außer der ganzen Welt. Ich geh aus dem Zimmer, abgeholt und nicht bestellt.“ Die Krähen. Dann Platten signieren, Instrumente und Verstärker in den Tourbus tragen. Ein paar Freunde fassen mit an, damit es schneller geht, dann Bier trinken. Morgen weiterfahren etc.

Danke.