Der Pömpel in seinem natürlichen Umfeld

Pömpel

Berlin-Friedrichshain, 18. Mai 2010, 19 Uhr 53: ein schon etwas schummriger Abend, ein Wohnhaus mit einem unwirtlichen Betonvorgarten und zwei, ja was eigentlich? Pylonen, Lübecker Hütchen, Sicherheitsverkehrskegel, Haberkornhütchen, Molankegel oder Verkehrsstöggel?

Die Eskimos haben sicher über 1000 Wörter für dieses Ding, womit es sprachwissenschaftlich quasi so etwas wie das Gegenteil des „Warentrenners“ oder des „Gegenteils von Durst“, wofür seit Jahren verzweifelt nach einer griffigen Bezeichnung gesucht wird, wäre. Ich nannte sie einfach Pömpel. Auf Flickr entbrannte daraufhin sofort eine große Diskussion um die korrekte Namensgebung.

Das Wort „Pömpel“ entstammt der norddeutschen Sprache und bezeichnet u. a. einen Straßenpoller. Somit ist der in §43 der Straßenverkehrsordnung (StVO), Zeichen 610, korrekt als Verkehrsleitkegel bezeichnete Gegenstand nichts weiter als ein mobiler Pömpel. Vor diesem Hintergrund macht sich das obige Foto auch bestens in einer meiner Lieblingsgruppen auf Flickr: „Der Pömpel in seinem natürlichen Umfeld“.


Nachtrag: Hier gibt es zwei weitere Glanzstücke aus meinem fotografischen Pömpelportfolio …

Rufus Wainwright – All Days Are Nights: Songs For Lulu

Rufus
Public-YouTube-Viewing aka CD-Präsentation im "Kulturkaufhaus" Dussmann

Wie so oft beginnt der Tag unter der Dusche. Ein regionaler Radiosender verkündet: „Rufus Wainwright spielt heute Lieder von seinem neuen Album. Es kostet nichts, kommt alle!“ Man hätte ahnen können, dass ein so genanntes Kulturkaufhaus kein guter Ort für den Meister ist, um sein neues Album „All Days Are Nights: Songs For Lulu“ zu präsentieren.

„KulturBühne an der Sphinx“ ließ zwar Großes verheißen, letzendlich handelte es sich nur um das lichtarme Atrium eines Siebzigerjahrezweckbaus. Kühles Licht, funktionale Bodenbefliesung und Hydrokulturen, wenig Sauerstoff. Nicht einmal alle sind gekommen – und trotzdem war es zu voll. Zwei Etagen: unten, wo sich die Bühne befand, nur eine handvoll Zuschauer und noch reichlich Raum. Sicherheitsleute, deren Charme an Mauerschützenprozesse denken ließ, versperrten jedoch den Weg zum Geschehen. Die oben Gebliebenen standen sich gegenseitig auf den Füßen, um einen Blick auf die kleine Leinwand zu erhaschen, auf der das seitens des Moderators zuweilen unmotivierte Vorgespräch und das kurze Stelldichein am Piano mit Rufus übertragen wurde. Das versprochene Liveerlebnis wurde zum Public-YouTube-Viewing. Mehrere Teenager langweilten sich gepflegt auf einem Sofa, ein Kleinkind schrie. Sie schienen sich nicht sonderlich für vertonte Shakespeare-Sonette zu interessieren.

Zu hören war fast genau so wenig wie zu sehen. Selten war die Bezeichnung „grottiger Sound“ zutreffender als an diesem Abend. Man konnte nur erahnen, dass dort gerade große Musik gespielt wurde vom „Verdi, der in Lady Gagas Körper gefangen ist“, wie der Musiker kürzlich sich selbst scherzhaft bezeichnete. Wer Rufus Wainwright wirklich erleben wollte, hat sich eines der raren Tickets für sein ausverkauftes Konzert heute Abend in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz besorgt. Allen anderen bleibt YouTube und die Hoffnung, dass der Meister gestern im Anschluss an die Signierstunde nicht auch noch mit Herrn Dussmann griechisch essen gehen musste.

How To Look Like Your Shirt Print

Wie alle wirklich tollen Dinge im Internet, ist auch die von Lisa Rank gegründete Facebook-Gruppe, in der alle aussehen wie ihre T-Shirts, etwas sinnlos.

Nicht ganz so toll – aber mindestens ebenso sinnlos – ist der neue Podcast „Das Wort zum Sonntag“, den ich manchmal sogar dienstags zusammen mit Mathias Richel mache.

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Vielen Dank an die Fotografin, Stylistin und Spenderin dieses wunderbaren T-Shirts, @momo13.

 

Freunde werden, sein und bleiben auf Facebook

Wenn es um Datenschutz, Allgemeine Geschäftsbedingungen oder die Vereinnahmung des gesamten weltweiten Netzes durch die Einführung von „Mag-ich-Knöpfen“ geht, ist das Fratzenbuch stets für einen Aufreger gut. Das ist nicht mein Thema.

