Flaschen

Staropramen — Bier
Staropramen — Bier

Schrauben weg

Und wat machste für’n Theater um jeden neuen Tach,
Wenne Mittwoch überlebst, dann is Donnerstach.
(Missfits)

Manche Tage sollten nie stattfinden. Die schlimmsten Wochentage sind: Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag.

Gestern war wieder einer von diesen schlimmen Tagen. Ich dachte ausnahmsweise einmal nichts Böses und parkte mein Fahrrad vor einer gut besuchten öffentlichen Einrichtung. Als ich zurückkam, stand es noch genauso da, wie ich es verlassen hatte. Allerdings bemerkte ich nach einigen Metern eine gewisse Instabilität, welche mich fast aus dem Gleichgewicht gebracht hat.

Ein so genannter Mitmensch hatte doch tatsächlich, während ich in der Bücherhalle weilte, die zwei Schrauben, welche meinen Gepäckträger am Rahmen befestigten, unerlaubt entfernt; ja, geklaut, um es beim Namen zu nennen. Jetzt hat die Krise auch den Fahrraddiebstahlmarkt erreicht, dachte ich. Wurden früher wenigstens noch ganze Farräder geklaut, begnügt man sich heute schon mit der heimlichen Abmontage von lumpigen Ersatzteilen. Was diesem Land fehlt, sind Visionen. Und ich will jetzt nicht von Helmut Schmidt reden, denn der ist in seinem ganzen Leben vermutlich noch nie Fahrrad gefahren. Aber wer nicht einmal den Mumm hat, ein vollständiges Zweirad zu klauen, dem kann auch kein Arzt mehr helfen.

Fahrradstation Dammtor l Rotherbaum
Fahrradstation Dammtor l Rotherbaum

Wutschnaubend bin ich in die Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstatt in der Nähe der Universität gefahren, welche mir noch aus der Zeit, als der Drahtesel meiner ehemaligen Mitbewohnerin hier ein gerngesehener Dauergast war, gut bekannt war. In der Werkstatt befand sich ein halbes Dutzend schwitzender und ölbeschmierter Do-It-Yourself-Fahrrad-Mechaniker und ungefähr doppelt soviele Fahrradwerkstatts-ABM-Kräfte, die ihnen gefragt und ungefragt mit klugen und vermeintlich klugen Ratschlägen zur Seite standen, aber aus Haftungsgründen niemals selbst Hand anlegten (außer bei ganz verzweifelten hübschen, jungen Damen). Meistens machten die ABM-Kräfte allerdings Pause, rauchten selbstgedrehte Zigaretten und tranken Kaffee aus der Thermoskanne. In der für kleinere Notfälle bereitstehenden „Grabbelkiste“ mit Ersatzteilen gab es natürlich keine passenden Schrauben, also erwarb ich ein Paar samt Muttern in der zum Betrieb gehörenden „Meisterwerkstatt“.

Mein Gepäckträger ist jetzt unlösbar mit Sicherheitsschrauben mit dem Rest des Vehikels verbunden. Dank Assistenz eines qualifizierten Mitarbeiters, der gerade Pause von der Pause machte, konnte ich diese auch mittels eines chirurgischen Eingriffs (ein alter Fahrradkorb war im Wege, aber durch ein Schloss untrennbar mit dem Gepäckträger verbunden, was die Operation unnötig verkomplizierte), sofort anbringen. Ich zahlte drei Euro für die Schrauben, die nun sicherlich das Wertvollste an meinem Fahrrad sind, spendete zwei Euro für die Kaffeekasse und kaufte bei dieser Gelegenheit auch gleiche eine Fahrrad-Vodoo-Puppe. Bei dieser steche ich nun täglich in die Reifen und lockere alle sicherheitsrelevanten Schrauben – auf dass es dem Schraubendieb bei seinen Fahrradfahrten künftig schlecht ergehe. Irgendwann möge er für seine Tat auf ewig in der Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstatts-Hölle schmoren.

Todesanzeigen

Todesanzeigen in der Süddeutschen Zeitung

Für mein Leben gern lese ich die Todesanzeigen in der Süddeutschen Zeitung. Der Lokalteil dieser Zeitung interssiert mich darüber hinaus nicht, schließlich habe ich weder in München gelebt noch kenne ich jemanden, der in der bayerischen Landeshauptstadt das Zeitliche segnen könnte. Das Beste an den Traueranzeigen sind die Bekanntmachungen der Friedhofsverwaltung. Hier wird genau bezeichnet, wer wann und wo beigesetzt wird; aber nicht nur das:  auch der Beruf der Verblichenen wird hier exakt angegeben. So weiß ich, dass die Menschen in München Tätigkeiten wie „Bundesbahnbeamter“, „Näherin“, „Hafner/Ofensetzer“, „Buchbinder“, „Maschinenstrickerin“ oder gar „Zolldeklarant“ nachgingen.

Allesamt Berufsbilder aus einer längst vergangenen Zeit, wie sie von den „Blättern zur Berufskunde“, die früher das Arbeitsamt, als es noch nicht Bundesagentur für Arbeit hieß, nicht hätte schöner ersonnen werden können. Noch nie ist ein „Facility Manager“, ein „Human Resources Developer“ oder ein „Social Media Consultant“ dahingeschieden. Nicht, dass diese Berufe unsterblich machten – aber bis diejenigen, die diese Berufe ausüben, an der Reihe sind, wird es wohl keine auf Papier gedruckten Todesanzeigen mehr geben.

Regen


„Sdaeh rieht edih dna nur yeht semoc niar eht fI“
(John Lennon)

Es reicht langsam.

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