Abwesenheit – Ein Liebesfilmexperiment

Und im Leben geht’s oft her wie in einem Film von Rohmer,
Und um das alles zu begreifen,
Wird man was man furchtbar haßt, nämlich Cineast,
Zum Kenner dieser fürchterlichen Streifen.

(Tocotronic)

Anstatt den verdammten Text endlich zum Abschluss zu bringen, einfach mal einen Film in die Kamera hineinprokrastinieren und es Filmkunst nennen. Ist er handlungsarm, nenne ich es Experimentalfilm, ist er verwackelt, nenne ich es Dogma 95. Mein Debüt ist naturgemäß ein Liebesfilm, für den es nur einzig möglichen Titel gibt: Abwesenheit.

Klaus Lemke: Rocker

„Du flachst mich nicht, Torte.“
– aus Rocker, 1972

Vor vielen Jahren ein bierseliger Abend mit Freunden. Uns kommt spontan die Idee, ins Kino zu gehen. Gezeigt wird Klaus Lemke – Rocker aus dem Jahre 1972. Ich hatte bislang noch nie von diesem gehört und während ich in der ersten Reihe ganz außen sitze, wundere mich über die vielen Menschen, die plötzlich diesen alten Schinken sehen wollen. Ja ja, Kulstatus sagt man immer so leicht dahin, aber dieser Film hat ihn wirklich – zumindest in Hamburg, wo sich alles abspielt. „Ja, gucken und gucken, da kommt ja nichts.“

Storyboard

Auszüge aus dem flüchtig dahingeworfenen Storyboard:

„Drehort ist eine verlassene Parkbank oder eine große leere Fläche. Wenn möglich, findet die Aufnahme bei passendem Wetter statt (Regen). Der einsame Protagonist traktiert ein anachronistisch wirkendes mobiles Device oder schreibt ein paar Worte in ein analoges Notizbuch. Dabei trinkt er Bier aus der Flasche, um die der Szenerie innewohnende Tristesse zu unterstreichen. Die visuelle Anmutung orientiert sich an Dogma 95. Sofern der Regisseur im Abspann namentlich erwähnt werden muss und der Kameramann über ein ruhiges Händchen verfügt, an David Lynch. Drehtermin: KW 30.“

Mafiagruß

„Das ist eine sizilianische Botschaft. Sie bedeutet:
Luca Brasi schläft jetzt bei den Fischen.“
(Der Pate)

Gekitzelt von den ersten Sonnenstrahlen erwacht man, lange bevor der Wecker ertönt. Neben einem im Bett liegt etwas Totes und man denkt sofort an die Mafia. Es ist nur eine Fliege. Sodann ekelt man sich vor dem Insekt und grämt sich ob der Erkenntnis, dass die eigene Existenz für einen Pferdekopf nicht bedeutend genug sein könnte.