Müdigkeit

Wie der Schlaflose daliegt bis hinein ins Fahllicht des
Morgengrauens, das ihm die Verdammnis bedeutet, über ihn
allein da in seiner Schlaflosigkeitshölle hinaus des ganzen
fehlgeratenen, auf den falschen Planeten verschlagenen
Menschenwesen … Auch ich war in der Welt der Schlaflosen
(und bin es, immer wieder, noch jetzt.)

(Peter Handke, Versuch über die Müdigkeit)

Nach einer fast schlaflosen Nacht von Singvögeln geweckt werden und sich fragen, wie es wäre, diese von den Bäumen zu holen. Wer sagt einem denn, dass vier Stunden der Nachtruhe nicht vollkommen ausreichen? Dann ein Glas Milch trinken und auf die von der Agrarwirtschaft versprochene muntermachende Wirkung hoffen, die der weiße Saft der Kuh jedoch niemals zu spenden vermag. Trotz allem relativ beschwingt in den Tag starten, aber schon bald von der Müdigkeit unerbittlich eingeholt werden.

Sonntag

Everyday is like sunday.
Everyday is silent and grey.

(Morrissey)

Man kann Wohnungen verlassen. An Wochenenden. Aber man muss nicht. Wenn es sonntags regnet, ist es nicht so schlimm. Der unterschwellige Zwang, vor die Tür gehen zu müssen, nur weil diese Sonne versehentlich einmal scheint, ist indes viel schwerer zu ertragen. Man geht dann eine Runde um dem Block und sogleich ärgert man sich über sich selbst, weil man ja bereits vorher wusste, nichts zu verpassen, wenn man nur liegen geblieben wäre.

Dann irgendwas lesen, irgendwas hören, irgendwas denken, irgendwas trinken. Lauter unnützes Zeug. Am Abend nicht einschlafen können und am nächsten morgen nicht aufstehen wollen.

Schwalbe

Das Sammelalbum aus dem letzten Jahr nicht voll bekommen und trotzdem schon wieder eine Fußball-WM im Lande. Die Stimmung ist eine ganz andere als damals. Wer nicht aufmerksam genug ist, bemerkt gar nicht, dass ein Turnier stattfindet: Keine Deutschland-Flaggen an Autotüren, keine Vuvuzelas.

Und ehe man sich versieht, sind die Schwalben weitergezogen.

Bürotiere

„Die Tiere sind unruhig.“
(Rolf Dieter Brinkmann, Wörter Sex Schnitt.)

Eine Gruppe in dem Büro in der Kreuzberger Fabriketage pflegt Stofftiere um sich zu scharen. Nicht wenige dieser Tiere geben auf Druck oder Handzeichen Geräusche von sich. Das tun sie oft und und genau so oft strapazieren sie unsere Nerven. Trotzdem mögen wir sie. Irgendwie.

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