Obwohl ich Web2.0-Diensten grundsätzlich offen gegenüber stehe, habe ich Facebook erst relativ spät für mich entdeckt. Seit etwa einem Jahr nutze ich es mehr oder weniger intensiv: Im Gegensatz zu XING versammeln sich hier überwiegend Kontakte privaterer Natur; zudem treffen hier zwei Welten aufeinander. Während bei Twitter nach wie vor eine überwiegend netzaffinere Runde gesellig miteinander zwitschert, hält mich das Gesichtsbuch auch über das Leben meiner Offlinefreunde auf dem Laufenden. Für sie scheint die Hemmschwelle, den Freundeskreis via Statusmeldung über aktuelle Ereignisse ihrem Leben zu informieren oder ein Bild zu veröffentlichen, kleiner zu sein, als zu bloggen, zu twittern oder ein Foto bei Flickr hochzuladen. Mittels Druck auf einen Button kann man ohne großen Aufwand Anteil am Leben seiner Freunde nehmen, in Facebook-Nachrichten im Hintergrund sind schnell ein paar persönlichere Zeilen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind, verfasst. Eine E-Mail zu schreiben wirkt dagegen fast so anachronistisch wie eine Postkutsche auf den Weg zu bringen. All das mag ich.

Was mich an Facebook indes zunehmend nervt, sind Kontaktanfragen folgender Art:

Kommentarlose Kontaktanfragen von Personen, die ich überhaupt nicht zuordnen kann. Ich gebe zu, ich habe ein eher schlechtes Namens- und Gesichtergedächtnis. Deshalb grüble ich oft und lange, woher ich diesen Menschen, der soeben im sozialen Netzwerk mein Freund werden wollte, kennen könnte. Doch zumeist will mir auch nach längerem Nachdenken nichts einfallen. Manchmal klicke ich einfach auf „ignorieren“, manchmal – wenn ich gut gelaunt bin – frage ich einfach nach: „Woher könnten wir uns kennen?“ Die ernüchternde Antwort ist oft: „Wir kennen uns nicht, aber wir haben 37 gemeinsame Freunde.“ Aha.

In selteneren Fällen jedoch habe ich tatsächlich schon einmal ein paar Worte mit dem Anfragenden gewechselt oder wir sind uns irgendwo in den Weiten des Netzes begegnet. In diesen Fällen stimme ich dem Kontaktwunsch grundsätzlich gern zu, halte es aber für eine wünschenswerte Geste, mir mit ein paar Worten auf die Sprünge zu helfen. Man kann Kontaktanfragen nämlich auch mit einem Begleittext wie „Hallo bosch, wir haben letztes Jahr auf der Geburtstagsparty von Erna Müller miteinander geknutscht …“ versehen. Ich weiß dann vielleicht, um wen es sich bei der anfragenden Person handelt, und erspare ihr lästige Rückfragen oder einen unberechtigten Korb.

Schwachsinnige Kontaktanfragen nehmen ebenfalls stark zu. Hier ein Beispiel:

„Betreff: Willst du nicht im der [Nachname einsetzen] Facebook … sein :-)
Ich bin Ingo [Nachname einsetzen] und suche [Nachname einsetzen] für meine [Nachname einsetzen] Comunity :-)
Sei doch dabei! Aufnahme Bedinnung ist heiße [Nachname einsetzen] ;-) nur [Nachname einsetzen] hat Zutritt :-)“

Nein, das will ich nicht. Ich will mich genau so wenig mit Leuten vernetzen, die zufällig denselben Nachnamen tragen wie ich, wie ich mich mit Besitzern von Kühlschränken, Liebhabern von Gurkensalat oder Leuten ohne Weisheitszähnen vernetzen möchte. Zumindest nicht ausschließlich aus diesem Grunde.

Anfragen von Kontaktsammlern erfreuen mich ebenfalls wenig. Kontaktanfragen lauten gern so: „Bei 53 gemeinsamen Freunden sollten wir uns auch vernetzen, oder?“ Ich frage daraufhin: „Warum?“ und erhalte als Antwort „Warum nicht?“ Das ist an sich ganz einfach zu beantworten: Ich will nicht, dass mein ganzer Facebook-Stream von Statusmeldung mir unbekannter Menschen zugemüllt wird. Außerdem möchte ich die für meinen Freundeskreis bestimmten Statusmeldungen, Bilder und Links nicht mit mir unbekannten Menschen teilen (ja, ich weiß, man kann die Privatsphäreeinstellungen so vornehmen, dass nicht alle Kontakte alle Informationen erhalten, aber darum geht es hier nicht).

Auch offensichtlicher Kontaktspam ist eine unschöne Sache. Ich lehne es ab, wenn sich Spirituosenhersteller, Ortsverbände fragwürdiger politischer Parteien oder Evangelische Redaktionen als natürliche Personen anmelden, und plötzlich mein Freund werden wollen. Dafür gibt es Gruppen oder Unternehmensseiten. Von Unternehmen muss man neuerdings nicht einmal ein Fan werden, sondern darf sie einfach mögen. Muss es aber nicht.

Um es auf den Punkt zu bringen: Bleibt locker, seid freundlich. Genau wie es man es im richtigen Leben auch von Euch erwarten würde. Dann klappt es auch im Netz. Vielen Dank.

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