Joachim Ringelnatz: Einsiedlers Heiliger Abend

Einsiedlers Heiliger Abend

Ich hab’ in den Wehnachtstagen –
Ich weiß auch, warum –
Mir selbst einen Christbaum geschlagen,
Der ist ganz verkrüppelt und krumm.

Ich bohrte ein Loch in die Diele
Und steckte ihn da hinein
Und stellte rings um ihn viele
Flaschen Burgunderwein.

Und zierte, um Baumschmuck und Lichter
Zu sparen, ihn abend noch spät
Mit Löffeln, Gabeln und Trichter
Und anderem blanken Gerät.

Ich kochte zur heiligen Stunde
Mir Erbsenuppe und Speck
Und gab meinem fröhlichen Hunde
Gulasch und litt seinen Dreck.

Und sang aus burgundernder Kehle
Das Pfannenflickerlied.
Und pries mit bewundernder Seele
Alles das, was ich mied.

Es glimmte petroleumbetrunken
Später der Lampendocht.
Ich saß in Gedanken versunken.
Da hat’s an der Tür gepocht.

Und pochte wieder und wieder.
Es konnte das Christkind sein.
Und klang’s nicht wie Weihnachtslieder?
Ich aber rief nicht: “Herein!”

Ich zog mich aus und ging leise
Zu Bett, ohne Angst, ohne Spott,
Und dankte auf krumme Weise
Lallend dem lieben Gott.

(Joachim Ringelnatz)

Kurt Tucholsky: Das Ideal

„Jedes Glück hat einen kleinen Stich.
Wir möchten so viel: Haben. Sein. Und gelten.
Daß einer alles hat:
das ist selten.“
(Kurt Tucholsky, Das Ideal)

Wir hören Kurt Tucholskys Gedicht „Das Ideal“ in einer schönen Rezitation von Harry Rowohlt.

Heute vor 75 Jahren starb Tucholsky kurz vor seinem 46. Geburtstag, in einem Göteborger Krankenhaus. Bis heute ist ungeklärt, ob er sich durch einen beabsichtigten oder zufälligen Selbstmord um sein Leben brachte. Mehr über ihn, Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel gibt es in Friedhelm Greis wunderbaren Sudelblog.

Das Wort zum Sonntag #14: Zivildienst

Manchmal schreibe ich nicht nur, sondern spreche auch ein paar Worte in ein Mikrofon und stelle das ins Internet. Und weil man das abonnieren kann, nennt sich das Podcast. Das tue ich natürlich nicht allein, weil ich gar nicht so viel zu erzählen habe, und es auch sehr langweilig wäre, mir stundenlang zuzuhören.

Wenn ich mit Sven und Stefan podcaste, dann heißt es „Hamburger zum Mittag“; leider bin ich zuletzt nicht mehr so oft dabei gewesen, da ich zumeist in Berlin weilte.

Weil es aber auch in der Hauptstadt so einiges zu erzählen gibt, habe ich gemeinsam mit Mathias Richel im Juni dieses Jahres „Das Wort zum Sonntag“ gestartet. Wir reden dort über alles und jeden. Mal haben wir Gäste, mal sind wir nur zu zweit. So auch bei dieser Folge mit der Nummer 14. Kurz vor Weihnachten wird es etwas besinnlicher. Wir denken uns unsere jeweilige Zeit im Zivildienst zurück:

[podcast]http://mathiasrichelspodcast.podspot.de/files/Folge%2014%20-%20Zivildienst.mp3[/podcast]

Hier klicken zum Herunterladen (57,9 MB).

Der RSS-Feed von „Das Wort zum Sonntag„.
Hier könnt ihr „Das Wort zum Sonntag“ auf iTunes abonnieren.

Arschgesichterkonferenz

Soeben entdeckte ich diese Preziose des deutschen Kulturbetriebs: Die Vertonung eines Gedichts des wunderbaren Robert Gernhardts. Von einem spontan zusammengestellten Chor auf einer privaten Veranstaltung gesungen.

Vor einigen Jahren habe ich eine der letzten Lesungen Gernhardts in Hamburg besucht. Im Anschluss an die Veranstaltung in dem völlig überfüllten Buchladen in Colonnaden dauerte das Signieren der Bücher eine halbe Ewigkeit. Er schien sich sehr lange Zeit zu nehmen, seinen Namen in die Bücher zu schreiben. Erst als ich mein signiertes Exemplar in Empfang nahm, erkannte ich, warum es so lange dauerte: Der Dichter versah jeden Band mit einer kleinen Zeichnung. Mir malte er ein Schwein. Warum auch immer.

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(via dingsprozessor.de)

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